Open Water

OT: -  80 Minuten -  Psycho / Drama
Open Water
Kinostart: 30.09.2004
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Open Water

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Die Paralellen zwischen den beiden Independenterfolgen Blair Witch Project und Open Water sind nicht zu übersehen: Beide sind unter minimalistischen Bedingungen gefilmt worde, beide hatten ein sehr geringes Budget und beide wurden ein großer finanzieller Erfolg. Dennoch geht Open Water einen deutlich anderen Weg. Während es beim Blair Witch Project vor allem die geniale Marketingstrategie, in Kombination mit der Filmweise selbst war, die durch sugestieren eines Dokueffekts die Zuseher anlockte, ist es bei Open Water das Aufräumen mit den Hai- und Meeresfilmklischees, was wohl zum finanziellen Erfolg führte.

Susan (Blanchard Ryan) und Daniel (Daniel Travis) haben sich vor lauter Alltagsstress etwas aus den Augen verloren. Dies soll ein romantischer Urlaubstrip nach Jamaica allerdings ändern. Und da Daniel ein großer Fan des Meeres ist und unzählige Dokus darüber gesehen hat, darf auch ein Tauchausflug nicht fehlen. Doch am Meer läuft es gar nicht nach Plan: Ein Tauchlehrer verzählt sich und so werden die beiden auf offenen Meer vergessen. Daniel versucht Susan zu beruhigen und sagt ihr dass soetwas öfters geschieht, doch als Stunde um Stunde vergeht und keine Rettung in Sicht ist, beginnt auch er zu zweifeln. Und auch die Haie, haben das schwächer werdende Paar als mögliche Opfer schon ins Auge gefasst...

Chris Kentis, hat wirklich bemerkenswertes aus dem sehr geringen Budget von 130 000 Dollar gemacht. Da man logischerweise kein Geld für Effekte, oder sonstige Spielerein hatte, hat man sich für einen Weg entschieden der wohltuend anders ist. Gedreht wurde mittels Digitalkamera, die den Effekt des Realismus noch verstärkt. Hinzu kommt dass sich fast der ganze Film nur um die beiden Hauptdarsteller dreht und immer sehr dicht am Geschehen bleibt. So spielt auch ein Großteil der Handlung auf offenen Meer und man bekommt sehr unangenehme Einblicke in die Gedankenwelt der Opfer.

Als Zuseher wird man förmlich in die Lage der Protagonisten gezogen. Da die Kamera fast immer auf Augenhöhe bleibt, ist auch der Zuseher auf dem offenen Meer gefangen und erleidet mit den beiden Hauptfiguren die Qualen dieses Szenarios. Weit und breit gähnende Leere und man ist völlig auf sich gestellt. Chris Kentis spielt dabei sehr mit den Urängsten des Menschen und schafft es, gerade wegen dem realistischen Touch, ein unglaublich packendes Szenario auf hoher See zu kreieren, welches dem Zuseher Tauchausflüge wohl für einige Zeit vermiesen wird.

Open Water wirbt gleich zu Beginn damit, dass er auf einer wahren Begebenheit beruht. Dies sollte man allerdings nicht allzu wörtlich nehmen. Natürlich beruht der Film in seiner Quintessenz auf wahren Geschichten, von Tauchern die auf dem Meer vergessen wurden. Auch wenn man es kaum glauben möchte, aber soetwas geschieht wirklich. Nur leiht sich Open Water lediglich diesen wahren Grundgehalt von solchen Geschichten und ist in seiner Gesamtheit natürlich reine Fiktion. Also keine Rekonstruktion von einem speziellen Fall, sondern eine fiktive Geschichte, die sich auf ähnliche Ereignisse beruft. Dabei wurde allerdings so glaubwürdig vorgegangen, dass man leicht glauben könnte, dass all dies tatsächlich genauso stattgefunden hat.

Auch mit dem seit Steven Spielbergs Der weiße Hai vorherrschendem Klischee der Killer des Meeres wird etwas aufgeräumt. Die Haie werden im Film keineswegs als die ultrabösen Mörder gezeigt, die sich nur zum Spaß auf die Menschen stürzen. Stattdessen wird auch die Bedrohung durch die Haie auf angenehm realistische Weise dargestellt. Zwar sind sie als Gefahr allgegenwärtig, jedoch interessieren sie sich zu Beginn gar nicht für die Menschen. Erst nachdem diese immer schwächer und schwächer werden, beginnen sie für die Tiere interessant zu werden. Die Angriffsversuche spielen sich dabei fast ausschließlich im Kopf des Zusehers ab und ausser auftauchenden Rückenflossen und den Reaktionen der Darsteller bekommt man nicht viel zu Gesicht.

Besonders gut gelungen ist auch der psychlogische Aspekt der Geschichte. Während Daniel am Anfang noch ruhig bleibt und an die Rettung glaubt, während Susan etwas panisch ist, verändern sich im Laufe des Films die Positionen der beiden. Daniel glaubt immer weniger an eine Rettung während Susan an den Ereignissen stärker wird. Dadurch da sich der ganze Film an die Fersen der beiden heftet, bekommt man einen umfassenden Einblick in ihr Leben und nimmt sehr viel Anteil an ihrem Schicksal. Auch am Ende erweist sich Open Water als überraschend unkonventionell, kompromisslos und ernüchternd. Ein bewegender Film, dem man einige Längen durchaus verzeihen kann.

Fazit:
Open Water steht ganz im Zeichen des Realismus. Dies beginnt bereits damit, dass er mit einer Digitalkamera gedreht wurde und immer mit den Protagonisten auf Augenhöhe bleibt. Doch auch die Inszenierung überzeichnet nichts, sonder legt Wert auf ein glaubhaftes Schreckenszenario, das an die Nieren geht. Open Water ist psychologisch intensiv, glaubhaft und erschreckend. Ein Film der bewegt und den Zuseher mit in sein Szenario zieht. So kann man dem Film die Durchhänger, die er an manchen Stellen hat, getrost verzeihen.

Wertung:
7/10 Punkte

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Ø Wertung: 7.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 12
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