Schwedisch für Fortgeschrittene

OT: -  102 Minuten -  Komödie
Schwedisch für Fortgeschrittene
Kinostart: 27.07.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Schwedisch für Fortgeschrittene

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Regisseur Colin Nutley, der mit der Hauptdarstellerin des Films Helena Bergström verheiratet ist, nimmt sich mit seinem bissigen Film kein Blatt vor den Mund und rechnet mit alten Werten und sexistischen Klischees ab. Wobei abrechnen wohl das falsche Wort ist. Viel mehr dreht er den Spieß um und schickt zwei Frauen über Vierzig in den Kampf um den nächsten Mann. Schwedisch für Fortgeschrittene trifft dabei fast immer den richtigen Ton und schafft somit die Gratwanderung zwischen diskriminierend und zahnlos mit Bravour. Der Film ist ein gut gelauntes, fantastisch gespieltes Plädoyer dafür, dass das Leben mit Vierzig noch lange nicht zu Ende ist.

Politesse Gudrun (Maria Lundqvist) geht wie gewohnt ihrem Job nach, als sie mit der Parksünderin Elisabeth (Helena Bergström) konfrontiert wird. Diese bittet Gudrun nachsichtig zu sein, da sie zur Hochzeot ihres Sohnes muss. Doch da Gudrun eiskalt und unnachgiebig ist, entfacht ein Streit zwischen den beiden, der in wüsten Beschimpfungen endet. Etwas später in dieser Woche muss Gudrun, auf Wunsch ihrer Tochter, zum ersten Termin mit ihrer neuen Frauenärztin. Als sie jedoch sieht dass ihre neue Ärztin gerade ihr Streitpartner Elisabeth ist, fühlt sie sich gar nicht mehr so wohl.

Doch Elisabeth ist ganz ein Profi und vergisst den Streit. Die Untersuchung wird auf möglichst angenehme Weise zu Ende gebracht. An einem anderen Tag treffen sich die beiden beim Ausgehen und da sie denken dass so etwas nicht zufällig geschieht, freunden sie sich miteinander an. Gudrun ist Witwe und Elisabeth geschieden. Doch während Gudrun ihre Zeit meist alleine zuhause verbracht hat, hat Elisabeth ihr Leben genossen. Also nimmt sie das Mauerblümchen unter ihre Fittiche und zeigt ihr die schönen Seiten des Lebens. Gemeinsam gehen sie aus, trinken und versuchen Männer kennen zu lernen...

Schwedisch für Fortgeschrittene erzählt weniger eine konventionelle Geschichte. Viel mehr ist es ein Bericht aus dem Leben zweier Frauen im mittleren Alter und zeigt wie sie versuchen mit dem Leben zurechtzukommen. Beide haben Rückschläge mit der Männerwelt in ihrem Leben verbuchen müssen und beschließen jetzt den Spieß umzudrehen. Warum sollen ältere Männer mit jüngeren Frauen zusammen sein dürfen und können auch im Alter ihren Spaß haben, aber im umgekehrten Fall ist es ein Tabuthema? Diese Frage stellt sich Schwedisch für Fortgeschrittene und liefert eine individuelle Antwort wie es solchen Frauen ergehen könnte.

Er ist so eine Art eingebremster Thelma und Louise, der die Damen auf etwas konventioneller Weise aus ihrem Alltag ausbrechen lässt. Der Ort der Flucht ist in diesem Fall der Club Heartbreak Hotel, auf den sich auch der Originaltitel des Films bezieht. Wer den deutschen Verleihtitel Schwedisch für Fortgeschrittene verbrochen hat, ist mir jedoch ein Rätsel und soll hier auch nicht das Thema sein. In diesem Club gehen die Damen aus sich heraus und beschränken sich nicht nur auf das "tolerierte" langsame Tanzen, sondern geben genau wie die Jugendlichen richtig Gas.

Dabei nimmt man sich kein Blatt vor den Mund und spricht auch über sexuelle Themen. So wollen die beiden schon fast mit aller Gewalt irgendeinen Typen abschleppen um sich mit ihm zuhause zu vergnügen. Als sie keinen bekommen gehen sie sturzbetrunken nach Hause und werden beim Heimweg etwas lauter. Die ankommenden Polizisten kommen ihnen gerade recht, da sie ohnehin zwei Männer brauchen. Also versuchen sie kurzerhand die Beamten zum Mitkommen zu überreden und klettern zu ihnen ins Auto. Auch Gudruns erste Versuche mit einem Vibrator werden gezeigt, der zuvor in einem unterhaltsamen Dialog der beiden Hauptdarstellerinnen besprochen wurde.

Dabei wirkt Schwedisch für Fortgeschrittene allerdings nie plumb oder niveaulos. Die Szenen werden nie bierenst, sondern immer mit einem Augenzwinkern präsentiert. Auch werden die beiden Hauptfiguren sehr sympathisch angelegt, sodass der Zuseher immer mit ihnen mitfühlt. Einen großen Anteil am gelingen des Films haben sicher die beiden virtuos aufspielenden Hauptdarstellerinnen Helena Bergström und Maria Lundqvist. Beide bringen Profil in ihre Charaktere und schaffen es nicht nur ihre Rollen glaubhaft und sympathisch zu spielen, sondern bringen auch den richtigen Drive mit, der notwendig ist um das Interesse der Zuseher zu behalten.

Besonders die Tanzszenen und generell die Szenen im Heartbreak Hotel wurden wirklich ausgezeichnet inszeniert. Man schafft es hier sehr gut einen rauschigen und temporeichen Abend in Bilder zu fassen. Seien es die Trinkszenen, bei denen mit Schwung gedreht wird, oder die fiebrigen Tanzszenen, die den Zuseher förmlich mit in den Film saugen. Immer schafft man es mit viel Charme den Film am laufen zu halten. Die Musikauswahl wurde ebenfalls sehr gut getroffen und unterstützt den Flair des Films noch. Die Szenen ausserhalb des Clubs fallen dem gegenüber zwar etwas ab, aber dies lässt sich verschmerzen.

Bei allem Lob sei allerdings auch erwähnt, dass Schwedisch für Fortgeschrittene eher ein Frauenfilm ist. Zwar heißt das nicht dass Männer ihn generell schlecht finden werden, denn auch mir hat er ziemlich gut gefallen, aber er ist eher auf ein weibliches Publikum zugeschnitten, die auch in einigen Szenen deutlicher angesprochen werden. Weiters ergeben sich an manchen Stellen doch ein paar Durchhänger, die sich zwar nicht großartig auswirken, aber den Film doch manchmal bremsen. Im Großen und Ganzen ist Schwedisch für Fortgeschrittene jedoch eine herrlich erfrischende, kurzweilige Komödie, die viel Spaß bereitet.

Fazit:
Schwedisch für Fortgeschrittene ist ein Frauenfilm, der wohl auch einigen Männern, wie zum Beispiel mir, viel Spaß bereiten wird. Mit dem Thema des Älterwerdens wurde sehr feinfühlig umgegangen, aber dennoch hat man sich kein Blatt vor den Mund genommen und einige bissige, aber umso witzigere Szenen eingebaut, die den Film in Schwung halten. Die Hauptdarstellerinnen agieren fabelhaft und nehmen den Zuseher mit auf eine unterhaltsame und wunderschöne Reise in die Welt der Frauen. Da kann man einige Durchhänger getrost verschmerzen.

Wertung:
7/10 Punkte

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