Bloodsport

OT: -  92 Minuten -  Action
Bloodsport
Kinostart: 09.06.1988
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 28.06.2013
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Filmkritik zu Bloodsport

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Er ist der Vater aller Kampfsportfilme, der Auslöser eines wahren Booms, ein Cannon-Film (!), der Filmgeschichte schrieb: „Bloodsport“. Die Schwemme meist minderwertiger Turnierfilme, die die Videotheken bis in die Neunziger hinein überfluteten, fußen alle auf dem simplen Prinzip dieses Films. Auch wenn der Film aus heutiger Sicht natürlich einen überholten Eindruck hinterlässt, so kann man nicht leugnen, dass in Sachen Martial-Arts-Choreographie und abwechslungsreichen Kampfstilen sich auch heute noch viele Produktionen mit diesem rassigen Vertreter der Achtziger messen müssen und allzu oft den Kürzeren ziehen.

Ob der Streifen nun tatsächlich auf den Erfahrungen von Frank Dux beruht, wie uns ja die Texttafeln vor den End-Credits weiß machen wollen, ist natürlich fragwürdig und wurde seinerzeit auch heiß diskutiert, ist aber die prototypische Genrevorlage schlechthin. Bereits als kleiner Junge wurde er von Meister Tanaka (Roy Chiao, u.a. Nebenrollen in diversen Jackie Chan- und Bruce Lee-Filmen) unter die Fittiche genommen, um zusammen mit dessen Sohn in den Künsten des Kampfsports unterwiesen zu werden. Nun ist er erwachsen und will seinen schwerkranken Meister ehren, in dem er nach Hongkong reist, um dort das geheime und prestigeträchtige Kumite zu gewinnen. Ihm auf den Fersen sind zwei DIA-Agenten (ein ganz junger Forest Whitaker, „Species“, „Ghost Dog: The Way of the Samurai“), die ihn bitteschön wieder in die Kaserne verfrachten sollen, aus der der Soldat ausgebüxt ist. Doch Pustekuchen...

Dieser genretypische Alibiaufbau, später allzu oft kopiert, bietet alles, was das Herz begehrt und zwar vorwiegend hartes Training mit exotischsten Methoden, Schmerz, Stretching und den Fortschritten, die Dux nun mal machen muss, um zum Vorzeigefighter zu avancieren. Vergessenswürdig sind im Gegenzug die extrem miesen Flashback-Szenen des jungen Frank Dux, der dabei von einer talentfreien Bratwurst gespielt wird, die man wohl mal flugs von der Straße aufgabelte. Wirklich scheußlich...

Den Namen Jean-Claude Van Damme bringt man zwangsläufig mit „Bloodsport“ in Verbindung. Sein erster von drei Filmen für Cannon war nach eher unauffälligen Auftritten in „No Retreat, No Surrender“, „Black Eagle“ der internationale Durchbruch. Sein Schauspiel konnte der Belgier zwar in den Neunzigern dankbar leicht verbessern, denn was er hier noch abliefert, ist reichlich peinlich. Seine unvorteilhafte Frisur und sein debiler Hundeblick rücken ihn verdächtig in die homoerotische Ecke, weswegen der Schlussdialog mit Kumpel Ray Jackson (Donald Gibb, „American Tigers“, „Savate“) auch doppeldeutig verstanden werden darf. Zumindest in athletischer Hinsicht zeigt er sich dafür top und bis zum Spagat auch sein ganzes Repertoire. Wenn denn sein „Kumite“ tatsächlich nochmal realisiert werden sollte, muss er schon sein gesamtes, wenn denn noch vorhandenes, Können abrufen, um diese Performance noch einmal zu erreichen.

Punkten kann neben der exotischen Kulisse des wuseligen Hongkongs mit seinen Seitengassen, den unzähligen Läden und den vielen Menschen, die sich überraschend harmonisch an die Bilder schmiegende, atmosphärische Musik der Achtziger. Ohne diese beiden enorm wichtigen Bestandteile würde das Vollkontaktturnier wenig später nur halb so gut funktionieren. Wer ab Turnierstart dann wirklich auf dem Regiestuhl Platz genommen hat, wäre nicht uninteressant zu wissen. Newt Arnold („Hands of a Stranger“, „Blood Thirst“), der als Regisseur geführt wird, traue ich diese im Grunde tadellose Inszenierung der Kämpfe mit spektakulären Moves (gern in Zeitlupe), einem hohen Härtegrad (das Blut spritzt, die Knochen brechen) jedenfalls nicht zu. Viel mehr dürften da wohl Frank Dux höchstpersönlich, der hier die Fights choreographierte, Kameramann David Worth, der später selbst Filme wie „Kickboxer“ oder „Lady Dragon“ realisierte, beziehungsweise der hier als Produzent tätige „The Perfect Weapon“ – Regisseur Mark DiSalle eifrig mitgemischt haben. Dass so ein völlig unbekannter und trotz des Erfolgs von „Bloodsport“ nie wieder einen Film abliefernder Regisseur seinen Bärenanteil dazu beitrug, ist jedenfalls sehr unwahrscheinlich.

Aber kommen wir zum Turnier selbst, das von Einheimischen, über Europäer bis hin zum Schwarzen so ziemlich alle unterschiedliche Herkunftsarten und damit die lokal geprägten Kampfsportarten (Kick-Boxen, Sumo-Ringen, Karate etc.) vereint, sehr viel Exotik auf die bald Blut getränkte Matte bringt und so ganz nebenher den damals immerhin schon 50jährigen Bolo Yeung zu einer Kultfigur machte. Dieser massive Bau von einem Kämpfer, trotz seiner Muskelmasse enorm wendig, durfte in den Folgejahren vorwiegend als Bösewicht herhalten und wurde von dem hier als Drehbuchautor tätigen Sheldon Lettich drei Jahre später in „Double Impact“ nochmal dazu verdonnert, gegen Van Damme anzutreten. Neben Michel Qissi („Kickboxer“, „Terminator Woman“), der sich hier leider in einer Minirolle unter Wert verkaufen muss, gehört er zu den eindrucksvollsten Gestalten, die das Subgenre damals hervorbrachte und auch heute noch respekteinflößend wirken lässt. Gegen diesen Bär von einem Mann, der keine Gnade kennt und seine Gegner auch schon mal im Ring zu Brei beziehungsweise zu Tode prügelt, muss Van Damme, worauf dann geradlinig auch alles hinaus läuft, im Finale antreten und bestehen.

Unterbrochen wird das Turnierszenario von zaghaft ausstaffierten Subplots. So haben wir den groben, sympathischen, ständig Bier in sich hineinkippenden U.S. – Fighter und Kumpel Ray Jackson, der ständig auf gute Laune macht und später zum, und das ist auch wieder so typisch, Sorgenkind wird, während die obligatorische Romanze mit einer noch obligatorischeren, neugierigen Reporterin (Leah Ayres) nicht über die zwingend nötigen Szenen hinaus kommt. Auch hinsichtlich seiner Verfolger beschränkt man sich nur auf das Nötigste, wozu man den Machern auch nur beglückwünschen kann. Mit 90 Minuten ist „Bloodsport“ schön straight gehalten und enttäuscht eigentlich auch nur ein wenig zu Beginn.

Wer seinen Einstieg in die gepflegte Welt der knochenharten (und das ist wörtlich gemeint), brutalen Turnierveranstaltungen wagen möchte, der sollte auch mit dem hier anfangen und sich nicht mit den unzähligen Plagiaten aufhalten. Hinsichtlich des Plots kracht und knackt es zwar arg im Gebälk, denn die Stumpfsinnigkeit und Konventionalität ist stellenweise kaum zu überbieten, aber dafür gibt es phantastisch durchchoreographierte Fights gallore und einen dicken Nostalgiebonus für das Ambiente der Achtziger.

Fazit:
Eine Alibistory vom Reißbrett, aber dafür klasse Fights, ein atmosphärisches, weil sehr exotisches Szenario, weitestgehend sympathische Darsteller und das Wissen, hier den Anfang einer über viele Jahre hinweg erfolgreichen und dann tot gerittenen Masche mitzuerleben, hieven „Bloodsport“ in die Oberliga. Soviel habe ich dann hinsichtlich der talentfreien Zone von Darstellern und den ausgelaugten Plotmotiven auch gar nicht mehr zu beanstanden. Musik, Kulissen, Kämpfe? Passt alles! Auch wenn „Bloodsport“ heute etwas von seiner Faszination eingebüßt hat.

Wertung:
8/10 Punkte

Filmering.at
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