Ratatouille (2007)

OT: Ratatouille - 118 Minuten - Animation
Ratatouille (2007)
Kinostart: 03.10.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Ratatouille

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Pixar steht für das Animationsgenre, wie es kein anderes Studio auf der Welt tut. Scheinbar auf sich alleine gestellt, servieren sie weit über dem Durchschnittsniveau ein Meisterwerk nach dem anderen. Begonnen hat alles mit dem bahnbrechenden Toy Story, das im Jahr 1995 die Vorherrschaft der Zeichtrickfilme beendete und die neue Ära der am Computer generierten Animationsfilme einleitete. Mit Das große Krabbeln, Toy Story 2, Die Monster AG, Findet Nemo, Die Unglaublichen und Cars folgten weitere Highlights des Genres, und obwohl ihr jüngstes Werk Cars nicht an die Qualität der Vorgänger anschließen konnte, war er immer noch besser als viele andere Werke des Genres.

Nun im Jahr 2007 ist es wieder soweit und Pixar bringen ihren neuesten Film auf den Markt. Die Erwartungen blieben hoch: Nachdem Cars nicht in gewohnter Pixarmanier ein Meilenstein wurde, blickte man gespannt auf das nächste Werk. Bei Pixar hatte man sich schon aller möglichen Protagonisten bedient: Begonnen hat alles mit lebendem Spielzeug, dann kamen die Käfer, Monster, Fische, schließlich in der Vorstadt lebende Superhelden und dann die Autos. In welchem Metier sollte man also den neuesten Film ansetzten? Die Antwort ist so einfach wie brillant: Ratatouille greift sich die Außenseiter des Zeichentrickgenres und macht sie zu seinen Hauptdarstellern: Ratten wurden bis dato höchstens als Bösewichte eingesetzt, und dementsprechen riskant war auch die Entscheidung von Pixar, ihren Protagonist als Ratte auftreten zu lassen. Doch die Rechnung ging auf: Ratatouille ist nicht nur der bis dato beste Film von Pixar, es ist der neue König des Genres.

Die Ratte Remy ist so ganz anders als seine Artgenossen. Während sein Vater, welcher der Anführer des Rudels ist, und sein Bruder ein klassisches Rattenleben führen, ist Remy mit einem außergewönlich feinfühligen Geschmacks- und Geruchssinn gesegnet. Doch dieser Segen ist auch sein Fluch: Er kann sich einfach nicht mit dem gewöhnlichen Rattenessen, bestehend aus allem, was man findet, anfreunden. Er sucht sich sein Essen bedacht zusammen, würzt es und gilt somit als Gourmet unter den Ratten. In der Gruppe wird sein Talent zwar geschätzt, aber man nutzt es nur aus, um ihn an gefundenen Lebensmittel riechen zu lassen, damit man keine vergiftete Nahrung zu sich nimmt.

Remy träumt allerdings von einem anderen Leben. Er verschlingt die Kochbücher seines Vorbilds Gusteau, der vorpredigt, dass jeder kochen kann, und träumt davon, einmal selbst Koch zu werden. Während er seine ersten Erfahrungen macht, kommt es zu einem Zwischenfall und Remy wird vom Rest seines Clans getrennt. Nach einer wilden Fahrt durch einen Abwasserkanal kommt er in Paris zu sich, zufällig genau vor Gusteaus Restaurant. Dieser ist zwar bereits verstorben, aber in der Küche lernt er den untalentierten Gehilfen Linguini kennen. Remy verbündet sich mit ihm, und gemeinsam wollen sie der beste Koch Frankreichs werden...

Ratatouille beginnt, wie es bei Pixar üblich ist, mit einem Vorfilm. Dieser ist Gary Rydstroms Lifted, welcher von einem UFO Fahrschüler handelt, der beweisen muss, dass er das Gefährt bedienen kann. So hantiert er mit den unzähligen Hebeln herum und versucht zwanghaft, einen schlafenden Menschen mit seinem Traktorstrahl aus dessen Bett zu befördern. Dass dabei natürlich alles schief geht, braucht nicht erwähnt zu werden, aber erwähnenswert ist sehr wohl, dass man in den knappen fünf Minuten, die dieser Lifted andauert, besser unterhalten wird als in vielen abendfüllenden Spielfilmen. Doch dies soll nur der Vorgeschmack sein auf das was noch kommen wird.

Regisseur Brad Bird, der sein Talent bereits mit Die Unglaublichen und seinem Vor-Pixarwerk Der Gigant aus dem All zeigen durfte, beweist erneut, was für ein unglaubliches Gespür er für die Materie hat. Im Gegensatz zu vielen anderen beweist er Mut, der weit über die generelle Figurenanlegung im Rattenmillieu hinausgeht. Das Animationsgenre hat immer die undankbare Aufgabe, einen Film zu erschaffen, der sowohl das junge Publikum anspricht als auch für die Erwachsenen genug bietet. Denn die Bezeichnung Familienfilm kommt nicht von ungefähr. Es sollen ja auch alle ihren Spaß haben.

Und Ratatouille gelingt dieser Brückenschlag wie kaum einem anderen Film. Die Grundzüge der Geschichte, die als Fabel über Werte im Leben, Freundschaft und die Ausrottung von Vorurteilen angelegt ist, sind so klar defininiert, dass sie sowohl von den Kleinen verstanden als auch von den Erwachsenen geschätzt werden. Die meisten Gags sind für alle zum Lachen, aber besonders im Detail wendet sich Ratatouille sehr an ein erwachsenes Publikum. Viele Randerscheinungen und Witze werden für ein reifes Publikum aufbereitet, und somit ist der Film nicht nur als Familienfilm geeignet, sondern auch nur für Erwachsene ohne Kinder.

Die Leute bei Pixar verstehen es dabei wie kein anderes Animationsstudio, die Vorzüge des Genres auszunutzen. Im Animationsgenre gibt es keine physikalischen Beschränkungen, und so konnten sich die Macher vollkommen austoben, was das Erschaffen ihrer Welt angeht. Ähnlich wie in Das große Krabbeln legen sie die Perspektive häufig weit hinunter, dargestellt aus "Rattenansicht" und zeigen, immer auf Augenhöhe mit Remy, ihr Spektakel. So erreichen die Actionszenen eine unglaubliche Dynamik. Es geht rauf, runter, hin und her, die Perspektiven werden schlagartig gewechselt und man ist immer hinter Remy her. Diese Sequenzen und die Kamerafahrten allgemein sind dabei so gut, wie es nur irgendwie möglich ist.

Doch das wahre Herzstück des Films sind seine unglaublich gut gezeichneten Charaktere. Besonders die Ratte Remy ist dabei ein Meisterstück. Prinzipiell stelle ich solche Verallgemeinerungen ungern an, aber ich würde wirklich sagen, dass dies die beste Figur ist, die Pixar je erschaffen hat. Die Charakterzeichnung generell ist der letzte Schritt in Richtung Erwachsenenfilm. Remy hat den Traum Koch zu werden, aber als Ratte hat er es denkbar schwer. Deshalb ist sein Leben auch ein einziger Kampf gegen Vorurteile. Er muss gegen das Schicksal, das seine Familie für ihn entworfen hat, ankämpfen, und gleichzeitig muss er gegen das Vorurteil der Menschen antreteten.

Remy hat es wirklich nicht leicht. Natürlich wurde er als die strahlende Hauptfigur des Films angelegt. Er ist die Figur, die alle Sympathien auf seiner Seite hat, sei es durch seine gewitzten Dialoge oder sein sympathisches Auftreten. Remy ist eine Figur, die man einfach lieben muss. Besonders gut ist dabei seine Gestik und seine Mimik gelungen. In subtilen Bewegungen drückt er mehr aus, als viele Schauspieler durch Worte schaffen. Wenn er den Kopf senkt oder beschämt zusammenzuckt, immer wirkt es glaubhaft und eindrucksvoll. Mit seinen unscheinbaren Bewegungen, wenn er mit Linguini kommuniziert, seine dynamischen Fluchtaktionen, oder einfach seine Besessenheit beim Kochen, ist Remy eine Figur, die man nur lieben kann.

An seiner Seite verkommen alle menschlichen Akteure zu Statisten, obwohl auch sie relativ gut angelegt sind. Linguini hat dabei die Rolle des besten Freundes von Remy, wobei zwischen den beiden eine zutiefst humane Anziehung entsteht. Auch das feinfühlige Zeichnen der Zuneigung der beiden Freunde ist Pixar unwahrscheinlich gut gelungen. Doch nicht nur die Protagonisten, sondern vor allem auch deren Gegenspieler sind einen Blick wert: Für humorvolle Einschübe sorgt der von Grund auf böse, kleinwüchsige Küchenchef Skinner, aber richtig genial ist die, im Original von Peter O'Toole gesprochene, Rolle des Kritikers Ego. Diese Figur wird den ganzen Film über diabolisiert. Man stellt ihn als das absolute Böse dar, sein Arbeitszimmer hat aus der Vogelperspektive sogar die Form eines Sarges. Dabei hat er sehr wenig Screen Time, aber wenn es dann am Ende zum finalen Showdown zwischen ihm und Remy kommt, hat dessen Essen eine Wirkung auf ihn, die nicht nur total überraschend ist, sondern vor allem liebenswert und sympathisch. Pixar ist die Auflösung der Geschichte, genau wie deren Aufbau, unglaublich gut gelungen.

Was den Film noch zusätzlich aufwertet, ist seine unglaubliche Liebe zum Detail. Im Großen und Ganzen stellt Ratatouille auch noch eine liebevolle Hommage an Frankreich und seine Einwohner da und macht sich auf sympathische Weise über sie lustig. In einer Szene sieht man zum Beispiel Remy durch einen Luftschacht eilen, während man durch ein Loch sieht, wie eine Frau ihren Mann mit einer Waffe bedroht. Remy läuft weiter, ein Schuss ertönt, dieser schreckt ihn auf und lässt ihn zurücklaufen. Durch das Loch sieht man nun, dass nichts passiert ist und die beiden sich küssen. Solch charmante Anspielungen gibt es haufenweise im Film und sie passieren oft nur versteckt im Hintergrund, sodass manche sie erst nach mehrmaligem Ansehen entdecken werden.

Fast schon nebenbei feuert Pixar wieder eine technische Perfektion der Superlative ab. Das Besondere dabei ist allerdings, dass Pixar es immer wieder schafft, die Technik zu verbessern, dies aber gar nicht so auffällt, da man sich nicht in der technischen Brillanz verliert, sondern sich diese immer der Geschichte unterordnet. Die Technik ist nur Mittel zum Zweck, um die Story voranzubringen, aber nichtsdestotrotz sei hier erwähnt, dass die Animateure großartige Arbeit geleistet haben. Alleine die Lebensmittel, die in Ratatouille gezeigt werden, sehen dermaßen schmackhaft aus, dass man am liebsten hineinbeißen möchte. Auch die Figuren und die Umgebung wurden wunderbar gezeichnet und alles in allem hat es Pixar wieder einmal geschafft, das Genre weiter zu bringen.

Ratatouille ist definitiv ein ganz großer Film geworden. Alle Einzelkomponenten ergeben ein derart perfektes Bild, dass für mich nichts außer der Höchstwertung in Frage kommt. Detailverliebt und charmant erzählt man die reife und liebenswerte Geschichte von Remy und liefert damit ein Meisterwerk für Jung und Alt. Dabei ist es auch noch gelungen, ein außergewöhnlich stimmungsvolles Bild von Paris zu zeigen, das an Charme nicht zu übertreffen ist. Die Ausstrahlung, die Musik, die Charaktere und die Geschichte ergeben ein Bild von einem Film, den man an keiner Stelle verbessern könnte. Ich weiß nicht, wie es Pixar schaffen will, das Ganze im nächsten Jahr mit Wall-E noch zu überbieten, aber ich bin gespannt. Ratatouille wird es auf jeden Fall sehr weit nach vorne in den Bestenlisten des Jahres schaffen, und hat dies auch mehr als verdient. Ein Meisterwerk, das man einfach lieben muss!

Fazit:
Mit Ratatouille macht Pixar aber auch wirklich alles richtig, was man richtig machen kann. Die Geschichte ist sowohl charmant als auch spannend, und man nimmt sich angenehm viel Zeit, um die Charaktere zu beleuchten. Der Hauptdarsteller Remy ist dabei meiner Meinung nach das Beste, was Pixar je erschaffen hat. Was er alleine durch seine subtile Mimik und seine dezenten Gesten ausdrückt, ist mehr als manche durch Worte schaffen. Ratatouille ist auf jeden Fall einer der ganz großen Filme des Jahres und ein wahres Meisterwerk. Der neue Primus des Animationsgenres!

Wertung:
10/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.6/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 112
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