Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders (2006)

OT: - 147 Minuten - Drama
Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders (2006)
Kinostart: 14.09.2006
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders

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Tom Tykwer inszeniert mit Das Parfum nicht nur die faszinierende Geschichte eines Mörders, sondern er adaptiert, in der teuersten europäischen Produktion aller Zeiten, dass viel umjubelte literarische Meisterwerk von Patrick Süßkind, welches der erfolgreichste deutsche Roman der Nachkriegsgeschichte ist und aus gutem Grunde als unverfilmbar galt.


Jean-Baptiste Grenouille (Ben Whishaw), der 1738 in Paris auf dem stinkenden Fischmarkt geboren wurde, ist von Anfang an ein besonderes Kind. Mit seinen ersten Schreien tötet er seine Mutter die gehängt wird, nachdem die Menschen entdecken dass sie ihr Kind töten wollte. Danach kommt er in ein Waisenhaus und von Anfang an unterscheidet er sich gravierend von den anderen: Er kann sehr lange nicht sprechen, aber sein Geruchssinn ist makellos: Alle Düfte kann er analysieren und in die Bestandteile zerlegen. Nach seinem Aufenthalt im Waisenhaus wird Grenouille an die Gerberei von Grimal verkauft. Dort beginnt er eine harte Lehre unter unmenschlichen Bedingungen, doch sein beinharter Überlebenswille, lässt ihn selbst die grausamen Vorraussetzungen in der Gerberei überstehen. Doch Grenouille nutzt seine Chance um eine Lederlieferung an den Parfumere Giuseppe Baldini (Dustin Hoffman) dazu zu verwenden um ihm seine unglaublich feine Nase zu präsentieren. Baldini ist sichtlich beeindruckt von Grenouille und stellt ihn ein. Dieser hat bereits die Begeisterung für den weiblichen Geruch entdeckt und sucht nun eine Möglichkeit diesen festzuhalten. Baldini verrät ihm dass er in Grasse die geeignete Methode lernen könnte...


Tom Tykwer hat von vielen Kritikern sehr harte Schläge einstecken müssen, doch diese Verreißungen des Films sind absolut ungerecht. Zwar erreicht die Verfilmung in keiner Sekunde die Brillanz des Buches, allerdings ist das literarische Meisterwerk so gut verfilmt worden wie es möglich ist. Diese Geschichte ist eben für ein Buch konzipiert worden, und kann deshalb auf der Leinwand nie seine volle Wirkung erzielen.


Vor allem zwei Dinge machen es dem Regisseur schwer das Buch zu adaptieren: Zum Einen ist da der Aspekt dass das Buch sich viel im Kopf der Hauptfigur abspielt und zum Anderen wäre da noch die Tatsache dass das Buch sich viel mit diversen Gerüchen beschäftigt, aus denen die Welt von Grenouille besteht. Überraschenderweise bringt uns die Verfilmung den zweiten Aspekt sogar ziemlich nahe.

 

Tom Tykwer hat es sehr gut geschafft die Geruchswelt glaubhaft zu visualisieren. Durch viele Großaufnahmen der Dinge und den Atemsog, der durch die Kamera übermittelt wird entsteht eine sehr deutliche Vorstellung darüber wie das gerade gezeigte riechen möge. Dies kann man dem Ausnahmeregisseur nur zu gute halten.


Doch eines hat die Verfilmung leider absolut nicht geschafft: Das Innenleben der Hauptfigur wurde nicht glaubhaft genug auf die Leinwand übertragen. Es ist natürlich ziemlich schwer das Buch in diesem Fall zu adaptieren, doch es wirkt sich gravierend auf die Wirkung des Films aus:


Die mangelnde Beleuchtung der Figuren bewirkt dass dem Film einiges an Tiefgang verloren geht. Was übrig bleibt ist ein bildgewaltiger, aber leider auch ziemlich simpler Film, der nur ein Abklatsch des Buches bleibt. Das Parfum wird uns für immer als Buch in Erinnerung bleiben und nicht als Film.


Die Schauspieler wurden wirklich ausgezeichnet besetzt. Vor allem die Hauptfigur wurde hervorragend ausgesucht. Zwar entspricht der Film-Grenoulle nicht der literarischen Vorlage, aber das Medium Film stellt auch andere Forderungen. Über die gesamte Dauer des Films spielt Ben Wishaw seine Rolle vorbildlich und genau den Erwartungen entsprechend. Er entwickelt so etwas wie eine animalische Präsenz und schafft es das Publikum sowohl abzustoßen, als auch nahe an der Handlung zu behalten.


Ein weiterer Höhepunkt ist der eher kurze Auftritt von Dustin Hoffman als Baldini. Der fabelhafte Darsteller legt seine Rolle mit einer gehörigen Portion Humor an und bringt Abwechslung in die Handlung.


Aus technischer Sicht ist Das Parfum ein absoluter Ausnahmefilm. Die gezeigten Bilder sind absolut wundervoll und Tykwer gelingt es Schöne Bilder des Drecks zu zaubern. Dies ist ein wesentlicher Bestandteil der Konzeption des Films: Tykwer inszeniert das Paris des 18 Jahrhunderts so wie es wirklich hätte sein müssen: Als dreckiges Loch mit grausamen Lebensbedingungen. Im Allgemeinen ist die gesamte optische Umsetzung des Romans perfekt geworden.


Doch leider ist der Film nur optisch perfekt. Inhaltlich gibt es einige Probleme:

Das größte Problem ist dass das Innenleben der Hauptfigur nicht genug beleuchtet wird und somit der Sinn seiner Taten in den Hintergrund driftet. Ein weiteres Manko ist das Einsetzen einer Erzählstimme, was beim Medium Film ein sehr unschönes Stilmittel ist. Erzähler sind für literarische Werke geeignet, aber ein Film muss die Geschichte zeigen und nicht erzählen.

 

Im Großen und Ganzen muss man sagen dass Das Parfum ein ziemlich oberflächlicher Film geworden ist. Tom Tykwer hat sich sehr auf die Bilder versteift, die ja auch wirklich großartig sind, und hat dabei seine Charaktere etwas vergessen. Man kann es dem Film leider deutlich ansehen dass er für ein riesiges Publikum konzipiert wurde und dass viel Anspruch aus der Vorlage herausgenommen wurde.


Insgesamt ist Das Parfum  ein wirklich gelungener Film, der allerdings nicht den Tiefgang der Vorlage erreicht und im Endeffekt nur ein schöner Unterhaltungsfilm ist. Der erste Teil des Films war wirklich überragend, allerdings geht ihm am Ende etwas die Luft aus. Nichts desto trotz ist Das Parfum  sehenswert.


Fazit:
Bildgewaltige Romanumsetzung, die leider nicht in allen Punkten überzeugt!


Wertung:
7,0/10 Punkte












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Liste von purence
Erstellt: 25.11.2016