Wächter der Nacht

OT: -  114 Minuten -  Fantasy / Horror
Wächter der Nacht
Kinostart: 29.09.2005
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Wächter der Nacht

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Russlands Filmwirtschaft liegt brach, so könnte man meinen. International spielt sie jedenfalls schon lange keine Rolle mehr. Umso verwunderlicher, dass plötzlich, wie aus dem Nichts, ein dortiger Kassenschlager für Furore sorgt: „Nochnoi Dozor“ oder besser „Night Watch“. Bereits letzten Sommer avanciert der Film dort zum Hit, spielte sein Mini-Budget von umgerechnet 4 Millionen Dollar dreimal wieder ein und erfährt während es ihn in Russland bereits auf DVD gibt, im Herbst nun in Europa und Amerika auch seine Kinoauswertung. Bei eingehender Betrachtung entpuppt sich der Fantasystreifen als, zugegeben ungewöhnliches Filmerlebnis, dessen Hype aber im Vorfeld wohl forciert wurde.

Der auf der gleichnamigen Roman-Trilogie von Sergei Lukyanenko basierende Mix aus Fantasy und Horror erzählt von Wesen, die seit Tausenden von Jahren neben den Menschen auf der Erde leben. Die Wächter des Tages sind Zauberer, ihre Pendants Wesen der Nacht – Vampire und Hexen. Als beide Parteien vor Äonen von Jahren einen Krieg vom Zaun brachen und erkennen mussten, das es keinen Sieger geben wird, sondern die Erde zerstört werden würde, beschloss man einen Waffenstillstand, der nun zu kippen droht. Nach vielen Jahren des Kompromisses (Beide Seiten gehen ihrer „Bestimmung“ nach, allerdings eben so, dass alles im Gleichgewicht bleibt) droht erneut ein Konflikt.

„Nightwatch“ stellt die Adaption des ersten Romans dar und beginnt auch sogleich fulminant mit eben diesem Aufeinandertreffen der beiden Parteien. Es folgt ein blutiges, wildes, energisches Abstechen in Ritterrüstungen, durchaus explizit dargestellt, aber zu hektisch geschnitten, schnelle Kameraführungen und schließlich ein eingefrorenes Schlachtfeld, sowie eine toll gemachte Fahrt in die Totale (Die aus dem Trailer bekannte Szene mit Blick auf die in Dunkelheit getauchte, von Raben umgebene Steinbrücke). Wahrlich ein Auftakt nach Maß, doch dann stellt sich bald die Ernüchterung ein. Regisseur Timur Bekmambetov („The Arena”) ist oft zu verliebt in seine Effekte, die zwar sehr professionell ausschauen, freilich aber nicht an die CGI-Schmieden eines George Lucas heranreichen. So etwas erwartet hier jedoch auch niemand. Nur sind solche Mätzchen, wie das Folgen eines Kabels einer betätigten Türklingel (inspired by „The Matrix“) oder Motorinnenleben eines aufgemotzten Vehikels (inspired by „The Fast and the Furious“) einfach unnütz und tatsächlich nur um den Willen des Effekts eingebaut worden.

Nichtsdestotrotz stellt sich Timur Bekmambetov als fähiger Regisseur heraus, der die amerikanischen Vorbilder in Punkto Inszenierung eben gut studiert hat und sein erworbenes Wissen nun umsetzt. Vor allem das urbane, nächtliche Moskau kann atmosphärisch punkten. Die kalten U-Bahn-Bahnhöfe und die maroden, schmuddligen Plattenbauten sind in visueller Hinsicht erfrischende Abwechslung zu den ausgereizten Unterwelten amerikanischer Großstädte. Spektakuläre Kamerafahrten, eine nicht zu unterkühlte, aber hübsch düstere Optik, dezenten Humor, edle Farbfilterkompositionen und ein zumindest interessantes Szenario hat Bekmambetov souverän im Griff – leider weniger den Plot.

Der enttäuscht nämlich weitestgehend und ich wage mal dreist Parallelen zu „Star Wars“ und „The Lord of the Rings“ erkennen zu können. Anton (Konstantin Khabensky), im übrigen auch die Hauptfigur des Films, will im Jahr 1992 seine Ehefrau wiederhaben, die ihn verließ und nun schwanger ist. Deswegen sucht er eine Hexe auf, deren magische Kräfte sie zu ihm zurückführen soll. Während des Rituals werden sie jedoch von den „Others“ (Das sind quasi die guten Recken (auch Night Watch genannt, die das Treiben der „Dark Ones“, also der Bösen überwachen und notfalls einschreiten) überrascht und während die Hexe ausgeschaltet wird, rekrutiert man Anton aufgrund seiner Fähigkeiten. Zwölf Jahre später muss Anton nun verhindern, dass ein erneuter Konflikt ausbricht, indem er einen kleinen Jungen davor bewahrt, zur dunklen Seite überzulaufen. Genau wie die Prophezeiung vorhersagte, wandelt auf Erden ein Wesen, der das Gleichgewicht von Gut und Böse zu einer Seite kippen kann. Er heißt Yegor ist ein kleiner Junge und befindet sich in Gefahr, weil die „Dark Ones“ naturgemäß sich auch brennend für den Kleinen interessieren, um ihn zu ihren Gunsten zu instrumentalisieren. Mit Spezialausrüstung (so eine Art Vampirkillertaschenlampen) und aufgemotztem Gefährt ziehen Anton und seine Mitstreiter los.

Darum und um die prophezeite Frau, auf der ein starker Fluch lastet, den kein Magier brechen kann und der deswegen großes Unheil heraufbeschwört, geht es im Grunde für den Rest des Films, der nicht ganz zwei Stunden dauert. Action ist relativ rar gesät, zu gefallen weiß ein, von harten Rocksounds klangvoll begleiteter Kampf zwischen Anton und einem Vampir, denn der kann sich unsichtbar machen, so dass Anton ihn nur mit Hilfe von Spiegelscherben entdeckt. Die Slowmotion-Einflüsse lassen auch hier wieder auf „The Matrix“ rückschließen. Die Action ist aber bei weitem bodenständiger und nicht so stylish wie bei den amerikanischen Vorbildern. Man prügelt sich brutal und ergreift auch schlitzendes Gerät zurück, also keine Ballereien erwarten.

„Night Watch“ kämpft deutlich mit der Behäbigkeit des Plots. Die stimmungsvolle Optik tut wirklich ihr Bestes, die durch die Bank weg russischen Schauspieler sind auch nicht schlecht und die Effekte wissen stets zu gefallen, aber dem Stoff mangelt es an Tempo und Spannung. Der, natürlich auf die beiden anstehenden Fortsetzungen hinweisende finale Antiklimax hält dann noch ein paar überraschende Twists parat, nach dem tollen Auftakt, versandet der Streifen allerdings leider in zu vielen Nebensträngen. Angeblich wurde für die Kinoauswertung schon, um mehr Tempo reinzubekommen, Schere angelegt, so richtig fesselnd wird es trotzdem nur selten. Vielleicht ist das auch das Manko der Trilogie, dass hier etwas mehr erklärt, das Szenario vorgestellt und etliche Charaktere eingeführt werden müssen. Ich für meinen Teil hätte mir den ersten Teil jedenfalls flotter und damit attraktiver gewünscht. Viel passiert im Grunde nicht. Der Junge wird beschützt, aber leider auch nicht wirklich angegriffen und nebenher muss der Flucht seiner Mutter aufgehoben werden. That’s all. Zwar spitzt sich auf der Zielgeraden die Situation gleich mit zwei Schauplätzen tüchtig zu, nach der vorherrschenden Langatmigkeit reißt die Dramatik dann jedoch auch nicht mehr aus dem Sessel. Visuelle Sperenzchen, wie das Verfolgen einer sich aus dem Rumpf eines Flugzeugs lösenden Niete, die dann durch den Himmel saust in einen Schornstein fällt und schließlich in eine Kaffeetasse plumpst, lockern das leider nicht packende Einerlei dabei genauso auf wie märchenhafte Motive (in Tiere verwandelte Menschen). Auch fehlt mir hier eine Identifikations- oder Heldenfigur. Anton bietet sich in dieser Hinsicht nämlich nicht an und die restlichen Figuren bleiben Supports.

Fazit:
Der, und damit wurde ja so penetrant geworben, Auftakt zu einer Trilogie epischen Ausmaßes stellt „Night Watch“ mit Sicherheit nicht dar. Inhaltlich, trotz deutlicher Anlehnungen an diverse Vorbilder, eigenständig, krankt das Drehbuch an seinem zerfahrenen Tempo. Timur Bekmambetovs Werk punktet deswegen eher dank seines Exotenstatuses und den atmosphärischen Kulissen Moskaus. Weder inszeniert er außergewöhnlich oder gar innovativ, noch gibt es hier Effekte zu bestaunen, die sonst auf der Welt nirgends besser zu programmieren sind. Trotzdem muss man dem Projekt, gemessen an seinem finanziellen Rahmen Respekt zollen. Vor allem die ersten 30 Minuten, die auch etwas flotter vonstatten gehen, wissen zu gefallen. Teil Zwei dann bitte mit interessanten Charakteren, einer straighten Story und viel weniger nervendem Product Placement. An Audi kann ich mich ja gewöhnen, aber das Nokia und vor allem Nestle (Die Krönung schlechthin...) so aufdringlich ins Bild gerückt werden müssen, nervt ungemein. An einen Erfolg für „Night Watch" glaube ich hierzulande nicht.

Wertung:
5/10 Punkte

Filmering.at
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Liste von LoreCornucopia
Erstellt: 03.09.2014