Caché - Versteckt (2005)

OT: Caché - 117 Minuten - Psycho / Drama
Caché - Versteckt (2005)
Kinostart: 26.01.2006
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Caché - Versteckt

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Die Welt von Georges (Daniel Auteuil) und Anne (Juliette Binoche) wird durch einen Fremden aus den Fugen gehoben: Ständig schickt er ihnen Videos die das Ehepaar beim betreten und verlassen ihres Hauses zeigen. Die Ungewissheit über die Absichten des Unbekannten scheinen die Familie in den Wahnsinn zu treiben. Die Polizei kann ihnen nicht helfen, da noch kein Verbrechen begangen wurde und die Angst bringt die Nerven aller Betroffenen zum zerbersten. Sie versuchen dem Voyeur auf die Schliche zu kommen und entdecken nach und nach dass ihr nach außen hin makelloses Leben in Wirklichkeit von Zweifel und Missständen durchzogen ist...


 

„Bester Film", „Bester Regisseur", „Bester Hauptdarsteller", „Bester Schnitt", „Preis der Filmkritik"! Michael Hanekes Film Caché war der große Sieger des diesjährigen Europäischen Filmpreises. Sein perfektes Psycho-Drama über den Einfluss des Unbekannten auf den menschlichen Geist folgt keiner Filmregel und ist ein unglaublich verstörender filmischer Hochgenuss.


 

Die Regie von Haneke ist makellos. Er serviert uns eine Reihe von sehr langen Szenen die beinahe ohne Schnitte auskommen. Durch diese sehr langen, beinahe qualvollen Einstellungen reibt er die Nerven der Zuseher zusätzlich auf. Allein der Beginn von Caché ist schon ein Hochgenuss: Es wird die Hausfront von Georges und Anne gezeigt, man sieht sie das Haus verlassen, Passanten kreuzen den Weg und plötzlich sieht man wie im Bild vor und zurückgespult wird. Die ganze Einstellung war nur ein Videoband das im Film abgespielt wird. Haneke zeigt uns die Verstörung die das ungewohnte auf den Menschen ausübt. Der Zuseher kann sich den ganzen Film über nicht sicher sein ob das gezeigte ein Videoband oder die Echtzeit ist.


 

Die Frage nach dem Wer gerät in Caché zwar zum einen in den Hintergrund und weicht dem viel essentielleren Warum, jedoch ist eben genau dieses nicht wissen wer die Bänder dreht ein Einfluss über den sich der Zuseher mit den Protagonisten verbunden fühlt. Wir sehen nur das Resultat das dieser Unbekannte Einfluss auf das Familienleben ausübt. Alle werden verstört, haben Angst und beginnen sich zu streiten. Georges wird auf seine längst vergessene Kindheit zurückerinnert und ihm wird vor Augen geführt welch schrecklichen Fehler er damals begangen hat.


 

Gleichzeitig unterstreichen die sehr langen, ununterbrochenen Szenen die psychologische Intensität des Films. Da der ganze Film ohne Musikuntermalung dargeboten wird muss er natürlich auf eine andere Weise Spannung erzeugen. Haneke zeigt uns die simpelsten Tätigkeiten der Familie und auf Grund der Länge dieser Szenen und der äußerlichen Bedrohung des Voyeurs knistern selbst die unbedeutendsten Szenen vor Spannung. Stets erwartet man das etwas passieren muss. Der Betrachter schlüpft in die Rolle der Familienmitglieder und steht ständig unter Druck. Durch die sehr ruhige Herangehensweise wirkt der Film umso beklemmender. Haneke versucht mit Caché nicht den Zuseher zu unterhalten, er versucht ihn zu verstören und zum Denken anzuregen. Die langen Einstellungen und die Intensität der gezeigten Bilder nehmen den Zuseher psychisch so stark mit das, sobald einmal etwas ungewöhnliches gezeigt die totale Verstörung eintritt.


 

Neben dem Aspekt der Verstörung hat Caché auch noch andere Inhalte. Vor allem portraitiert Haneke grandios wie sich ungewohnte Einflüsse auf den Menschen auswirken. Man sieht die psychische Veränderung die das Ehepaar durchmacht. Wegen den geringsten Kleinigkeiten beginnen sie eine Streit und werden immer labiler. Ausgezeichnet ist auch das sich Haneke selbst bei seiner Figurenzeichnung keiner Regel beugt. Seine Familie ist alles andere als die gewöhnliche Hollywood Familie. Sie leiden unter Kommunikationsstörungen und scheinen längst nur mehr aus Gewohnheit miteinander zu Leben.  Dieses Unbehagen selbst innerhalb der Familie trägt dazu bei dass sich der Zuseher den ganzen Film über nie wirklich wohl fühlt, was wiederum der grandiosen verstörenden Atmosphäre zu gute kommt.


 

Caché liefert auch noch andere subtil übermittelte Kritikpunkte, wie etwas leichte Kritik an der Polizei oder Kritik an der Kolonialvergangenheit Frankreichs, diese Punkte bleiben aber im Hintergrund, damit sich Haneke voll und ganz auf sein psychologisches Spiel konzentrieren kann. Auf Gewalt verzichtet er dabei beinahe zur Gänze. Nur ein einziges Mal fließt Blut, dies wirkt dann aber umso dramatischer und verstärkt die ohnehin schon stark vorhandene Beklemmung des Films noch.


 

Getragen wird Caché souverän durch die perfekten Darsteller. Sowohl Daniel Auteuil, als auch Juliette Binoche liefern eine Galavorstellung ab und überzeugen voll und ganz. Sie machen den ganzen Film über keinen Fehler und beweisen sich in den sehr schwer zu spielenden, überlangen Einstellungen die Haneke für seinen Film verwendet.


 

Caché ist ein sehr anspruchsvoller Film der sicher nicht jeden gefallen wird.  Blockbuster verwöhnte 08/15 Kinogänger, die jedes denken im Kino vermeiden wollen sind mit Caché falsch beraten. Zwar ist die grobe Geschichte die hinter dem Film steht nicht unbedingt schwer zu verstehen, jedoch besteht Caché zum Grossteil aus nicht enden wollender Liebe zu Detail und subtilen Andeutungen die ein Zuseher, der nicht voll und ganz bei der Sache ist einfach nicht verstehen wird. Die Affäre der Ehefrau wird einem nicht auf dem Silbertablett serviert, sondern muss vom Zuseher selbst entdeckt werden, die psychologische Intensität des Films entwickelt sich nur wenn man in den Gedanken auch mit dabei ist. Es ist hier nicht wie in Horrorfilmen das einen das Schreckliche durch Musik angekündigt wird und dann der Schockmoment mit einem Holzhammer übermittelt wird. Caché überlässt den Zuseher wie sehr er sich auf das psychische Grauen einlässt. Wenn man darauf einsteigt ist Caché ein spannendes, tiefgreifendes und außerordentlich verstörendes Meisterwerk. Wenn man sich nicht auf den Film einlässt wird einem wohl einfach nur Langweilig werden. Caché ist sicher ein sehr fordernder Film, der vom Zuseher vollste Konzentration erwartet und ist deshalb für die breite Masse schlicht ungeeignet.

 

 

Fazit:

Ein Meisterwerk des modernen Kinos. Ungewöhnlich, fantastisch und verstörend!


 

Wertung:

10/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 12
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