Fantastic Four

OT: -  105 Minuten -  Action
Fantastic Four
Kinostart: 14.07.2005
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Fantastic Four

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Satz mit x, das war wohl nix... Herr Eichinger, wollen sie uns eigentlich verarschen? „Fantastic Four“ ist, gemessen an meinen ohnehin niedrigen Erwartungen, das mit Abstand größte Zelluloiddebakel des bisherigen Kinojahres 2005. Mir schwante so etwas schon, als ich mir kürzlich Tim Storys „New York Taxi“ antat, denn schon dort ließ der Filmemacher deutlich durchblicken, dass er kein allzu guter Regisseur ist und so einem Mammutprojekt, das immerhin 100 Millionen Dollar kostete, nie gewachsen sein würde. Bleibt die Frage, warum Bernd Echinger keinen fähigen Namen für sein lang gehegtes Projekt verpflichtete. Immerhin hält er die Rechte seit etlichen Jahren, beauftragte Mitte der Neunziger zudem Trash-Papst Roger Corman, um die Lizenz nicht verfallen zu lassen, eine Low-Budget-Version zu drehen und klammerte sich, auch in Interviews, ganz euphorisch an „seine“ Marvel-Helden.

Mitschuld am völligen Versagen tragen dabei auch die beiden Drehbuchautoren Michael France („Hulk“, „The Punisher“) und Mark Frost („Twin Peaks“), die hier ein Skript voller Logikfehler schrieben. Der Plot könnte kaum mehr Desinteresse wecken, das Schlimmste ist aber der permanent präsente Humor. „Fantastic Four“ gestaltet sich über die volle Distanz, so ganz ohne gebührendem Ernst an den richtigen Stellen, wie eine Parodie seiner selbst. Grausam! Da stellt sich doch die Frage, was die beiden Marvel-Ikonen Avi Arad und Stan Lee hier als Executive Producer überhaupt gemacht haben! Nur am Set auf einen Kaffee vorbeigeschaut oder wie?

Da wir es mit dem ersten Film der vier Superhelden zu tun haben, müssen sie natürlich erst mal zu selbigen werden. Zumindest in so fern folgt man auch der Comicvorlage. Professor Reed Richards (Ioan Gruffudd, „The Gathering”, „King Arthur“) will die einmalige Chance wahrnehmen, mithilfe eines sich nah an der Erde vorbeibewegenden kosmischen Sturms die Evolutionsgeschichte der Erde entschlüsseln zu können und bittet dafür seinen ehemaligen Studienkollegen Victor Von Doom („Nip/Tuck“ – Star Julian McMahon), einen finanzstarken Konzernchef mit hauseigener Weltraumstation, um Hilfe. Der willigt unter der Bedingung, dass er 75 Prozent des möglichen Gewinns der Forschungsmission einstreicht, ein. Zusammen mit Heißsporn und Pilot Johnny Storm (Chris Evans, „Not Another Teen Movie”, „Final Call”), Co-Pilot Ben Grimm („The Shield” – Star Michael Chiklis) und Dooms Leiterin seiner Forschungsabteilung Sue Storm (Jessica Alba, „Sin City“, „Into the Blue“) brechen sie auf. Oben angekommen, läuft das Unterfangen aus dem Ruder, alle fünf werden den Strahlungen ausgesetzt und kehren zu Erde zurück. Alsbald jeder mit seinen eigenen Superkräften. Tja, die werden ausgeprobt und analysiert, sie rückgängig zu machen versucht man nur halbherzig, eine, wenn auch unfreiwillige Rettungstat etabliert die Vier als Superhelden und am Ende wartet eben noch der Kampf auf Dr. Doom. Das ist schon alles, was Tim Story hier anzubieten hat und es ist definitiv zu wenig.

Die Liste der filmischen Bankrotterklärung ist endlos. Fangen wir deshalb mit den wenigen positiven Dingen an. Die Spezialeffekte sind up to date, nicht über alle Maßen spektakulär, aber so solide erstellt, dass sie sich vor aktuellen Produktionen nicht zu verstecken brauchen. Dies war von solchen Routiniers wie Mike Vézina („X2“, „I, Robot“) und Gary Abrahamian („The Matrix Revolutions“, „Constantine“) allerdings auch so zu erwarten, nur Richards Dehnfähigkeiten sehen oft arg künstlich aus. Schauspielerisch hingegen offenbaren sich dann die ersten Defizite. Abseits des markanten Michael Chiklis, der mir als Ben Grimm mit und ohne Kostüm gefiel, gibt es wirklich nichts Positives zu berichten. Jessica Alba sieht lediglich gut aus, schaut zu oft motivationslos durch die Gegend und entwickelt, genau wie der lethargische Ioan Gruffudd nie eine Beziehung zu ihrer Figur. Ihre dargebotenen Leistungen sind absolut unterirdisch, weil laienhaft, ohne Motivation und Einsatz abgespult, als wollten sie dem Zuschauer ihre Charaktere gar nicht näher bringen. Mich würde es nicht wundern, wenn die beiden nächstes Jahr Nominierungen für die Goldene Himbeere bekämen. Nicht unähnlich liegt der Fall bei Chris Evans, der zwar schauspielert, aber vom Drehbuch einen enorm nervigen Macho aufgezwungen bekommt, der aufgrund seines großen Mundwerks und seiner Playboy-Allüren dem Zuschauer nur noch auf den Wecker geht. Er liebt den Medienrummel, hackt auf Ben herum und präsentiert sich auch sonst vorwiegend als egozentrisches Arschloch.

Insbesondere dieser permanent albern-humorige Grundtenor nimmt „The Fantastic Four“ jene Souveränität, die Genreprimus „X-Men“, der ja Humor und Ernsthaftigkeit ganz problemlos zu kombinieren wusste, auszeichnete. Mindestens alle 10 Sekunden muss ein Witz her und wenn er auch noch so schlecht und überflüssig ist. Der Rest ist hirnschonende Kost. Nicht, dass ich etwas gegen brainless entertainment hätte, nur dann soll es bitte auch richtig krachen. Tim Story beschreitet da leider einen Weg, der weder Fisch noch Fleisch ist. Sicher ein paar Gags funktionieren auch, vor allem wenn sie sich auf die natürlich auch vorhandenen Nachteile und dem ungeschickten Umgang mit den Superkräften beziehen, aber anstatt dann damit hauszuhalten, reizt man die Ideen völlig aus. Auf der anderen Seite wiederum versucht man, und das ist löblich, die Beziehungen des Quartetts untereinander darzustellen. Leider auch wieder nur halbherzig, weil diverse Gags jeden intimen Moment zerbröseln und sich die gesamte Filmmitte eben an diesen Aspekten aufhält. Was hatten da Filme wie „Spider-Man“ (und ich mag den Film nicht sonderlich) oder „X-Men“ zu bieten...

Ben Grimm beispielsweise, in den Comicvorlagen aufgrund seines Aussehens eine wirklich tragische Figur, verliert auch hier seine ihm von sich abwendende Frau, doch das ist nur wenige Sekunden ein Thema. Den Rest des Films ist er, alles andere als traurig, damit beschäftigt Lacher um Lacher zu servieren, oft auch auf seine Kosten. Die verklemmte Beziehung von Reed Richards und Sue Storm wird vorzugsweise von Dialogen am Leben gehalten, die jeder Daily Soap der Marke „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ problemlos gut zu Gesicht stehen würden. Wo bleibt da die Chemie? Die Charaktere bleiben oberflächlich, reduziert auf ihre Superkräfte und sind sie peinlich darauf bemüht die Momente, in denen sie sie nicht benutzen, irgendwie über die Zeit zu retten.

Die Action hält sich in Grenzen. Abseits der Rettungsaktion auf der Brücke und dem kurzen und unspektakulären Finale gegen Dr. Doom darf Johnny sich zwar aufs Snowboard beziehungsweise Bike schwingen, aber auch nur um final wieder einen blöden Spruch vom Stapel zu lassen. Auch wenn die beiden Effekthöhepunkte des Films keine offensichtlichen Mängel bereit halten, so fehlt ihnen doch das Einmalige, Spektakuläre, Unglaubliche, ja absolut atemberaubende Kinoerlebnis, das, trotz der vor allem auf der Brücke souveränen Kameraarbeit von Oliver Wood („Die Hard 2“, „The Bourne Supremacy“), visuell wie akustisch aus den Latschen haut. Alles schon mal da gewesen, zwar solide umgesetzt aber mehr nicht, aber das reicht diesen Sommer für die „Fantastic Four“ nicht. Schließlich gehören sie zu den ersten ihrer Art, den Gründungsvätern des Marvel-Universums und da kann man zumindest eine würdige Umsetzung erwarten.

Stattdessen einmal mehr viel zu offensichtliches, ungeschicktes Product Placement und auffällige Logikpatzer (Welchen Zweck erfüllt Bens Weltraumspaziergang und warum muss Sue sich auf der Brücke unsichtbar machen, wo sie doch plötzlich alle drei auch so zu Ben durchkommen?), die die Geduld der Zuschauer strapazieren. Die Moral (Bens Treffen auf eine blinde Frau in der Bar) wird dem Publikum gleich mit der Keule gleich so fest in die Fresse geprügelt, damit er sie ja auch ja nicht übersieht (Huhu, Subtilität, wo bist du?)

Kommen wir zu Dr. Doom, meinem persönlichen Lieblingsbösewicht des Marvel-Universums, der zwar ganz passabel von Julian McMahon mit reichlichen Rachegelüsten und Wut verkörpert wird, sich gegen den humorigen Ton des Films aber nie durchsetzen kann und deswegen auch nie zu der unüberwindbaren, gefährlichen Bedrohung, die er eigentlich darstellt, erwachsen kann. Er hat nur wenige gute Szenen und bei denen hat man dann leider nicht mal das Gefühl, als könnte ihn das Superhelden-Quartett nicht zusammenarbeitend erledigen. In der Tat soll es dann im megakurzen Finale auch so kommen. Die Vier müssen sich dafür nicht mal sonderlich anstrengen.

Hier dran kein gutes Haar zu lassen, fällt nicht schwer. Wo soll man aufhören zu kritisieren? Gute Frage! John Ottmans Score („X2”, „Gothika”) beispielsweise drang mir nicht einmal auffällig ins Ohr. Hätten die Macher sich für ein pompöses Effektspektakel entschieden, das wirklich über die gesamte Spielzeit pures Entertainment, ganz ohne Tiefgang und meinetwegen dafür auch mit Humor, darstellt, wäre ich ihnen auch nicht Böse gewesen. Nur die Frechheit zu besitzen ihren Film als Parodie aufzuziehen, nur ganz wenig und dann auch nur durchschnittlich inszenierte Action zu präsentieren, zudem noch die Moralkeule zu schwingen und sich etappenweise um Ernsthaftigkeit zu bemühen, lässt leicht Rückschlüsse darauf ziehen, für wie blöd und anspruchslos man heutzutage das Publikum inzwischen hält.

Fazit:
Trotz im Vorfeld lauthals geäußerter Bedenken wurde ich von dem Fahrer eines rasenden Seat Ibizas der Farbe Blau angefahren, gekidnappt und entkam nach fast zwei Stunden dieser Folter nur mit Müh' und Not. Die Fahndung läuft... Das deutlich unterdurchschnittliche, vorhersehbare und spannungsfreie Drehbuch und die dem in nichts nachstehende, innovationslose Regie brechen den „Fantastic Four“ das Superheldengenick. So muss das Paradebeispiel eine völlig verhunzten Comicadaption des neuen Jahrtausends aussehen! Die größtenteils schwachen Darsteller, stellenweise schwache CGI-Effekte und jenes nervende, aufdringliche Gagfeuerwerk komplettieren die Beinahekatastrophe. Mehr als Sympathien für Michael Chiklis und zwei bis drei Lacher für gelungene Witze kann ich beim besten Willen nicht entbehren. Da Storys Fantasydebakel derzeit am amerikanischen Boxoffice seinen Schnitt macht, müssen wir uns wohl oder übel mit dem Gedanken einer Fortsetzung anfreunden. Positives kann man ihr aber abgewinnen, noch übler geht es kaum.

Wertung:
3/10 Punkte

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