Essential Killing (2010)

OT: Essential Killing - 83 Minuten - Thriller / Krieg
Essential Killing (2010)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 07.06.2011 - Blu-ray-Start: 07.06.2011
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Filmkritik zu Essential Killing

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Vincent Gallo ist bekannt dafür, dass er dort mitwirkt wo sich filmische Eigensinnigkeit abspielt. Jerzy Skolimowskis Essential Killing reiht sich zu diesen ungewöhnlichen, nicht nach dem großen Publikum suchenden Filmen ein. Vieles wurde auf den Kopf gestellt und manches leider vernachlässigt.

Mohammed (Vincent Gallo), vermutlich islamischer Konvertit und Soldat der Taliban, wird in Afghanistan fest genommen und gefoltert. Auf dem Weg durch die tief eingeschneiten Wälder Polens zu einem geheimen CIA-Gefängnis, gerät die Kolonne wegen Wildschweinen abrupt zum stehen. Das Fahrzeug in dem sich Mohammed befindet schlittert den Hang runter und überschlägt sich. Er nutzt die Gelegenheit für eine Flucht, erkennt aber bald, dass er barfuß und nur mit einem orangen Overall auf der Haut nicht weit kommen wird. Als er zurück kommt um sich zu ergeben, nutzt er die günstige Möglichkeit des unerwarteten Moments. Zwei weitere Tote später flüchtet er wieder ins Ungewisse.

Essential Killing ist bei weitem nicht der erste Film der einen in der Wildnis stattfindenden Überlebenskampf schildert. Es gehört aber zu diesen Ausnahmen die das Element des Überlebenskampfes gleichmäßig verteilen ohne dramaturgische Highlights setzen zu wollen. Etwas vergleichbar radikales zu finden ist eine Erfahrung die sich mir persönlich bisher entzogen hat, denn niemals hab ich je gesehen wie jemand die Leidensgeschichte eines Mörders (der ironischerweise den Namen des islamischen Propheten trägt) bildhaft machen will. Es stellt sich die Frage ob die Figur des Mohammed nicht bloß zu einem erzählerischen Zweck instrumentalisiert wurde. Wüsste das Publikum ganz sicher, dass er unschuldig ist, hätte es da nicht vielleicht Mitleid gehabt und das Konzept der Gleichmäßigkeit wäre dahin?

Um nicht falsch verstanden zu werden: Gleichmäßigkeit des Überlebenskampfes deutet auf Probleme welche die Flucht verursacht hat ohne pathetisch auf Freiheitsfragen einzugehen. Stete Erschöpfung statt Rausch, etwas zu Essen finden ist wichtiger als Flucht usw. Polens in wunderschönen Bildern eingefangene aber lebenszerstörerische Natur ist der eigentliche Gegenspieler Mohammeds. Und in all dieser lebensbedrohlichen Welt passiert wieder etwas unsagbar ironisches: Margaret, gespielt von Emmanuelle Seigner, bietet in einem Akt der Nächstenliebe diesem Gotteskrieger im erzkatholischen, unglaublich kalten und lebenszerfressenden Polen ihre Hilfe an. Dies wäre so nicht nennenswert, wenn zwischen den zwei Protagonisten ein Dialog aufgekommen wäre - welcher zugleich die starke Symbolik des Films vernichtet hätte. Margaret ist Taubstumm und Vincent Gallo hat kein einziges Wort Text in diesem Film. Allgemein wird nicht viel gesprochen. Sie pflegt und entlässt ihn wieder. Ohne, dass sich zwischen den zwei irgendein spezifisches Verhältnis entwickelt hätte.  Spätestens das Ende des Films offenbart seine Natur nur über Bilder kommunizieren zu wollen. Grundaussage der Geschichte? Unwichtig. In dieser Hinsicht ist Jerzy Skolimowski ein wunderschönes Werk gelungen.

Fazit:        
Essential Killing strotzt vor subtiler Symbolik. Genau da liegt seine allergrößte Stärke. Jerzy Skolmowski ließ Gallo Ameisen und Baumrinden essen, er wies ihn an eine Mutter zu bedrohen damit sie ihm Muttermilch gibt, er ließ ihn durchgehend frieren und irgendwie hab ich das Gefühl, dass dieser verrückte Vincent Gallo all das geliebt haben muss. Nicht zuletzt wegen seinem Spiel ist Essential Killing pures Leben. Ärgerlich sind lediglich die recht nichtssagenden Flashbacks. Weder werden Bezüge zur gegenwärtigen Situation hergestellt noch ist überhaupt irgendein tieferer Sinn dahinter zu erkennen. Allen Andeutungsversuchen zum Trotz ist dennoch eine starke Beliebigkeit vorhanden. Insofern fallen Deutungsversuche  sehr vielschichtig aus und tragen zum eigentlichen Geschehen nur wenig bei. Mehr verwirrend als störend. Es liegt beim Publikum es verstehen zu wollen oder einfach hinzunehmen.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 3
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