Brokeback Mountain (2005)

OT: Brokeback Mountain - 134 Minuten - Melodram
Brokeback Mountain (2005)
Kinostart: 09.03.2006
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Brokeback Mountain

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Wyoming 1963: Die beiden Cowboys Ennis Del Mar (Heath Ledger) und Jack Twist (Jake Gyllenhaal) arbeiten über die Sommermonate für den Schafzüchter Joe Aguirre (Randy Quaid). Am Brokeback Mountain sollen sie seine Schafe vor Koyoten schützen. In der eisigen Kälte des Berges entdecken sie Gefühle die weit über gewöhnliche Männerfreundschaft hinausgeht. Sie lieben einander, doch im Provinzamerika der 70er Jahre kann Homosexualität tödlich sein. Nach dem Sommer beschließen sie getrennte Wege zu gehen. Ennis heiratet die junge Alma (Michelle Williams) und bekommt mit ihr zwei Kinder und Jack beginnt ein gemeinsames Leben mit der Rodeoreiterin Lureen Newsome (Anne Hathaway) doch beide können ihre wahre Liebe nicht vergessen. Über die Jahre hinweg treffen sich Jack und Ennis heimlich am Brokeback Mountain um ihrer verbotenen Leidenschaft nachzukommen, doch die Belastung durch die Unmöglichkeit ihre Liebe offen Auszuleben setzt ihnen mehr und mehr zu...

Ang Lee´s Melodram über die wahre Liebe und Toleranz legt sich bewusst quer, durchbricht jedes Hollywood Tabu und richtet gezielte Sozialkritik in epischen Bildern. Der amerikanische Traum des beinharten Cowboys, der für Amerikaner quasi die Verkörperung der absoluten Männlichkeit darstellt wird entkräftet und durch das Bild zweier verletzlichen Cowboys ersetzt die ihrer Einsamkeit entfliehen wollen und nur dem Ruf der Liebe folgen möchten. Brokeback Mountain ist eine komplexe Charakterstudie, die sich bewusst nach den Prinzipien des Minimalismus orientiert und alle unnötigen Schnörkeleien weglässt. Genau dieser Bahnbrechende Stil macht die Magie des Films aus.

Der Gesellschaftskritische wichtige Inhalt des Films wird von Ang Lee nicht mit erhobenen Zeigefinger als Moralpredigt formuliert, sondern auf subtile Weise durch die tragische Liebesgeschichte dem Zuseher nahe gebracht. Genau dieser unaufdringlichen Inszenierung ist es auch zu verdanken das der Film funktioniert und seine Sozialkritik ernsthaft wahrgenommen wird. Die Kritik an der mangelnden Toleranz unserer Gesellschaft erreicht eine unglaubliche Intensität da sie dem Betrachter durch die Story näher gebracht und verständlich gemacht wird. Ang Lee inszeniert seine tragische Liebesgeschichte vor opulenten Schauplätzen und lässt die Bilder für sich sprechen anstatt andauernd die Darsteller von ihren Gefühlen erzählen zu lassen.

Genau diese Bilder sind einer der Höhepunkte von Brokeback Mountain. Die grandiose Landschaft des Berges wird eingefangen und in die Liebesgeschichte der zwei Cowboys perfekt integriert. Es entstehen somit sehr poetische Bilder, die eine wahre Augenweide sind, die sich aber nie vor den Inhalt des Film stellen, sondern ihn auf perfekte Weise ergänzen und seine Dramatik verstärken. Egal ob man die zwei Cowboys beim Schafe hirten sieht, oder sie nur gemeinsam herumsitzen und Whiskey trinken, stets ist im Hintergrund die opulente Landschaft des Berges zu sehen die entweder durch reißende Flüsse oder durch ruhige abgelegene Weiden die emotionale Wirkung der Liebesgeschichte verstärkt.

Das endgültige gelingen des Films ist aber hauptsächlich den perfekten Darstellern zuzuschreiben. Vor allem etabliert sich der ehemalige Sonnyboy Heath Ledger als wahrer Charakterdarsteller und spielt schlicht die Rolle seines Lebens. Er spielt den wortkargen Cowboy Ennis mit einer solchen geballten Intensität dass er gar keine Worte braucht um sich verständlich zu machen. Jede Emotion lässt sich in seiner Mimik ablesen und wird auf den Zuseher übertragen. An seiner Seite spielt der ebenfalls brillierende Jake Gyllenhaal, der dieses Jahr bereits in Jarhead  bewiesen hat welch Ausnahmedarsteller er ist. Die beiden harmonieren perfekt auf der Leinwand, spielen ihre Rolle emotional und kraftvoll und übermitteln ihre homosexuelle Romanze glaubhaft. Eine weitere schauspielerisch Höchstleistung bringt Michelle Williams, die sich von ihrem Dawsons Creek Image weg bewegt und sich als Charakterdarstellerin beweist. Das ganze Ensemble ist perfekt besetzt und liefert eine makellose Darbietung, jedoch hebt sich aus dieser Perfektion der grandios aufspielende Heath Ledger zusätzlich hervor und liefert mit seiner introvertierten Darstellung des von Selbstzweifeln geplagten Cowboys das perfekte Gegenüber zu Jake Gyllenhaals extrovertierten Darstellung.

Brokeback Mountain erzählt seine tragische Geschichte auf fantastische Art und Weise und ist der beste Film der seit langem in unseren Kinos zu sehen war. Ang Lee beweist mit seiner ungewöhnlichen Geschichte rund um die zum Scheitern verurteilte Liebe zweier Cowboys viel Mut und liefert uns künstlerisch wertvolle Sozialkritik in poetischen Bildern. Dabei verfällt er in seinem Melodram niemals dem Kitsch, sondern entspricht ständig dem natürlichen Verhaltensmuster der von ihm kreierten Charaktere. In diesem Punkt setzt Brokeback Mountain erneut Maßstäbe. Allen Figuren wird unglaubliche Tiefe verleiht und die perfekten Darsteller tragen ihr übriges dazu bei um den emotionalen Standpunkt aller Charaktere dem Zuseher nahe zu bringen.

Insgesamt hätte sich Brokeback Mountain zweifellos den Oscar als Bester Film verdient. Die subtile Darstellung einer scheiternden Liebe die durch die perfekt agierenden Darsteller visualisiert wird ist einzigartig in Aufbau und Optik. Die ungewöhnliche Story sorgt für Furore und soll die Menschen zum Denken über die noch immer vorhanden Schwulenproblematik anregen. Dabei versteht es der Film geschickt für mehr Toleranz zu werben, ohne seine dramatische Geschichte zu vergessen. Brokeback Mountain ist ein trauriges Melodram das durch die makellosen Bilder und den dezenten aber perfekten Soundtrack zu Hollywoods Hochadel aufsteigt und sich zu den besten Filmen aller Zeiten zählen darf. Ein außergewöhnlicher Film den man gesehen haben muss!

Fazit:
Ein perfektes Meisterwerk in poetischen Bilder, mit perfektem Soundtrack und fabelhaften Darstellern.

Wertung:
10/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.4/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 84
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