Angel - Ein Leben wie im Traum (2007)

OT: - 134 Minuten - Drama
Angel - Ein Leben wie im Traum (2007)
Kinostart: 10.08.2007
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
1135
Bewerten:

Filmkritik zu Angel - Ein Leben wie im Traum

Von am

Der französische Regisseur Francois Ozon wagt sich nach seinen Filmen Swimming Pool, 5x2 und Die Zeit die bleibt zum ersten Mal in seiner Karriere an einen englischsprachigen Film. Mit Angel adaptiert er den gleichnamigen Roman von Elizabeth Taylor und erzählt die Geschichte der aufstrebenden, aber leider unbegabten Schriftstellerin Angel. Ganz im Stil eines Douglas Sirk verwendet Ozon den Kostümfilm auf sehr seltsame Weise. An vielen Stellen wirkt der Film wie eine Parodie seiner selbst, aber gleichtzeitig präsentiert er sich so ernst, dass man diese Persiflage nicht wirklich glaubt. Viel mehr wirkt es so als hätte man das ganze einfach nicht besser hinbekommen.

Die junge und hübsche Angel Deverell (Romola Garai) will mit allen Mitteln Schriftstellerin werden. So schickt sie ihr erstes Buch, trotz deutlich limitierten Fähigkeiten, an etliche Verleger. Sie wird von allen Seiten abgelehnt, doch es gibt jemanden der das Risiko eingehen will und sie gerne veröffentlichen möchte. Der Londoner Verleger Theo (Sam Neil) glaubt in ihr einen Publikumsmagneten gefunden zu haben. Er behält recht und Angel wird trotz ihren beschränkten Fähigkeiten der absolute Superstar ihrer Zeit. Auch glaubt sie im Maler Esmé (Michael Fassbender) die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben. Doch der Schein trügt: Angel lebt nur in einer Traumwelt und negative Nachrichten biegt sie sich so zurecht dass sie ihr passen. So kann ihr Glück natürlich nicht lange halten...

Angel ist bei Gott kein Totalausfall geworden. An allen Ecken und Ende scheinen Lichtblitze auf, die erkennen lassen was aus dem Stoff hätte werden können. Zum Beispiel ist die Grundlage der Geschichte hoch interessant und schlägt auch eine Brücke in unsere Welt. Angel schafft es, trotz ihren geringen Fähigkeiten zum Star der damaligen Zeit zu werden. Eine Erfahrung die man aus heutiger Sicht, in den Zeiten von Paris Hilton und Co. durchaus nachvollziehen kann und die doch zum Schmunzeln anregt. Auch an vielen weiteren Stellen im Film hat man den Eindruck dass Angel endlich zünden würde. Doch immer wieder fällt der Film steil ab. Woran liegt das ganze denn nun?

Ich würde sagen der Dreh- und Angelpunkt des Scheiterns des Films ist ganz klar bei Regisseur Francois Ozon zu finden. Zwar kann man ihm nicht vorwerfen, seinen Stil nicht treu zu sein, nur ist es eben dieser Stil, der Angel an einigen Stellen fast zur Qual werden lässt. Ozon übertreibt, trägt dick auf und setzt vor allem auf eine kitschige Inszenierung. Dies wird bereits klar, wenn die Credits am Anfang erscheinen und sie nicht auf gewöhnliche Weise abgespult werden, sondern in sanftem Rosarot dem Zuseher entgegen kommen. Doch dies ist nur die Spitze des Eisbergs.

Fast den ganzen Film über kann es sich Ozon nicht verkneifen solche übertriebenen Kitscheffekte einzubauen. Das ganze beginnt bereits bei Hauptdarstellerin Romola Garai, der es Ozon anscheinend verboten hat subtil zu spielen. In jeder Szene überspielt sie so maßlos, dass der Zuseher den Film nicht mehr ernst nehmen kann. Die "Verkitschung" des Settings geht allerdings noch weiter. Ozon hat sich nämlich keinenfalls nur darauf beschränkt seine Schauspieler übertreiben zu lassen. Auch er selbst trägt mit seiner süßlichen Inszenierung dazu bei, dass der Film an einigen Stellen eine Zumutung wird.

Erwähnt sei hier zum Beispiel die erste Kussszene zwischen Angel und Esmé. Im stömenden Regen verlässt Esmé Angels Buchpräsentation. Sie läuft ihm entsetzt hinterher. Anstatt sich zu streiten bittet Angel Esmé sie zu heiraten. Er nimmt das Angebot an und sie beginnen sich zu küssen. Genau in diesem Moment beginnt die Sonne durchzubrechen und über den Liebenden zeichnet sich ein wunderschöner Regenbogen vor sonnendurchfluteter Szenarie ab. Muss denn sowas wirklich sein? Ich persönlich bin wirklich verblüfft dass man sich in der heutigen Zeit noch soetwas machen traut.

Weiters kommt noch hinzu dass Ozon auch viele versteckte, kitschige Anspielungen eingebaut hat. Zum Beispiel heißt die Villa von Angel Paradise House. Natürlich konnte man es sich nicht verkneifen an jeder möglichen Stelle ein "together we live in Paradise" einzubauen. Wenn dann während der Kutschenfahrt die wohl peinlichste Rückprojektion der letzten 15 Jahre eingesetzt wird, beginnt man sich als Zuseher zu fragen was Angel denn nun eigentlich sein will. Denn soetwas kann in der heutigen Zeit schon fast nicht mehr zufällig passieren.

Doch wenn es sich Angel als Ziel gesetzt hat die kitschigen Historienfilme der 50er zu parodieren, so ist er ebenfalls kläglich gescheitert. Denn obwohl Angel viele Szenen beinhaltet die so schlecht sind, dass man schon fast an eine Parodie seiner selbst glauben würde, so ist der Film doch in einem ernsten Grundtenor gedreht worden und scheint sich selbst ernst zu nehmen. Dabei heraus kommt ein Film im Stile der 50er Jahre, der eine ernstgemeinte Geschichte erzählt, sich dabei aber selbst bloßstellt. Als einzige Lichtblicke bleiben dem Zuseher die Leistungen von Sam Neil und Michael Fassbender, die sich wohltuend vom übertriebenen Szenario abheben, schöne Kostüme und einige Lichtblicke. Für einen Kinobesuch ist das allerdings deutlich zu wenig.

Fazit:
Angel ist an vielen Stellen so kitschig, dass es fast schon weh tut. Die eigentliche Intention ist sehr schwer zu erfassen. Denn auf der einen Seite versucht Angel eine ernste Geschichte zu erzählen, baut aber gleichzeitig soviele kitschige und überspielte Szenen ein, dass der Film auch eine Parodie seiner selbst sein könnte. Viel wird hier definitiv nicht geboten, auch wenn sich einige Lichtblicke am Horizont auftun. Von meiner Seite aus gibt es die klare Empfehlung diesen Film zu meiden.

Wertung:
3/10 Punkte








Filmering.at
Community
Ø Wertung: 3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
0%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
100%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Keine Empfehlungen gefunden!
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!