Blue Valentine (2010)

OT: Blue Valentine - 112 Minuten - Drama / Romanze
Blue Valentine (2010)
Kinostart: 11.11.2011
DVD-Start: 09.12.2011 - Blu-ray-Start: 09.12.2011
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Filmkritik zu Blue Valentine

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Blue Valentine hatte es im Lauf seiner Entstehungsgeschichte nicht gerade einfach: Zunächst musste Regisseur Derek Cianfrance wie eine Löwenmutter um sein Baby kämpfen, aber trotz aufopferndem Einsatz dauerte es lange bis der Film auch wirklich gemacht werden konnte. Nach finanziellen Problemen und Verzögerungen auf Grund von persönlichen Schwierigkeiten der Hauptdarsteller, gelang es schließlich doch noch den Film zu produzieren. Doch nach Ende der Dreharbeiten hörten die Probleme nicht auf - die MPAA verpasste dem Film kurzerhand ein NC-17 Rating, was den Kinostart des Films gefährdete. Schlussendlich ging die Beschwerde der Weinsteins aber durch und Blue Valentine wurde mit einem R-Rating abgespeist. Doch was viel wichtiger ist: Die Wucht des Films war es wirklich wert all diese Probleme auf sich zu nehmen. Blue Valentine ist schlicht ein unglaublich intensives Meisterwerk.

Dean (Ryan Gosling) und Cindy (Michelle Williams) sind seit Jahren verheiratet. Doch ihre Beziehung läuft nicht gerade umwerfend. Parallel zu ihren Problemen in der Gegenwart springt Blue Valentine immer wieder in die Vergangenheit und schildert quasi parallel den Anfang und das Ende ihrer Beziehung: Nachdem Dean die High School abbrach und sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält, trifft er auf Cindy, die von einem anderen Mann schwanger ist. Es ist Liebe auf dem ersten Blick und im Gegenschnitt zu ihrem aufkeimenden Hass in der Gegenwart entsteht das komplexe Bild einer Beziehung...

Blue Valentine ist ein wahres Bollwerk an Emotionen. Derek Cianfrance versteht es mit viel Fingerspitzengefühl ein äußerst dichtes Geflecht an menschlichen Empfindungen miteinander zu vermengen. Für den Zuseher rollt sich hier das Leben zweier Menschen auf der Leinwand aus und es ist quasi unmöglich nicht von diesem unaussprechlichen Sog mitgerissen zu werden, den der Film von der ersten Sekunde an aufbaut. Besonders gut ist es dabei gelungen die Zeitschranken einzureissen: Blue Valentine zeigt nicht einfach völlig getrennt Anfang und Ende der Beziehung, sondern verschänkt diese konträren Kräfte geschickt ineinander, sodass ein einziger kraftvoller Strom entsteht.

Dabei wurde viel Wert daraufgelegt die Figuren detailiert auszuarbeiten. Zwar werden viele Hintergründe nur angedeutet, aber alleine in den feinfühligen Anspielungen lassen sich die Schicksalsschläge, die sie durchlitten haben förmlich ablesen. Spannend sind auch die Veränderungen, die sich durch die Zeitsprünge spürbar aufdrängen - sowohl auf optischer, als auch auf charakterlicher Ebene. Besonders Ryan Gosling bekommt hier eine tragische Note verliehen, heruntergekommen vom hippen, coolen und dynamischen High School Abbrecher hin zum perspektivenlosen, stillstehenden, aber immer noch liebevollen Ehemann.

Getragen wird der Film von zwei überragenden Hauptdarstellern am Zenit ihres Könnens. Ryan Gosling spielt großartig beide Zeitzustände seiner Figure mit subtilen charakterlichen Unterschieden und großen äußerlichen Veränderungen. Und besonders das Zusammenspiel mit der nicht weniger großartigen Michelle Williams sorgt für eine knisternde Atmosphäre, die trotz subtilen Gesten eine enorme dramatische Wucht entfaltet. Von den romantischen Annäherungsmomenten, über alltägliche Beziehungsprobleme, bis hin zu einer enorm intensiven Sexszene am Scheideweg ihrer Beziehung spielen Gosling und Williams souverän durch alle Gefühlslagen und zaubern zwei umwerfende Leistungen auf die Leinwand.

Blue Valentine ist dabei ein Film der sich tief in der Seele des Zusehers festsetzt. Es fällt schwer zu beschreiben woran dies genau liegt, aber Derek Cianfrance trifft mit seiner Inszenierung einfach immer punktgenau ins Schwarze. Es gelingt ihm sowohl die Annäherungsphase zwischen den beiden Hauptfiguren berührend zu schildern, als auch ihr Auseinanderklaffen mit einer intensiven Dramatik zu präsentieren. Aber das wichtigste dabei ist, dass er dies nicht auf Kosten der Figuren tut. Diese werden nicht zum Bösewicht stilisiert und auch wird ihr, unglaublich detailiert erschaffener, Charakter nie verraten. Stattdessen zeigt der Film einfach wie der Zahn der Zeit an ihrer Beziehung und ihnen selbst nagt - und dass scheinbar alles vergänglich ist.

Fazit:
Blue Valentine ist ein ganz großer, kleiner Film. Mit einem vergleichsweise winzigem Budget zaubert Regisseur Derek Cianfrance hier eines der besten Beziehungsdramen der letzten Jahre aus dem Hut. Dank den beiden brillanten Hauptdarstellern und der herausragend subtilen Herangehensweise ist Blue Valentine ein wahres emotionales Bollwerk. So sieht großes Kino aus.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 33
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