Flying Scotsman

OT: -  96 Minuten -  Sportler / Drama
Flying Scotsman
Kinostart: 17.08.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Flying Scotsman

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Es scheint so, als würden Sportfilme immer nach dem selben Muster ablaufen müssen. Wer sich diese Regeln einfallen hat lassen, ist mir zwar nicht bekannt, aber dennoch ähneln sich diese Filme in ihrer Dramaturgie und ihrem Aufbau stets auf verblüffende Weise: Ein sympathischer Underdog, der dennoch seine Macken hat, ist am aufsteigenden Ast und kommt bald zu ersten Erfolgen. Danach wird er entweder durch äußere Einflüsse oder durch seine inneren Dämonen zurückgeworfen und steht an einem Scheideweg: Aufgeben oder alles riskieren. Die Sportler wählen natürlich immer den Weg des Risikos und kommen so zurück auf die Welle des Erfolges.

So oder zumindest so ähnlich lassen sich so gut wie alle Sportfilme beschreiben. Dazwischen gibt es freilich viel Freiraum für eigene Ideen, die hauptsächlich durch die zu betrachtende Sportart festgelegt werden. Die meisten Filme dieser Gattung entscheiden sich dafür, noch Trainingsszenen, eine Liebesgeschichte und irgendetwas rund um das Thema Freundschaft mit einzubauen. Selbst ein großartiger Film wie Rocky passt in dieses Schema. Auch Flying Scotsman kann nicht leugnen, dass der Film sich sehr an diesen Vorgaben orientiert. Innerhalb dieses Szenarios macht er jedoch sehr viel richtig, was dem Zuseher zumindest einen unterhaltsamen Abend beschert. Für die Ewigkeit ist dieser Film allerdings nicht gedacht.

Graeme Obree (Johnny Lee Miller) war von seiner Kindheit an ein Außenseiter. Von seinen Mitschülern wurde er gehänselt und geschlagen, und seine einzige Chance war die Flucht mit dem Fahrrad. Als Erwachsener geht seine Pechsträhne weiter: Sein Fahradgeschäft geht bankrott, und so muss er sein Geld als Fahrradkurier verdienen. Seine Frau Anna (Laura Fraser) versucht mit ihrem Beruf als Krankenschwester, auch etwas zum Unterhalt beizutragen. Bei den lokalen Radrennen ist Graeme zwar immer der strahlende Sieger, aber von diesen Veranstaltungen kann man leider nicht leben.

Während eines Auftrags als Kurier lernt er Malky (Billy Boyd) kennen, der ein großer Fan von ihm ist. Während einer Radtour der beiden entdeckt Graeme eine neue Körperhaltung, die es ihm erlaubt, schneller zu fahren. Gemeinsam haben Malky und Graeme eine verrückte Idee: Graeme will sich ein neues Rad bauen, mit dem er den Stundenweltrekord brechen möchte, und Malky soll sein Manager werden. Also bastelt Graeme sich ein wüstes Gefährt aus den verschiedendsten Materialien, während Malky Sponsoren sucht. In Hamar, Norwegen, findet dann der erste Versuch statt, den Rekord zu brechen und Graeme scheitert. Doch der dickköpfige Schotte gibt nicht auf und versucht es gleich am nächsten Tag noch einmal. Diesmal gelingt das scheinbar Unmögliche, doch es stellt sich auch etwas heraus: Graeme hat seine Kindheit noch nicht wirklich verarbeitet und leidet unter Depressionen...

Graeme Obree ist quasi ein schottischer Nationalheld. Er stellte 1993 und 1994 den Stundenweltrekord auf und wurde 1993 und 1995 Weltmeister in der Einerverfolgung auf der Bahn. Neben diesen Rekorden gab es einige weitere Besonderheiten, die diesen Mann auszeichneten. Vor allem seine sehr eigenwillige Art sorgte für Aufregung. So baute er sein Rad selbst und reiste zu manchen Rennen auch mit dem Rad an, um in einem Zelt zu übernachten. Auch beim Bau seines Rad griff er nicht zu konventionellen Methoden, sondern verwendete unter anderem die Lagerung seiner Waschmaschine als Bauteil.

Wirklich innovativ war allerdings seine besondere Körperhaltung beim Radfahren, die für besonders günstige Strömungsverhätnisse sorgte. Diese brachte ihm jedoch auch Ärger mit dem UCI, dem Radsportverband, ein. Man versuchte alles, um diese hässliche Haltung zu verbieten, und ließ sich sehr merkwürdige Regeln einfallen, um Obree das Leben schwer zu machen. So kam es soweit dass dieser sein Rad überarbeitete und den klassischen Triathlonlenker einsetzte, bei dem man die Arme sehr weit nach vorne legt und so in einer supermanähnlichen Position einen sehr geringen Strömungswiderstand hat. Diese Haltung wurde von vielen Fahren kopiert und führte schließlich zu einer regelrechten Rekordjagd. Doch auch dies ließ der UCI verbieten.

Neben dem sportlichen Aspekt sorgte Obree vor allem durch seine Depressionen für Aufsehen. Die Dämonen seiner Kindheit verfolgten ihn lange und auch dieser Aspekt seines Lebens hat den Weg in den Film gefunden. Dazu wurde aus dramaturgischen Gründen die sympathische Figur des Priesters Baxter (Brian Cox) erfunden, um Graeme durch diese schwere Zeit zu geleiten und ihn als Mentor zu unterstützen. Insgesamt gesehen ist es zwar durchaus beachtlich, dass diese dunkle Seite von Obree ihren Weg in den Film gefunden hat, aber leider wurde sie deutlich zu wenig ausgearbeitet, um wirklich Beachtung zu finden. Flying Scotsman ist eben ein Unterhaltungsfilm, und da wollte man das Publikum nicht durch Depressionen seiner Hauptfigur hinunterziehen.

Auf Unterhaltungsebene funktioniert der Film aber ziemlich gut. Zwar entspricht er, wie oben erwähnt, jeder Regel der klassischen Sportfilme, aber Spaß machen tut er auf alle Fälle. Obree und sein bester Freund Malky sind sehr sympathisch gezeichnet und haben dennoch genug Ecken und Kanten, um als Figuren in Erinnerung zu bleiben. Besonders der Eigenbrötler Obree weiß zu gefallen, und seine Gefechte mit dem UCI wurden sehr unterhaltsam inszeniert. So montiert er zum Beispiel Stützräder auf sein Rad, als man ihm sagt es wäre nicht sicher genug, oder er schneidet die Spitze seines Sattels ab, weil dieser nicht den Regeln entspricht.

Auch auf der optischen Seite hat man sich etwas einfallen lassen. Zwar wurde auf Hochglanzoptik verzichtet, da diese schlicht nicht zum Thema des Films und der rustikalen schottischen Atmosphäre gepasst hätte, aber dafür hat man sich einige interessante Kameraperspektiven während der Rennen einfallen lassen und kann den Zuseher sehr gut mit ins Geschehen bringen. Die schöne schottische Landschaft tut ein Übriges, um Flying Scotsman eine interessante optische Note zu geben. Angenehem ist, dass sich die visuelle Gestaltung des Films nicht nach den amerikanischen Sportfilmen richtet und so einen eigenständigen Touch mit sich bringt.

Als Zielpublikum ist hierbei sicher nicht der topinformierte Radfan gedacht, der sich keine Etappe der Tour de France entgehen lässt. Dazu ist Flying Scotsman deutlich zu oberflächlich und bringt auch zu wenig Licht in den Charakter von Obree. Ansehen können sich den Film eigentlich alle, denen klar ist, dass es sich nur um einen Unterhaltungsfilm handelt, der die negativen Züge seiner Hauptfigur sehr schnell abspult und somit nicht viel Tiefgang besitzt. Der Vorteil dabei ist, dass Flying Scotsman sehr kurzweilig und durchgehend unterhaltsam ist, auch wenn man nicht in die Liga der großen Sportfilme vordringt.

Fazit:
Flying Scotsman ist ein außerordentlich kurzweiliger Film, der über die ganze Laufzeit unterhaltsam ist. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden jedoch die dunklen Seiten der Hauptfigur sehr schnell abgespult. Insgesamt orientiert sich Flying Scotsman sehr an den Richtlinien des Sportfilms, erreicht die Spitze des Genres allerdings nicht. Dennoch ist er als Film für zwischendurch sicher geeignet, denn Langeweile kann man ihm mit Sicherheit nicht vorwerfen.

Wertung:
6/10 Punkte

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