21 Gramm (2003)

OT: 21 Grams - 125 Minuten - Drama
21 Gramm (2003)
Kinostart: 26.02.2004
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu 21 Gramm

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Alejandro González Iñárritu hat in Hollywood bereits durch seinen fulminanten Episodenfilm Amores Perros für Aufsehen gesorgt und konnte dadurch für den ähnlich aufgebauten Film 21 Gramm einige berühmte Gesichter an Land ziehen. Die drei Hauptdarsteller zählen allesamt zum Hochadel Hollywoods und wurden alle zumindest schon einmal für den Oscar vorgeschlagen. Sean Penn gilt seit langem als talentiertester Schauspieler seiner Generation und macht jedem Film an dem er beteiligt ist zu einer Offenbarung, Benicio del Torro wird spätestens seit seinem Oscargewinn (Bester Nebendarsteller in Traffic) als sehr heißes Eisen gehandelt und Naomi Watts die ihren ersten Auftritt in David Lynchs grandiosen Verwirrspiel Mulholland Drive hatte vervollständigt das Trio. Alle drei zeigen sich von ihrer besten Seite, aber besonders imponierend ist Naomi Watts, die mit ihrer verzweifelnden Darstellung alles in den Schatten stellt. Man kann die Darsteller für 21 Gramm nicht genug loben, da der Film sehr auf der Überzeugungskraft der Schauspieler beruht und ohne sie lang nicht diese geballte Intensität erreicht hätte. Alejandro González Iñárritu hat hier eine sehr gute Wahl getroffen, man nimmt den Darstellern ihre schwierigen Rollen zu jedem Zeitpunkt ab, und sie bestätigen ihren ausgezeichneten Ruf aufs neue.

21 Gramm ist ein kompliziertes, inhaltlich starkes Drama über Liebe und Tod. Alleine schon der untransparente Erzählungsstil in verschiedenen Zeitebenen fordert den Zuseher. Kombiniert mit der aufwühlenden Handlung ergibt das für viele Menschen eine Nuss die nicht leicht zu knacken ist. Ich würde jedem von dem Film abraten der ihn sich nur zum geistigen Abschalten ansehen will, denn dafür ist er beim besten Willen nicht geeignet und würde nach dem Abspann nur für ratlose Gesichter sorgen. 21 Gramm fordert die vollständige Zuwendung und Achtsamkeit des Betrachters und belohnt ihn dafür mit einer knallharten Achterbahnfahrt der Gefühle.  Der Erzählstil lässt sich mit LA Crash, oder mit Alejandro´s Erstlingswerk Amores Perros vergleichen. Wieder wird alles auf das ineinander Verweben von drei Tragödien gesetzt:

Die Geschichten des Herzkranken Paul Rivers (Sean Penn), der auf sein Spenderherz warten muss und sich innerlich bereits mit dem Tod abgefunden hat, des ehemaligen Gefängnisinsassen Jack Jordan (Benicio Del Toro) der sein Glück im christlichen Glauben zu finden hofft um für seine Sünden Buße zu tun und von Cristina Peck (Naomi Watts) die ihre Drogensucht überwunden hat und nun ihre Energie in ihre Tochter steckt, werden auf geschickte Weise miteinander verbunden. Dabei ist 21 Gramm in jeder Sekunde mehr als nur eine gewöhnlich erzählte Geschichte. Es wir hier viel mehr eine philosophische Grundsatzdiskussion heraufbeschworen, die seine Geschichte im eigentlichen Sinne nur als Mittel zum Zweck benützt. Es werden Fragen nicht direkt gestellt, sondern subtil anhand der Schicksale unserer Hauptakteure übermittelt. Die Hauptfiguren selbst reagieren nicht im altbekannten Schwarz-Weiß Schema, sondern alle ihre Aktionen scheinen logisch und nachvollziehbar. Eine Handlung wird nicht vollführt um einfach nur böse, oder einfach nur gut zu sein, sondern als verständnisvolle Reaktion auf eine zuvor ausgeführte Aktion:

Man kann Christina ihre Rachewünsche nicht übel nehmen, aber gleichzeitig kann man auch nachvollziehen warum Jack versucht seinen Unfall zu verheimlichen. Somit steckt man in einer Zwickmühle: Man kann die Rache zwar verstehen, aber ist sie auch als Lösungsweg zu billigen? 21 Gramm wirft viele Fragen auf. Was ist der Mensch wirklich? Ist unser Leben vorherbestimmt oder sind wir nur ein biologischer Zufall? Liebe, Hass, Rache, Schuld und Tod sind die zentralen Themen unseres Leben und auch von 21 Gramm. Jeder Mensch macht sich im Verlauf seines Lebens sehr vielen Dingen schuldig, hat man also tatsächlich das Recht einen anderen Menschen aufgrund dessen Schuld zu richten?

Der Tod eines geliebten Menschen ist zweifellos eines der schrecklichsten Dinge die einem passieren können, aber 21 Gramm zeigt, dass jedem scheinbaren Ende ein unumgänglicher Neuanfang folgt. Somit wird der Tod sowohl als Ende, als auch als Anfang gezeigt und die Spirale des Lebens wird weitergedreht. Die Geschichte fordert den Zuseher auf allen Ebenen. Alleine das Zusehen ist anstrengend aufgrund der in Puzzlestücken servierten Story, die sich nicht von selbst zusammenfügt, sondern im Kopf des Betrachters gekittet werden muss. Dann wäre da noch der philosophische Hintergedanke des Films der unachtsame Zuseher restlos überlasten wird. 21 Gramm ist ein sehr fordernder Film, der aber auch viel gibt. Wer sich auf das verwirrenden Storysystem einlässt und in seinen Gedanken ganz in den Film eintaucht wird mit sehr interessanten Fragen belohnt werden, denen natürlich keine Antworten folgen. Es wird im Film sehr wohl gezeigt wie die Akteure mit diesen Grundsatzfragen umgehen, aber hinterher sollte sich jeder seine persönlichen Antworten überlegen:

Wieviel wiegt Rache? Wieviel wiegt Liebe? Wieviel wiegt Schuld? Was bedeutet der Tod?

Ein weiterer erwähnenswerter Punkt ist der Kamerastil des Films. Es wird viel auf grobkörnige und bleiche Aufnahmen gesetzt, welche die emotionale Kraft des Films noch verstärken. Die kühlen Bilder sind ein wesentliches Stilmittel des Films und passen sich perfekt ein.

Fazit:
21 Gramm ist ein hochspannendes, verworrenes Drama, dass den Betrachter zum Nachdenken anregt und auf ganzer Linie überzeugt. Der Film ist jedem zu empfehlen der sich auf ziemlich anspruchsvolle Kost einlassen will und auch ein bisschen Denkarbeit nach dem Ende nicht scheut.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 42
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