2:37

OT: - 99 Minuten - Drama
2:37
Kinostart: 07.09.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu 2:37

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Das Vorbild zu Murali K. Thalluris neustem Film 2:37 ist nicht schwer zu erraten. Von Anfang an ist vollkommen klar, dass der Regisseur wohl mehr als einmal das Meisterwerk von Gus Van Sant, Elephant, gesehen haben muss. Dies erkennt man jedoch nicht nur an dem ähnlichen Thema rund um eine Tragödie an einer Schule, sondern auch an der Inszenierung und dem Storyaufbau. Zu Beginn steht ein Selbstmord, und dann springt die Zeit zurück, um uns in Episoden die Geschichten der Jugendlichen zu erzählen, die sich öfters mal über den Weg laufen, was natürlich eine prima Gelegenheit ist, um die Technik aus Elephant einzusetzen, mit welcher die Szenen aus verschiedenen Perspektiven durchgespielt werden. Von der virtuosen Brillanz eines Elephant ist 2:37 allerdings weit entfernt.

Es scheint ein ganz normaler Tag an einer ganz normalen Schule zu werden. Doch bei Teenagern ist nichts normal. Da gibt es den Schulschönling Luke (Sam Harris), der mit einem tollen Mädchen zusammen und für alle der Held der Schule ist. Doch auch er hat seine Probleme, die jedoch viel versteckter sind als die der anderen Schüler. „Uneven Steven“ (Charles Baird) ist inkontinent und humpelt, was ihn zum Gespött der Schule macht. Melody (Teresa Palmer) und Marcus (Frank Sweet) versuchen, ihre Inzestaffäre zu verbergen und Sean (Joel Mackenzie) ist homosexuell und steht im Mittelpunkt des Hohns der Schule. Kelly (Clementine Mellor) steht etwas außerhalb dieses Szenarios, scheint jedoch etwas in Marcus verliebt zu sein. Mitten in diesen Ereignissen steht eine Tragödie, die die ganze Schule erschüttert...

Eben mit dieser Tragödie beginnt 2:37 auch. Wir sehen, wie sich einer der Schüler das Leben nimmt. Eigentlich sehen wird das noch nicht, sondern nur die Reaktion auf diesen Selbstmord. Das Opfer bleibt dabei unbekannt, und im Folgenden setzt ein Zeitsprung ein, der uns den vergangenen Tag miterleben lässt. So werden uns die Probleme der einzelnen Jugendlichen gezeigt, und der Zuseher wird zum Raten eigeladen: Wer hat sich denn nun umgebracht? Dies hat nun Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist klar, dass etwas Spannung ins Geschehen kommt. Der Nachteil jedoch noch schlimmer: 2:37 simplifiziert sich selbst zu einem Whodunit, bei dem das Hauptziel ist, zu erraten, wer sich umgebracht hat.

Aber sogar noch schlimmer ist, dass dies nicht einmal schwer zu erraten ist. Wer absolut jungfräulich in den Film gehen möchte, soll diesen Absatz überspringen. Natürlich wird der Selbstmörder an dieser Stelle nicht verraten, aber dennoch die Fehler die sich die Macher erlaubt haben. Eigentlich wird jedem Jugendlichen eine tragische Geschichte geschrieben, die ihm eventuell den Grund zum Selbstmord geben würde. So legt 2:37 geschickt falsche Fährten aus. Jedoch kann sich jeder erfahrene Kinobesucher denken, dass es gerade die Person sein wird, mit der man am wenigsten gerechnet hätte. Und da kommt nur mehr eine in Frage. Außerdem wird der Handlungsverlauf durch Szenen unterbrochen, in denen die Figuren über ihr Gefühlsleben sprechen. Es ist sehr naheliegend, dass dies Gespräche sein sollen, die nach dem Selbstmord geführt wurden, und somit ergibt sich, dass keiner der Sprecher das Opfer sein kann... Sehr schwach.

Was noch auffällt, sind die unglaublichen Dramen, die den klischeebeladenen Figuren hier aufgezwungen werden. Vielleicht hat sich wirklich so viel verändert, seit ich in der Schule war, aber bei uns waren Teenagerprobleme nicht von dieser Größenordnung. Da gibt es den Macho mit der großen Klappe, der sich im Lauf des Films natürlich als Homosexueller herausstellt und natürlich versucht diese Tatsache zu verbergen. Dann gibt es den bekennenden Schwulen, der natürlich nur gehänselt wird und der keine Freunde hat. Die Inzestgeschichte vom Bruder, der seine Schwester vergewaltigt, setzt dem Ganzen schließlich die Krone auf.

Die Intention bei dieser Vorgehensweise ist leicht ersichtlich: Es muss mit aller Gewalt jede der Figuren ein potentieller Selbstmörder sein, um dem Zuseher ein unterhaltsames Ratespiel zu bieten. Die Authentizität ist dabei leider völlig auf der Strecke geblieben. Deshalb werden sich die Zuseher auch in zwei Lager spalten. Den Einen wird diese Brechstangenmethode nichts ausmachen, und denen wird der Film auch gefallen, da 2:37, wenn man sich auf die überzogene Ausgangslage einlässt, sicher berührend ist, jedoch werden die Anderen, die sich nicht auf dieses unglaubwürdige Szenario einlassen, keinen Zugang zum Film finden.

Ich zähle mich zu einer speziellen Form der zweiten Gruppe. Denn wenn man Elephant gesehen hat und sich dann dieses Werk ansieht, dann wird man wohl sicher keinen Zugang zu 2:37 finden. Elephant ist nämlich alles, was 2:37 gerne geworden wäre. Von der nihilistischen Brutalität von Van Sants grandiosem Schulmassaker-Film ist man jedenfalls weit entfernt. Und das, obwohl man sich soviel Mühe gegeben hat, einen Elephant-Klon zu erschaffen. Lediglich beim Zeigen des Selbstmordes erweist sich 2:37 als kompromisslos und gelungen. Und jeder, der nicht erraten hat, wer das Opfer ist, wird sicher geschockt das Kino verlassen.

Fazit:
2:37 raubt sich seine Ideen, für alle klar ersichtlich, bei Gus Van Sants grandiosem Meisterwerk Elephant. Dabei degradiert sich 2:37 jedoch leider zu einem simplen Whodunit, dessen einzige Absicht es ist, den Zuseher raten zu lassen, wer sich denn schlussendlich das Leben nimmt. Dazu verrät man die Authentizität der Figuren und schreibt ihnen möglichst schlimme Dramen auf den Leib, sodass alle potentielle Selbstmörder sind und es der Zuseher schwer hat beim Raten. Dennoch werden erfahrene Kinogänger kein Problem haben, das Opfer zu erraten, und so ist 2:37 selbst auf dieser Ebene gescheitert. Doch diese Schwerpunktlegung verhindert auch, dass er auf Gefühlsebene funktioniert. Lediglich für diejenigen, die sich nicht an den unglaubwürdigen Figuren stören, kann sich der Kinobesuch lohnen.

Wertung:
5/10 Punkte








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