Verdacht (1941)

OT: Suspicion - 99 Minuten - Mystery / Thriller
Verdacht (1941)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Verdacht

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Verdacht ist Alfred Hitchcocks zweiter englischer Hollywoodfilm. Englische Schauspieler, englisches Milieu, basierend auf einen englischen Roman. Schon kurz nach Fertigstellung des Filmes gab es Beanstandungen seitens der Filmgesellschaft RKO und auch Filmkritiker, die die Romanvorlage kannten, monierten, Hitchcock hätte das Thema verfälscht. Und auch obwohl Hitchcock selbst Verdacht nie als Geniestreich bezeichnete, mauserte sich der Film dennoch abermals zu einem beliebten Filmklassiker.

Während einer Zugfahrt lernt die scheue Lina (Joan Fontaine) den begehrten Johnny (Cary Grant) kennen. Bald nach ihrem erneuten Wiedersehen heiraten die beiden und verbringen eine glückliche Zeit. Es sollte aber nicht lange dauern, dass Lina nach und nach die zwielichtige Seite ihres Mannes kennenlernt. Nicht einmal dessen bester Freund Beaky (Nigel Bruce) beschönigt Johnnys Charakter und macht keinen Hehl aus dessen Unaufrichtigkeit. Linas Zweifel nehmen weiterhin zu, bis sie sogar beginnt um ihr Leben zu fürchten.

Cary Grant ist einmal nicht in der Rolle des perfekten Schwiegersohnes zu sehen. Schon zu Beginn lernt der Zuseher ihn als ambivalenten Charakter kennen. Als direkt, unverschämt, als Betrüger und meisterhaften Lügner. Dennoch ist man sich nie wirklich sicher, ob er wirklich bösartig ist, schließlich hat er immer wieder eine passende Erklärung für sein Verhalten parat. Glücklicherweise nahm Grant nie Schaden durch die Abkehr seines Saubermann-Images. Denn weder stießen sich seine Fans daran, noch hinderte es ihn die Karriereleiter weiterhin steil zu erklimmen. Von Anfang bis zum Schluss spielt Hitchcock mit den Erwartungshaltungen der Zuseher. Johnnys vornehme Umgangsformen, sein selbstbewusstes Auftreten und seine charmante Angewohnheit alles wiedergutzumachen, verleiten immer wieder zur Unschuldsvermutung.

Verdacht ist kein konventioneller Kriminalfilm. Es handelt sich weder um ein typisches Whodunnit, noch geht es darum den Verbrecher dingfest zu machen. Stattdessen nimmt Hitchcock den Titel der Romanvorlage Before the fact beim Namen. Das angebliche Verbrechen spielt sich demnach vornehmlich in den Köpfen der Protagonistin und der Zuseher ab.

Lina ist die beste Angriffsfläche für Johnny, der sie nie wirklich ernst nimmt. Ständig nennt er sie Mutziputzi, Schätzchen oder Kindchen und demonstriert damit wie überlegen er sich ihr gegenüber fühlt. Fontaine verschmilzt ihre zerbrechliche Physis mit dem naiven und unerfahrenen Wesen ihrer Rolle. Mit blindem Vertrauen steht sie unablässig hinter ihrem Gatten und erschafft sich selbst so lange eine heile Welt, bis es schlussendlich nicht mehr möglich ist.

Die stetige Spannungssteigerung forciert vor allem in der zweiten Filmhälfte das Verlangen nach Aufklärung und bindet den Zuseher regelrecht an den Bildschirm. Ein verdächtiger Wiederling war Johnny von Beginn an, nun verhärten sich die Verdachtsmomente jedoch zunehmend. Immer wieder tauchen auch verbale Anspielungen auf Johnnys dunkle Seite auf. Beispielsweise wenn Johnnys Freund im Spaß vermutet dieser wolle ihn umbringen (weil er so früh aufstehen soll) oder Linas Anagramme mit Scrabble-Spielsteinen. Spätestens dann lässt Lina der Gedanke nicht mehr los, dass ihr Mann möglicherweise vorhat sie umzubringen.

Hitchcock selbst war mit der finalen Szene von Verdacht nicht glücklich. Und auch den meisten Zusehern wird der Schluss ein Dorn im Auge sein. Das Ende ist zu abrupt und unbefriedigend, wodurch sich der Filmgenuss doch um einiges verringert. Dass dies jedoch gar nicht auf Hitchcocks Mist gewachsen ist, sondern dem Hays Code (eine Art moralischer Leitfaden für Spielfilme der Dreißiger und Vierziger) zu verdanken ist, ist hinlänglich bekannt. Deshalb, und weil das Drehbuch sonst auf ganzer Linie überzeugt, kann man noch einmal nachgiebig sein.

Fazit:
Kennt man berühmte Hitchcock-Klassiker wie Psycho, Das Fenster zum Hof oder Der unsichtbare Dritte, weiß man wie exzellent Hitchcock sein kann. Das soll nicht heißen, dass Verdacht schlecht ist. Es handelt sich um einen ausgetüftelten Thriller, mit nuancierten Charakteren, die erstklassig besetzt sind. Fontaine erhielt für ihre Darstellung sogar einen Oscar und für Grant sollte es der Auftakt einer viermaligen Zusammenarbeit mit Hitchcock sein. Enttäuschend ist vor allem der Schluss. Anstatt den sich stetig ansteigenden Spannungsbogen kühn aufzulösen, verläuft er bedauerlicherweise im Sammelbecken konventioneller Schönfärberei. Unabhängig davon, ob Hitchcock selbst dieses Ende mochte oder nicht, schmälert es den Filmgenuss.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
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Erstellt: 10.10.2012