Meine liebe Republik

OT: -  80 Minuten -  Doku
Meine liebe Republik
Kinostart: 21.09.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Meine liebe Republik

Von am

Regisseurin Elisabeth Scharang ist eigentlich Moderatorin und Journalistin, jedoch versucht sie sich immer wieder als freie Regisseurin. Ich konnte bis jetzt leider keinen ihrer Filme sehen, aber mit ihrem neuesten Projekt Meine liebe Republik hat sich dieser Umstand geändert. Ich muss zugeben, dass sie sich für dieses Projekt sehr engagiert hat, jedoch erweist sich Meine liebe Republik als sehr einseitige Dokumentation, die gar nicht versucht, objektiv zu bleiben. Alles dreht sich nur um den NS-Zeitzeugen Friedrich Zawrel, und bei allem Respekt für den guten Herrn und das, was er durchmachen musste, ist dies jedoch leider nicht ausreichend für einen Kinofilm.

Friedrich Zawrel ist während des Zweiten Weltkriegs den Nationalsozialisten in die Fänge geraten. Er wird in die Euthanasieklinik am Spiegelgrund in Wien eingewiesen, wo er schreckliche Qualen durchleidet. Doch er kann froh sein, dass er überhaupt überlebt hat. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lässt ihn seine Vergangenheit auch in der Zweiten Republik nicht los. Da er es schwer hat, muss er sich als Gelegenheitsdieb über Wasser halten und wird schließlich eingesperrt. Im Gefängnis trifft er wieder auf einen seiner früheren Peiniger. Der ehemalige Naziarzt Heinrich Gross schreibt für das Gericht Gutachten und Friedrich Zawrel beschließt, gegen diese Umstände vorzugehen...

Es war einer der großen Skandale der Zweiten Republik: Ein ehemaliger Naziarzt, der viele Kinder auf dem Gewissen hat, wird nicht vor Gericht gestellt, sonder darf über viele Jahre hinweg für eben dieses Gutachten ausstellen, nach denen die Strafen von vielen Häftlingen bemessen werden. Mit Hilfe des Kronzeugen Friedrich Zawrel, der bezeugt, was der angesehene Gutachter Gross in seiner Vergangenheit gemacht hat, starten die Medien eine Kampagne, um den Staatsapparat zu überzeugen, etwas gegen diesen Zustand zu unternehmen.

Die Euthanasieklinik Am Spieglgrund in Wien war die zweitgrößte Menschenvernichtungsklinik in Nazideutschland und es wurden dort über 800 Behinderte sowie "schwierige" Kinder getötet. Meine liebe Republik heftet sich sehr an den Zeitzeugen Friedrich Zawrel, der diese Ereignisse damals am eigenen Leib spüren musste. Dabei wird seine Lebensgeschichte rekonstruiert und später werden die genauen Umstände seines Kampfes gegen Heinrich Gross gezeigt. Doch trotz allem Herzblut, das sicherlich in dieses Projekt investiert wurde, gibt es einige Schwächen, die den Film bremsen.

Zunächst ist es schon mal ein schwieriger Einstieg in das Geschehen: Der Film beginnt direkt ohne große Einführungsphase und wirfte den Zuseher ins Geschehen. Dann muss man sich erst einmal in das Szenario einfinden und gleichzeitig versuchen, sich an die krieselige Digitalkameraoptik zu gewöhnen. Doch zumindest an die Digitalkamera gewöhnt man sich schnell, auch wenn innerhalb des Film einige Patzer passieren, die für eine Kinoproduktion sehr verwunderlich sind: Plötzlich sieht man den zweiten Kameramann im Bild und an einer anderen Stelle sieht man den Tonangler und sein Mikrofon.

Doch diese kleineren technischen Patzer kann man verschmerzen, jedoch stellt sich mir die Frage, warum dieser Film denn überhaupt sein muss. Natürlich stimmt es, dass die Ereignisse unter Hitler furchtbar für die ganze Welt waren, aber müssen wirklich jedes Jahr 10 Filme in die Kinos kommen, die dieses Thema behandeln? Ich denke, der Markt für solche Produktionen ist ziemlich hart umkämpft und gesättigt, und wenn das Ganze dann auch noch so unspektakulär wie hier abläuft, wird es natürlich noch schwieriger. Am heiß umkäpften Kinomarkt sehe ich jedenfalls ziemlich schwarz für Meine liebe Republik.

Auch wenn die Lebensgeschichte von Friedrich Zawrel zugegeben sehr interessant ist, muss man wirklich nicht die Biographie eines jeden auf Zelluloid bringen. An einigen Stellen wird das Geschehen zwar durchaus spannend, jedoch hat Meine liebe Republik mindestens genauso viele Durchhänger. Und über das Prädikat "interessant" kommt auch der Rest nicht hinaus. Erschwerend hinzu kommt, dass man das Ganze für eine Dokumentation sehr einseitig aufgebaut hat. Es ist vollkommen klar, bei wem die Sympathien liegen sollen und wer der Böse ist. Heinrich Gross wird in dieser Doku quasi an den Pranger gestellt, jedoch ist es im Rechtsstaat Österreich eben noch so, dass man unschuldig ist, bis das Gericht etwas Anderes sagt. Und Herr Gross ist nie verurteilt worden.

Meine liebe Republik scheint das jedoch etwas anders zu sehen: Friedrich Zawrel wird als sympathischer Protagonist aufgebaut. Ich will hier gar nicht bestreiten, dass er Schreckliches erlebt hat, und er ist auch in der Tat ein sympathischer Kerl, jedoch setzt der Film immer noch eines drauf. Zwar war er ein Dieb, aber das wird schnell heruntergespielt und auf seine Vergangenheit geschoben. So zeigt Meine liebe Republik auf jeden Fall Verständnis dafür, dass die Vergangenheit einen zum Dieb macht, aber kein Verständnis dafür, dass vielleicht auch Herr Gross kein Monster war, sondern vielleicht nur versucht hat, nicht selbst in die Fänge der Nazis zu geraten. Kann ich das wissen? Natürlich nicht. Vielleicht war Herr Gross wirklich ein Kindsmörder, aber auch Meine liebe Republik kann es nicht mit Sicherheit wissen. Dennoch wird ein Mensch, der mittlerweile verstorben ist, hier an den Pranger gestellt.

Fazit:
Meine liebe Republik ist eine sehr einseitige Dokumentation, die einige Längen aufweist und auch noch an einigen Stellen filmische Patzer beinhaltet. Zwar kommt an manchen Stellen Spannung auf, jedoch kann dies nicht darüber hinweg täuschen, dass Meine liebe Republik einige moralisch fragwürdige Statements über einen mittlerweile verstorbenen Menschen einbaut, der nie vor einem Gericht verurteilt wurde. Vielleicht hat Meine liebe Republik ja sogar Recht mit dem, was der Film erzählt, aber die Möglichkeit, dass der Film nicht im Recht ist, wird nicht einmal in Betracht gezogen.

Wertung:
4/10 Punkte

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