Titanic (1997)

OT: Titanic - 194 Minuten - Abenteuer / Drama / Geschichte / Romanze
Titanic (1997)
Kinostart: 05.04.2012
DVD-Start: 01.07.2013 - Blu-ray-Start: 24.09.2012
Will ich sehen
Liste
11626
Bewerten:

Filmkritik zu Titanic

Von am
Das Kino als Ort der Begegnung. Es gibt sie zweifellos, die ganz großen Filmereignisse, die man einfach gesehen haben muss. Von Der Weisse Hai, über Star Wars und Jurassic Park bis schließlich zu Titanic (und später zu Der Herr der Ringe und Avatar) - immer wieder gibt es diese ganz großen Kolosse, die es schaffen einen ganz besonderen Punkt anzusprechen, der die Massen in die Kinos lockt und für schier unglaubliche Umsatzzahlen und begeisterte Kinogeher sorgt. Und James Camerons Titanic toppte alles bisher dagewesene und legte mit einem Einspielergebnis von 1.8 Milliarden Dollar einen schier unglaublichen Rekord vor (doppelt so viel wie die damalige Nummer 2), der erst im Jahr 2009 von Camerons Avatar übertroffen wurde (und das wieder mit einem mächtigen Abstand von fast einer Milliarde Dollar). Pünktlich zum hunderdsten Geburtstag des Untergangs der Titanic findet sich dieser kolossale Film nun in einer überarbeiteten, in 3D konvertierten Fassung erneut in den Kinos der Welt ein - Zeit für eine kritische Neubetrachtung mit gebührender Distanz zum damaligen Hype (und der im Gegenzug entstandenden Hasswelle).

Brock Lovett (Bill Paxton) macht sich gemeinsam mit seiner Crew auf die Suche nach dem Wrack der legendären Titanic, die einst am 14. April 1912 gesunken ist. Im Wrack selbst hat man es vor allem auf verborgene Schätze abgesehen (unter anderem den legendären Diamanten “Herz des Ozeans”). In einem geborgenen Tresor findet man aber nicht den besagten Diamanten, sondern nur die Aktzeichnung einer Frau, die ihn trägt. Als die über 100 Jahre alte Rose (Gloria Stuart) in einem Fernsehbericht die Zeichnung sieht, stockt ihr das Herz: Denn bei der gezeichneten Frau handelt es sich um sie, und das führt sie zurück in die Vergangenheit, als die junge Rose (Kate Winslet) mit ihrem Verlobten Cal Hockley (Billy Zane) in der ersten Klasse auf der Titanic reiste und zufällig auf den armen Maler Jack Dawson (Leonardo DiCaprio) traf, in den sie sich verliebte, bevor die Titanic ihrem tragischen Ende endgegensteuerte...

Kaum ein Film kann mit solchen Superlativen, solchen Statistiken und solch unglaublichen Reaktionen prahlen wie Titanic. Einst durfte sich der Film zu den teuersten Filmen aller Zeiten zählen, war im Gegensatz aber auch der erfolgreichste - die Kinos auf der ganzen Welt waren kurz vor dem Platzen und der Film etablierte sich zum gigantischen Dauerfeuer. Unzählige (häufig weibliche) Zuseher pilgerten unzählige Male in den Film und im Gegenzug hat sich eine wahre Hassgemeinschaft gebildet, die einen natürlichen Gegenpol zu den überschwänglichen Reaktionen der positiven Fraktion darstellt. Interessanterweise haben sich viele dieser Vorurteile immer noch gehalten, und es ist alles andere als “cool” Titanic gut zu finden. Doch ist diese Abneigung auch gerechtfertigt?

Nein, denn wenn man den ganzen Hype und alle Vorurteile zur Seite kehrt, dann ist Titanic einfach nur ein visuell atemberaubender, höchst unterhaltsamer Film mit liebenswerten Charakteren, einem denkwürdigen Setting und einer Inszenierung, die nicht nur den damaligen Massengeschmack punktgenau traf, sondern es immer noch schafft eine magische Atmosphäre heraufzubeschwören in der man sich verlieren kann und die eigenen Sorgen und Probleme vergessen kann. Und über die Schauspieltalente der damals recht jungen Kate Winslet und Leonardo DiCaprio muss ohnehin nicht mehr diskutiert werden, haben beide doch mittlerweile eine fulminante Karriere hingelegt und dürfen sich zu den besten ihres Fachs zählen.

Und James Cameron hat sich alle Mühe gegeben das damalige Leben auf der Leinwand wieder auferstehen zu lassen - für die Neufassung hat er sogar den Sternenhimmel noch einmal überarbeiten lassen, damit die Sternenkonstellation während des Untergangs im Film nun der tatsächlichen Konstellation von vor hundert Jahren entspricht. Und es ist unter anderem diese Liebe zum Detail, die dafür sorgt, dass Titanic ein so gelungener Film ist und es nachwievor schafft ein Publikum zu verzaubern. Natürlich kann man kritisieren, dass dem Film die tragische Liebesgeschichte wichtiger ist, als der eigentlich noch viel tragischere historische Kontext, aber damit würde man dem Film Unrecht tun: Denn obwohl sich die Lovestory auf relativ simpler Ebene bewegt, erreicht sie doch einen universellen, an Romeo und Julia erinnernden Charakter und geht mit dem historischen Background eine enge Verbindung ein, sodass beides untrennbar miteinander verwoben ist.

Und obwohl der Film natürlich primär unterhaltender Natur ist, hat es sich Cameron nicht nehmen lassen etliche kritische Töne einzuflechten - sowohl im zeitgeschichtlichen, als auch universellen Kontext. Da wäre unter anderem natürlich die strikte Klassentrennung, die Kategorisierung der Menschen in verschiedene Gruppen und die unterschiedlichen Arten mit denen man mit diesen Menschen umgeht. Aber dann ist auch noch der duale Umgang mit der Technologie (der ja stets im Zentrum von Camerons Werk stand) - Titanic dokumentiert makellos den Größenwahn der Menschheit, ihren Kampf mit der Natur und natürlich das spektakuläre Scheitern dieses Unterfangens. Konkret erreicht dies Cameron durch eine epische Rekonstruktion vom Prunk des Schiffes, gefolgt von einer ebenso grandiosen Dekonstruktion bei der spektakulären Untergangsszene.

Aber die Herzen der Menschen hat wohl vor allem die menschliche Ebene erreicht. Die Romantik, die Tragik, das unmögliche Zusammensein von Jack und Rose und eben jene universelle, zeitlose Note die dieser Liebesgeschichte innewohnt - ein Charakter der die Menschheit schon verfolgt solange es die Kunst gibt. Und in den Händen Camerons und vor dieser einmaligen Kulisse war es eben jene Liebesgeschichte, die sich trotz ihres einfachen Charakters in die Filmgeschichtsbücher manövriert hat. Verstärkt wird der romantische Charakter des Films durch die Andeutung einer oralen Nacherzählung von Rose, die unter anderem die träumerische Aura des Films verstärkt, und obwohl es natürlich schwer zu verstehen ist warum es gerade Titanic war, der einen dermaßen Erfolg beim Publikum feierte, muss man dem Film seine Magie und seine Größe dennoch neidlos anerkennen.

Fazit:
James Camerons Titanic ist nach wie vor ein großes Kinoereignis. Ein atemberaubender Koloss von Film, der es immer noch schafft eine magische Atmosphäre zu beschwören, in der man versinken kann. Der Film entspricht zwar weder dem positiven, noch dem negativen Vorurteil das man ihm attestiert, aber das kann er auch gar nicht - denn Titanic ist mittlerweile längst eines jener mystischen Ereignisse in der Geschichte des Films, über das sich unzählige Kinofans streiten und über das jeder seine eigene (oftmals extreme) Meinung hat. Schiebt man all dies zur Seite und blendet den Hype aus, so ist Titanic vor allem ein visuell beeindruckender Film, der das Herz am rechten Fleck hat und der durchaus herausragend inszeniert ist und es versteht den Zuseher mit seiner epischen Aura zu verzaubern. Ein sehr guter, sehenswerter Film, der immer noch nichts von seiner Magie verloren hat.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.1/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 79
10 /10
19%
9 /10
20%
8 /10
13%
7 /10
15%
6 /10
6%
5 /10
9%
4 /10
9%
3 /10
3%
2 /10
3%
1 /10
4%
Vielleicht interessiert dich auch
Nebraska (2013)
Before Sunset (2004)
Blue Valentine (2010)
Ben Hur (1959)
Meuterei auf der Bounty (1962)
Into the Wild - Die Geschichte eines Aussteigers (2007)
The Beach (2000)
Sechs Tage sieben Nächte (1998)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
schon gesehen
Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013
Besten Dicaprio Filme
Liste von Radleey
Erstellt: 07.10.2012
Alle Listen anzeigen