Die letzte Legion

OT: -  110 Minuten - Abenteuer
Die letzte Legion
Kinostart: 31.08.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: 06.05.2011
Will ich sehen
Liste
1137
Bewerten:

Filmkritik zu Die letzte Legion

Von am

Was in den Anfangsjahren des Kinos noch gang und gäbe war, ist in der heutigen Zeit eher verpönt. Damals war es nämlich noch Standard in Historienfilmen, die Helden aus irgendwelchen strunzdummen Gründen auf ein Abenteuer zu schicken. Da gibt es Fönfrisuren in Spartakus und viele weitere kleine Details, die aus geschichtlicher Sicht natürlich völlig unmöglich sind, die aber damals jedem egal waren. Das Einzige das zählte war der Unterhaltungswert, und geschichtliche Ungenauigkeiten interessierten nicht. Heutzutage sieht das Ganze selbstverständlich anders aus.

Jedes noch so kleine Detail muss genau recherchiert werden, und so sind viele fantasiegeladenen Geschichten nicht realisierbar, da sie nicht in den "Realismuswahn" unserer Gesellschaft passen. Selbstverständlich passen auch Klassiker der jüngeren Filmgeschichte wie Gladiator in dieses Schema, und es ist auch nichts Grundlegendes gegen eine solche Herangehensweise einzuwenden, jedoch spricht auch nichts dagegen, ab und zu einen reinen Unterhaltungsfilm zu drehen, der nicht unbedingt historisch genau ist. Diese Gebete scheinen von den Machern von Die letzte Legion erhört worden sein. Denn sie servieren uns einen überaus unterhaltsamen Old School Abenteuerfilm, der durchgehend für gute Laune sorgt.

Der 12-jährige Romulus Augustus (Thomas Sangster) wurde gerade zum römischen Kaiser ernannt, als sein junges Glück schon wieder zu zerbrechen droht. Da die Römer einen Pakt mit ihren Verbündeten, den Goten, nicht eingehalten haben, überfallen diese Rom, entführen den Kaiser und töten dessen Eltern. Das römische Reich ist nun in der Hand der Goten, doch der Anführer der kaiserlichen Leibgarde Aurelius (Colin Firth) hat den Angriff überlebt und plant nun, sein Land zu befreien. Dies ist allerdings nur möglich wenn der Kaiser aus seinem Gefängnis auf der Insel Capri befreit wird.

Der byzantinische Botschafter verspricht Aurelius im Namen seines Regenten, der immer noch auf der Seite der wahren Römer steht, dass er dem Kaiser Unterschlupf gewährt und dass dieser in seinem Reich seinen Gegenschlag vorbereiten kann. Gemeinsam mit einer Hand voll seiner treuesten Soldaten und der Leibwache des byzantinischen Botschafters Mira (Aishwarya Rai) macht sich Aurelius auf zur Insel Capri und schafft es nicht nur, den Kaiser und seinen Lehrmeister (Ben Kingsley) zu befreien, sondern findet auch das magische Schwert von Julius Caesar. Doch die Byzantiner brechen ihren Pakt, und so muss sich die Truppe nach Britannien durchschlagen, wo sie hoffen, die letzte Legion zu finden, die dem Kaiser noch treu ergeben ist...

Wie bereits gesagt war es nicht die Intention des Films, eine historisch akkurate Abhandlung über die damalige Zeit zu drehen. Das Ziel ist es, den Zuseher zu unterhalten und für Spaß zu sorgen. Und dieses Ziel erreicht Die letzte Legion spielend. Zwar basiert der Film in seinen Grundzügen auf historischen Fakten, jedoch in der Detailarbeit hat man sich viele Freiheiten erlaubt, um für Unterhaltung zu sorgen und auch einen gewissen Fantasieaspekt in den Film einzubauen. So orientiert sich die Geschichte rund um den entführten Kaiser an der Wahrheit, jedoch erlaubt man sich spätestens ab der Rettung von der Insel Capri einige Freiheiten.

Dies jedoch nicht zu Schaden des Publikums. Denn spätestens ab der gerade erwähnten Sequenz rund um die Befreiung des Kaisers sollte jedem klar sein, dass sich Die letzte Legion selbst nicht ernst nimmt und ein reiner Unterhaltungsfilm sein möchte. In einer sehr wie Fluch der Karibik anmutenden Szene stürmen die zahlenmäßig weit unterlegenen Eroberer die Festung und mischen mit viel Humor die Wächter auf. Besonders die Martial Arts Einlagen von eye candy Aishwarya Rai sorgen beim Zuseher für Spaß und bei den sichtlich überraschten Römern für staunende Gesichter.

In ihrer Darbietung der Titelhelden orientieren sich die Schauspieler nämlich nicht an einer klassischen römischen Figur, sondern es wirkt beinahe so, als würden sie auf die Situationen wie jemand aus der heutigen Zeit reagieren. Diese Herangehensweise sorgt zusätzlich für Unterhaltung, da man von Römern eigentlich keine so stürmische Herangehensweise erwarten würde. Auch die Dialoge und die witzigen Einfälle während der Kämpfe haben nichts mit der Realität zu tun, sondern verstärken den Unterhaltungswert. So bekommt Die letzte Legion während des Film auch deutliche Aspekte des klassischen Buddy Movies, inklusive humorvoller Auseinandersetzungen.

Nach der Eroberung der Insel Capri bekommt Die letzte Legion auch deutliche Einschläge von Der Herr der Ringe. Doch die Inspirationsquelle zu diesen Szenen wird so offensichtlich präsentiert, dass man den Machern wegen ihres Ideenklaus einfach nicht böse sein kann. Da gibt es die Gefährten, die über schneebeladene Berge ziehen, und die Endschlacht erinnert doch deutlich an die Schlacht um Helms Klamm. Doch diese Szenen werden charmant genug präsentiert, um den Film damit nicht hinunter zu ziehen. Auch wenn man zugeben muss, dass die finale Schlacht nicht mit dem humorvollen Geplänkel rund um die Insel Capri mithalten kann.

Auch bei den Darstellern haben die Macher ein gutes Händchen bewiesen. Getragen wird der Film von einem sichtlich gut gelaunten Colin Firth, der zum ersten Mal in seiner Karriere einen wirklich männlichen Helden spielen darf. Er verkörpert seinen Aurelius mit viel Charisma und Charme und überzeugt als kerniger Römer voll und ganz. Allerdings sollte auch beachtet werden, dass hier gar nicht versucht wurde, in die klassischen Muster zu passen, die andere Historienfilme vorgelegt haben. Wie oben erwähnt ist Die letzte Legion ein Old School Abenteuerfilm, und dementsprechend werden auch die Rollen verkörpert.

Auch Ben Kingsley kann in einer Nebenrolle überzeugen. Als Lehrmeister des jungen Kaisers erinnert er deutlich an Gandalf aus Der Herr der Ringe. In seiner weißen Kutte mit weißem Bart ist zumindest die optische Ähnlichkeit deutlich, doch auch der Charakter der Figur orientiert sich am berühmten Vorbild. Bei der finalen Schlacht in Britannien hat man sich dann noch einen besonderen Gag einfallen lassen, um die Parallelen der Figuren offensichtlich zu machen. Der finale Twist, welcher die wahre Identität von Ben Kingsleys Figur enthüllt und die Geschichte in ein anderes Licht rückt, ist ebenfalls sehr gut gelungen. Mit dem Anknüpfen an eine bekannte Sage schließt sich nicht nur der Kreis der Geschichte, es wird vor allem auch noch ein sehr gelungener Schlusspunkt gesetzt.

Fazit:
Die letzte Legion wird sicher nicht als Klassiker in Erinnerung bleiben. Doch das ist auch gar nicht das Ziel des Films. Stattdessen wird versucht, mit viel Spaß und Unterhaltungswert einen Abenteuerfilm zu erschaffen, der sich weniger um detailgetreue Rekonstruktion der Geschichte kümmert, dafür allerdings sehr viel Wert auf den Spaß des Zusehers legt. Sicher kein Film, den man kennen muss, aber ein sympathischer Film für zwischendurch ist Die letzte Legion allemal.

Wertung:
6/10 Punkte

Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 4
10 /10
0%
9 /10
50%
8 /10
0%
7 /10
0%
6 /10
25%
5 /10
25%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Das Vermächtnis der Tempelritter
Prince of Persia - Der Sand der Zeit (2010)
Lawrence von Arabien (1962)
Der Medicus (2013)
Star Wars Episode 6: Die Rückkehr der Jedi-Ritter (1983)
1492 - Die Eroberung des Paradieses (1992)
Das A-Team - Der Film (2010)
Ritter aus Leidenschaft
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!