The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten (2011)

OT: The Descendants - 115 Minuten - Komödie / Drama
The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten (2011)
Kinostart: 27.01.2012
DVD-Start: 25.05.2012 - Blu-ray-Start: 25.05.2013
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Filmkritik zu The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten

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Regisseur Alexander Payne hat sich mit Filmen wie About Schmidt und Sideways als feinfühliger Filmemacher etabliert, dem es immer wieder gelingt einen geschärften Blick auf einen kleinen Mikrokosmos zu werfen und dabei große Gefühle und subtilen Humor unter einen Hut zu bekommen. Weiters ist er auch dafür bekannt großartige Leistungen aus seinen Darstellern zu locken und nachdem er bereits Jack Nicholson (About Schmidt), Kathy Bates (About Schmidt), Thomas Hayden Church (Sideways) und Virignia Madsen (Sideways) zu Oscarnominierungen geführt hat, ist nun George Clooney an der Reihe. Ein Clooney, der seinen bemerkenswerten Lauf an großartigen Darstellungen fortsetzt und mit seiner Leistung in The Descendants ein kleines Karrierehighlight hinlegt.

 

Matt King (George Clooney) ist Anwalt auf Hawaii und steht vor einer schwierigen Zeit: Seine Frau Elizabeth (Patricia Hastie) hatte einen schweren Bootsunfall und liegt im Koma. Also muss er nicht nur seine jüngste Tochter Scottie (Amara Miller) unter Kontrolle halten, sondern auch die rebellische ältere Tochter Alex (Shailene Woodley) aus dem Internat nach Hause holen. Zusätzlich muss er auch noch ein kompliziertes Erbe verwalten: Seine Familie besitzt seit Jahrhunderten ein gigantisches, unberührtes Stück Land auf Hawaii und Matt ist der alleinige Verwalter, der bestimmen muss, was mit diesem Land geschieht. Seine unzähligen Cousins, die zwar am Profit eines Verkaufs beteiligt wären, aber kein Stimmrecht haben, drängen ihn dazu das Land endlich loszuwerden um ordentlich abzukassieren. Gerade in diesem Moment muss Matt erfahren, dass seine Frau eine Affäre hatte - und er brennt darauf herauszufinden wer der Mann war und wie er aussieht...

 

Es sind nicht die großen Unterschiede, die Alexanders Paynes Filme im Vergleich zu flacheren Mainstreamfilmen so auszeichnen, sondern stattdessen zahlreiche kleine Nuancen, die aber in Summe ein unglaublich stimmiges Bild ergeben. Payne schafft es eigenwilligen Charaktere zu erschaffen, deren Probleme und Schrullen er gleichzeitig unterhaltsam portraitiert, aber auch nicht vorführt, sondern stets die emotionale Integrität seiner Geschichte bewahrt ist (und hier liegt schon ein spürbarer Unterschied zu vielen Hollywoodfilmen). Geführt von Payne können wir für knapp zwei Stunden im Lebensraum von anderen Menschen abtauchen und dabei nicht nur etwas über sie erfahren, sondern auch einige universelle Weisheiten mitnehmen, die immer wieder in der einen oder anderen Form durchscheinen.

 

Dabei lässt sich für viele wohl rein Anhand von Trailern und dem Kurzinhalt nicht so wirklich verstehen warum der The Descendants als einer der großen Oscarfavoriten und Kritikerlieblinge gilt. Auf den ersten Blick ist alles ganz ähnlich wie in vielen anderen Filmen, aber bei genauerem Betrachten scheint immer wieder die präzise vorgetragene Vision von Payne durch. Das merkt man immer wieder dann, wenn man sich dabei ertappt wie man im einen Moment lauthals lachen kann, im nächsten Moment aber bereits wieder in der Melancholie der traurigeren Aspekte des Films versinkt. Es ist eben dieser wilde Hussarenritt der Gefühle, der aus The Descendants einen der besten Filme des Jahres macht.

 

Und das liegt auch vor allem daran, dass Alexanders Payne im Detail alles richtig macht. Er beherrscht sowohl das Timing und das Tempo in den komischen Teilen des Films - die eine Bandbreite von äußerst subtiler Situationskomik, bis hin zu großen Ausbrüchen abdecken, aber dabei eigentlich immer überraschend gut funktionieren - als auch die Atmosphäre und das ruhige vor sich Hingleiten in den emotionalen Momenten. Oft sind es eben die Kleinigkeiten die einen Film auszeichnen, und im Fall von The Descendants führt die Liebe zum Detail zu einem traumwandlerischen Filmfluss, in dem man einfach abgleiten kann und gemeinsam mit Matt King den Zusammenbruch eines Lebens beobachten kann.

 

Wie bereits Eingangs erwähnt zeigt sich auch George Clooney von seiner besten Seite. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, dass Clooney sein Filmstarcharisma und seinen Charme nicht etwa in den großen Mainstreamfilmen verheizt, sondern (speziell seit der Jahrtausendwende) eine unglaubliche Weitsicht in seiner Rollenwahl besitzt und scheinbar wirklich ein Interesse daran hat vor allem in guten Filmen mitzuspielen. In The Descendants verleiht er seinem Matt King nicht nur viel Ausstrahlung, sondern schafft es mühelos die Brücke vom liebenden Vater zum tobenden Kleinkind, dass eine Affäre aufdecken will zu schlagen. Es wäre schwer vorstellbar, dass diese Rolle jemand anders hätte spielen können, da es Clooney so ausgezeichnet gelingt den Film zu tragen.

 

Auch der restiche Cast ist großartig, aber besonders hervorzuheben ist die junge Shailene Woodley, die im Zusammenspiel mit Clooney völlig überraschend eine grandiose Schauspielleistung aus dem Hut zaubert. Sie schafft es zwar nie Clooney an die Wand zu spielen, aber dieser ist eben weitsichtig genug um auch nicht den umgekehrten Weg zu forcieren. Stattdessen agieren die beiden gleichwertig, spielen sich Bälle zu und er gänzen sich somit nicht nur gegenseitig, sondern bereichern das gesamte Emotionsgefüge der Geschichte. Ein kleines Highlight ist natürlich auch Clooneys großer Gegenspieler, der auch wieder das Regiegeschick von Alexander Payne verdeutlicht, denn es ist schon ein wahrer Wunderkniff, wie er es schafft über so lange Zeit die Frage aufrecht zu halten wem es denn nun gelingen kann einem George Clooney die Frau auszuspannen - und dann mit der Antwort so dermaßen für Verblüffung zu sorgen. In vielerlei Hinsicht.

 

Aber die Frage nach dem “Gegenspieler” ist natürlich nur ein kleiner Katalysator für die Geschichte und nicht etwa ihr Kern. Viel wichtiger erscheint da schon der Schauplatz Hawaii, der in der Form wie er in The Descendants präsentiert wird (nämlich nicht als Urlaubsparadies, sondern als Ort zum Leben) herrlich unverbraucht wirkt und für viele Stimmungen im Film verantwortlich ist. Denn Payne arbeitet viel mit kleinen Einschüben von bezaubernden Bildern, mit kleinen kulturellen Anekdoten und immer wieder mit einsetzenden Musikstücken - wobei zu beachten ist, dass all diesen kleinen Aspekten ein unglaublicher Perfektionismus übergeordnet ist. Man spürt einfach, dass man hier einen Film sieht, mit dem die Macher nicht nur Geld machen wollten - sie wollten eine Geschichte erzählen, dem Publikum ein Erlebnis bieten und genau deshalb sorgen die kleinen Unterschiede zu anderen Filmen auch für einen gewaltigen Unterschied in der Wirkung.

 

Fazit:
The Descendants ist einer der besten Filme des Jahres. Obwohl die Geschichte auf den ersten Blick gar nicht so beeindruckend erscheint, entfaltet sie sich dank Alexander Paynes Liebe zum Detail und seiner nuancierten Regie zu einem grandiosen Erlebnis. Grund dafür ist, dass es dem Film gelingt Humor und Emotionen unter einem Hut zu bekommen und einen präzisen Blick in einen schrulligen Mikrokosmos zu werfen. Jede Dialogzeile sitzt, jede Stimmung ist einnehmend, jedes Bild passt genau wie es ist - und dank dieser rundum perfekten Ausgangslage entwickelt der Film auch einen sehr einnehmenden Fluss in dem wir einfach dahingleiten können. Hinzu kommt eine überragende Darbietung von George Clooney und eine ebenfalls grandiose Vorstellung der jungen Shailene Woodley. The Descendants ist ein absoluter Pflichttermin und man sollte sich den Film auf keinen Fall entgehen lassen.

 

Wertung:
9/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.6/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 42
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