Vergissmichnicht (2010)

OT: L'âge de raison - 97 Minuten - Komödie / Romanze
Vergissmichnicht (2010)
Kinostart: 05.08.2011
DVD-Start: 24.06.2011 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Vergissmichnicht

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Als Kind hat man noch Träume. Man ist sich sicher, alles erreichen zu können- von dem Besitz etlicher Millionen Euro, dem Traumprinzen inklusive weißem Schimmel, bis hin zur Rettung aller bereits ausgestorbenen Tierarten – als Kind ist nicht nur die Phantasie groß, sondern vor allem die Hoffnung und der Glaube. Allerdings bleibt man ja nicht ewig Kind und aus Träumen wird Ernst und aus Glaube Realität. Dass einen manche Dinge immer wieder einholen und die eigenen Träume nie ganz in Vergessenheit geraten (sollten) erzählt die Geschichte des Films Vergissmichnicht.

Margaret (Sophie Marceau) ist eine erfolgreiche, selbstbewusste Geschäftsfrau, die kurz vor ihrem 40. Geburtstag fast ganz oben an der Karriereleiter angelangt ist. Einem weiterhin erfolgreichen Leben scheint nichts mehr im Wege zu stehen, bis ein alter Notar (Michel Duchaussoy) ihr persönlich einen Brief übergibt. Irgendeinen Brief? Nein – Margaret selbst hat ihn als Kind verfasst und arrangiert, dass dieser, gefolgt von sechs weiteren, dem erwachsenen Ich übergeben wird. Anfangs noch vollkommen desinteressiert und von ihrer eigenen Kindlichkeit erschrocken, lässt sie sich schließlich doch auf die Nachrichten aus der eigenen Vergangenheit ein und muss bald feststellen, dass sie gewisse Dinge und Menschen nicht hätte verdrängen sollen - allen voran ihre eigenen Träume...

Aufgrund der Vielzahl an amerikanischen Produktionen, die sich gegenseitig an Budget- und Effektbombardement übertreffen wollen, gerät das europäische Kino bedauerlicherweise immer öfter in den Hintergrund. Relativ selten macht gerade ein französischer Film international auf sich aufmerksam, wie es beispielsweise Die fabelhafte Welt der Amélie aus dem Jahr 2001 schaffte. Vergissmichnicht gibt es seit Ende Juni 2011 bereits als DVD im Handel und trotzdem erkannte ein Verleih glücklicherweise dessen Potential und bringt die Geschichte über die in sich verlorene Margaret in unsere Kinos.

Der Film punktet auf der einen Seite mit seiner wunderschönen Geschichte rund um das starke Thema ‚Erwachsenwerden‘. Die Vorstellung, was man als Erwachsener sein möchte und die Tatsache, zu wem man als Erwachsener schlussendlich wirklich geworden ist, sind zwei Paar Schuhe, die oft meilenweit auseinanderliegen. Nicht selten entscheidet man aus Gründen der Vernunft oder der Verzweiflung in eine völlig andere Richtung zu gehen, nur um am Ende festzustellen, dass man mit dem eigenen Wandel auch seine Werte abgegeben hat. Der Film erzählt von der Suche nach dem eigenen Glück, aber vor allem nach der eigenen Erfüllung und der Erkenntnis, dass Geld, Macht und Ruhm oft nicht essentiell für die eigene Glückseligkeit sind.

Auf der anderen Seite punktet Vergissmichnicht vor allem mit einer hinreißenden Sophie Marceau, die einen von der ersten Sekunde an in ihre Welt entführt und den Zuschauer mitfühlen und mitfiebern lässt. Marceau setzt zusammen mit Regisseur Yann Samuell dessen Drehbuch derart feinfühlig um, dass trotz romantischer Momente absolut kein Kitsch und trotz dramatisch-trauriger Szenen absolut keine übertriebene Theatralik aufkommt. Die typisch für das französische Kino künstlerisch-verträumten Kameraschnitte vermitteln darüberhinaus einen ganz besonderen Charme, der in Anbetracht der momentanen Hollywoodfilmmassen äußerst erfrischend wirkt.

Manche Filme brauchen eben keine Effekte und kein 3D- Wettrüsten, in diesem Fall genügt eine tiefgreifend sensible Geschichte, welche von herausragenden Schauspielern erzählt wird aus, um den Zuschauer im Kinosessel zu fesseln.  Manche Filme brauchen eben keine übertrieben theatralische Liebesgeschichte mit obligatorischem happily ever after am Ende, in diesem Fall genügt eine nachvollziehbare, liebenswerte Handlung mit einer äußerst wertvollen Message. Wer würde sich nicht wünschen, kurz vor dem Burnout an seine ursprünglichen Träume und Wünsche erinnert zu werden? Wer möchte nicht kurz vor der endgültigen Transformation in eine Arbeitsmaschine an das Kind in einem selbst erinnert werden, an die Zeit als Phantasie und der Griff nach den Sternen mit keinem Geldbetrag zu ersetzen war? Das hier ist europäisches bzw. französisches Kino wie wir es brauchen und wie wir uns es wünschen. Nach Die fabelhafte Welt der Amélie ist Vergissmeinnicht endlich wieder ein Beweis dafür, dass der französische Film seine Berechtigung hat und viel mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihm bislang zugestanden wurde!

Fazit:
Vergissmichnicht ist ein unbeschreiblich schöner, unterhaltsamer und liebevoller Film mit einer wunderbaren Story und einer traumhaften Umsetzung. Ein tiefsinniges Meisterwerk, verpackt in einer romantischen Komödie ohne Kitsch oder aufgesetztem Drama. Bis zu diesem Zeitpunkt die Überraschung des Jahres und ein Pflichttermin für jeden Cineasten! Ehrlich!

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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