Gucha

OT: -  94 Minuten - Musik / Drama / Komödie
Gucha
Kinostart: 24.08.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Gucha

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Regisseur Dusan Milic konnte sich für seinen zweiten Spielfilm Gucha prominente Schützenhilfe sichern. Niemand geringerer als der wohl einflussreichste serbische Filmemacher Emir Kustirica, der unter anderem Klassiker wie Schwarze Katze, Weißer Kater inszenierte und bereits bei den Filmfestivals in Cannes und Venedig gewinnen konnte, produzierte seinen Film. Natürlich läuft eine serbische Filmproduktion nicht ganz so einfach ab wie in Hollywood. Zuerst musste man sich finanzielle Hilfe aus einigen anderen Ländern, darunter Deutschland und Österreich, sichern, und dann konnte das ambitionierte Projekt starten.

Juliana (Aleksandra Manasijevic) ist die Tocher des beliebtesten Trompetenspielers Serbiens, der sich selbst den Spitznamen seines Idols gab, Satchmo (Mladen Nelevic). Sie verliebt sich in den jungen Romeo (Marko Markovic), doch dies ruft einige Probleme hervor. Zum einen ist Romeo nicht wie ihre Familie ein Weißer, sondern stammt von den Zigeunern ab, und zum anderen ist er Mitglied in einer Band, die mit Satchmos konkurriert. Doch Satchmo ist kein Unmensch: Wenn Romeo ihn beim diesjährigen Trompetenfestival in Gucha schlägt und die Goldene Trompete mit nach Hause nimmt, dann erlaubt er ihm, seinen Tochter zu treffen...

Gucha hebt sich wohltuend aus dem Einheitsbrei aktueller Filme ab. Stets mit einem Augenzwinkern erzählt der sympathische serbische Film seine Geschichte und orientiert sich lose an der Erzählung von Romeo und Julia. Doch es handelt sich keinenfalls um eine tragische Abhandlung wie in Shakespeares Stück. Gucha bleibt immer heiter und versprüht mit seiner gelungenen musikalischen Untermalung, die hauptsächlich aus Trompetenklängen besteht, unglaublich viel Charme und zeichnet ein Bild Serbiens voller Lokalkolorit und Freude. Das hätte wohl niemand erwartet.

Im Zentrum des Films steht, wie es der Titel bereits vermuten lässt, das legändere Blasmusikfestival in Gucha. Jedes Jahr pilgern rund eine halbe Million Menschen in die serbische Provinz, um ein Musikfestival der anderen Art zu genießen. Mittlerweile hat die 3000 Einwohner umfassende Ortschaft bereits den Ruf als Mekka der Blasmusikfans. Die Leute kommen nach Gucha, um zu feiern und die Volksfestatmosphäre zu genießen. Im Zentrum des Ganzen steht der Wettbewerb um die wichtige Auszeichnung der Goldenen Trompete und die Auszeichnung für die beste Band.

Das oberste Ziel von Regisseur Dusan Milic war es, seinen Film mit viel Authentizität zu versehen. So wurden nicht nur wirkliche Musikstars für die Hauptrollen gecastet, sondern vor allem auch tatsächlich vor Ort beim Festival in Gucha gedreht. Diese logistische Herausforderung wurde nicht nur mit Bravour bewältigt, sondern wirkt sich auch ausgesprochen positiv auf das fertige Ergebnis aus. Extra für das Filmteam wurde das Festival auf sieben Tage verlängert, um einen reibungslosen Dreh zu ermöglichen. So fließt neben der charmanten Geschichte auch ein dokumentarischer Aspekt mit ein, der ein Stück Geschichte beim Blasmusikfestival in Gucha festhält.

Besonders angenehm ist die ruhige und ungezwungene Inszenierung des Films. Wie schon erwähnt wird viel Lokalkolorit an das Publikum übermittelt. Seien es die Kostüme der Bands beim Festival, die Atmosphäre beim selbigen oder einfach die Landschaft Serbiens. Immer wird dem Zuseher augenzwinkernd die Geschichte erzählt, ohne ihm etwas aufzwingen zu wollen. Auch die musicalmäßige Herangehensweise weiß zu überzeugen. So gut wie jede Szene ist mit Musik untermalt, und nicht selten zeigt man den direkten Zweikampf zweier Trompetenspieler, die sich gegenseitig übertreffen möchten. Diese lockere Art macht sehr viel Spaß und bringt den Zuseher mit ins Geschehen.

Bei allem Charme und allen Symapthiewerten bleibt jedoch auch ein etwas bitterer Nachgeschmack. Denn Gucha hat nicht wirklich viel zu erzählen, und was der Film an Geschichte bringt, ist längst aus Romeo und Julia bekannt. Somit beschränkt sich Gucha auf einen durchaus gelungenen Statusbericht vom Blasmusikfestival und heitert die Stimmung des Zusehers durch seine bunte und witzige Inszenierung etwas auf. Der Film des Jahres ist dabei selbstredend nicht herausgekommen, und Gucha wird es gegen die Konkurrenz diesen Sommer auch ziemlich schwer haben, aber für alle, die etwas Abwechslung suchen, ist Gucha sicher einen Blick wert.

Fazit:
Gucha ist ein wirklich sympathischer Film, der mit viel Lokalkolorit vom größten Blasmusikfestival der Welt berichtet und gleichzeitig eine von Romeo und Julia inspirierte Liebesgeschichte erzählt. Der ganz große Wurf ist es zwar nicht geworden, aber für alle, die sich von Hollywood erholen möchten, ist es eine durchaus gelungene Alternative.

Wertung:
6/10 Punkte

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Ø Wertung: 6.5/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 2
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