Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn (2011)

OT: The Adventures of Tintin: The Secret of the Unicorn - 107 Minuten - Zeichentrick / Abenteuer / Familie / Mystery
Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn (2011)
Kinostart: 27.10.2011
DVD-Start: 22.03.2012 - Blu-ray-Start: 22.03.2012
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Filmkritik zu Die Abenteuer von Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn

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Egal wie gut man sich mit Filmen auskennt, wie intensiv man sich mit dem Medium auseinandersetzt, es gibt gewisse Ikonen die wohl so gut wie jeder kennt. Steven Spielberg ist eine dieser Ikonen. Er drückte dem Tierhorrorfilm mit Der weiße Hai seinen Stempel auf, definierte mit Indiana Jones den Archetypen des coolen Abenteurers, prägte mit E.T. die Kindheit unzähliger Filmfans und schreckte mit Filmen wie Die Farbe Lila, Im Reich der Sonne, Schindlers Liste, Der Soldat James Ryan oder Minority Report auch nicht vor ernsten Themen zurück. Seit dem Jahrtausendwechsel hat den Erfolgsregisseur aber seine magische Aura verlassen. Zwar gelangen ihm mit Minority Report und München zwei ausgezeichnete ernste Filme und auch die Unterhaltungsfilme Terminal und besonders Catch me if you can überzeugten, aber es schlichen sich auch enttäuschende Filme wie A.I. und Krieg der Welten in seine Filmographie ein und über den angefügten vierten Teil der Indiana Jones Reihe lässt sich ebenfalls ausgiebig diskutieren. Kein übler Schnitt, gerade im Vergleich zu seinen Filmen der 70er, 80er und 90er ist ein gewisser Abwärtstrend aber nicht zu verleugnen und auch Tim und Struppi erweckt leider eher den Eindruck, dass Spielberg sein Mojo verloren hat.

Dem mittlerweile schon recht bekannten Reporter Tim (Jamie Bell) gelingt am Flohmarkt ein absolutes Schnäppchen - sehr zum Ärger eines Verkäufers. Denn nur kurz nachdem Tim ein Schiffsmodell der Einhorn ersteht melden gleich zwei wohlhabende Männer ihr Interesse an ihm das Modell deutlich teurer abzukaufen. Einer dieser Männer ist der hinterlistige Sakharin (Daniel Craig) und da Tim gar nicht daran denkt das Modell zu verkaufen dauert es nicht lange bis er seine Wohnung verwüstet auffindet. Dank der Hilfe seines treuen Hundes Struppi entdeckt er den Grund für diese Umstände: Im Modell ist eine Botschaft versteckt die den Weg zum Wrack der Einhorn weisen soll in dem sich ein riesiger Schatz befindet...

Wenn sich zwei Regieschwergewichte wie Steven Spielberg und Peter Jackson zusammentun und ein gemeinsames Projekt ankündigen, dann darf man gespannt sein. Wenn man dann auch noch hört, dass die beiden Großmeister des Abenteuerfilms (Spielberg mit Indiana Jones und Jackson mit Herr der Ringe haben das Genre wesentlich geprägt) ihre Verfilmungen (Jacksons Film folgt) der Tim und Struppi Comics als gigantische Abenteuer-Schnitzeljagd anlegen, dann sollte einem Vorfreudeschub endgültig nichts mehr im Weg stehen. Doch zumindest Spielbergs Film ist doch deutlich von einem wirklich großartigen Film entfernt - man darf gespannt sein ob Peter Jackson die Sache besser macht.

Inspiriert von James Camerons technischer Vorreiterarbeit mit Avatar haben sich die Filmemacher entschlossen das Projekt mittels der von Cameron optimierten Performamce-Capturing Technik zu realisieren - demnach war es auch möglich die Eigenheiten der jeweiligen Darsteller auf die Leinwand zu bringen. Selbst Regisseur Steven Spielberg meint man da in einer Figur zu erkennen und genau wie in Avatar war es so möglich die Mimik der Darsteller auf die unterschiedlichsten Charaktere zu übertragen. Doch trotz der Technik und des versierten Regisseurs am Ruder bleibt der Film selbst auf optischer Ebene äußerst ambivalent.

Der Grund dafür ist, dass die Umgebung über eine beeindruckend hohe Detailtiefe verfügt und selbst bei den menschlichen Figuren gelingt das schwierige Unterfangen sie mit überzeugenden Texturen zu bestücken. Aber, und das ist ein großes aber, dies gelingt nur im Stillleben. Sobald sich die Figuren bewegen oder Gefühle zeigen sollen fällt das Kartenhaus in sich zusammen (und das verblüfft schon etwas in Anbetracht der Tatsache, dass dies gerade die Stärke von Camerons Technik ist, wie man auch in Avatar sehen konnte). Die Animationstechnik erreicht so eine seltsame Zwitterqualität. Sie ist zu gut, als dass man die weniger realistischen Elemente auf eine liebevolle Abstraktion zurückführen könnte aber dennoch noch zu schlecht um wirklich durchgängig die optische Vision einer anderen Welt aufrecht zu erhalten. Gerade dieser Zwiespalt bewirkt schließlich, dass die Figuren seltsam leblos erscheinen.

Hand in Hand mit den Problemen der Animationstechnik geht auch ein großes Timingproblem. In Tim und Struppi wirkt alles etwas träge und trotz des Versuchs den Film mit Tempo und rasanten Verfolgungsjagden zu bestücken auch etwas hakelig und teilweise sogar langatmig. Es ist erstaunlich, dass gerade Steven Spielberg hier solche Fehler macht: Die Figuren werden großteils recht oberflächlich behandelt, die Action samt Schaueinlagen steht absolut im Mittelpunkt und die Schnitzeljagd ist überraschend einfallslos gestaltet. Wer sich erinnert mit welch kindlicher Freude Spielberg Indiana Jones einst um den Globus hetzte und die Zuseher mit einem fantasievollen Abenteuer voller Rätsel und hohem Unterhaltungswert beglückte, der kann schon etwas verwundert sein wie einfallslos und schleppend Tim und Struppi inszeniert ist.

Aber es ist natürlich nicht alles schlecht am Film: Manche Szenen offenbaren liebevolle Details, und z.B. bei der Rekonstruktion einer einstigen Schlacht, die gar die Wüstenlandschaft in einen tosenden Sturm auf hoher See transformiert, lässt sich erkennen, dass hier einiges Potential im Film gewesen wäre. Das mag aber auch daran liege, dass die Figur des Captain Haddock (verkörpert vom Performance Capture Großmeister Andy Serkis) die witzigste des ganzen Films ist. Den wunderbaren Einlagen von Serkis sind auch die wohl besten Slapstickmomente zu verdanken, aber wer mit dem Tim und Struppi Universum vertraut ist, der weiß auch, dass dies hier kein rein witziger Film ist, sondern er auch ernste Untertöne hat. Diese geraten zwar meistens in den Hintergrund, aber in Szenen wie dem Erschießen eines Informanten (wenn man so will), zeigt sich dennoch, dass hier manchmal alles etwas anders ist als in anderen Animationsfilmen.

Das bringt uns aber auch schon zum wahrscheinlich größten Kritikpunkt: Die Geschichte ist schlicht nicht sonderlich interessant. Sie ist solide, sie ist okay, und im Detail durchaus auch spannend vorgetragen, aber im großen Ganzen ist es doch eine relativ banale Angelegenheit. Die üblichen Klischees werden brav erfüllt und es gibt wenige Überraschungsmomente, die das Ganze aufwerten würden. Nicht einmal das Suchen von einzelnen Hinweisen, die die Helden an die unterschiedlichsten Orte auf der Welt bringen, macht hier wirklich Spaß, da dieser Schnitzeljagdaspekt nur reichlich uninspiriert eingeflossen ist - man denke nur daran wie Indiana Jones einst das X in der Bibliothek in Venedig gesucht hat, genau so funktioniert es, aber Tim und Struppi ist von einer solchen Qualität leider sehr weit entfernt. Auch die Motive des Bösewichts, die ganze Inszenierung der Hürden für den Helden, all das wirkt wenig aufregend. Vielleicht kann man den Film besser genießen, wenn man weniger Probleme mit seinem Stil hat (denn Spielberg setzt hier fast ausschließlich auf Schauwerte und Action, kaum auf Charaktere und Geschichte), aber dennoch ist Tim und Struppi sicher nicht das große Abenteuer, das es hätte werden können.

Fazit:
Steven Spielberg weiß eigentlich wie man solche Abenteurfilme inszeniert, deshalb ist es umso verwunderlicher, dass er bei Tim und Struppi so viele Fehler gemacht hat: Action und Schauwerte sind ihm viel wichtiger als seine Geschichte und die Charaktere. So kommt aber leider nur zaghaft Stimmung auf. Auch der Animationsstil bleibt als sehr ambivalent in Erinnerung: Im Stillleben sehr schön, aber in Bewegung weniger gelungen. Schlussendlich sitzt der Animationsstil sehr zwischen den Stühlen: Zu realistisch als dass man kleinere Ungereomtheiten als liebevolle Abstraktion abtun könnte und zu fehlerhaft und leblos um die Welt wirklich genau wiederzugeben. Auch der Film ansich erweist sich als überraschend träge und uninspiriert. Solides Unterhaltungskino liefert Spielberg zwar dennoch, aber das wars dann auch schon.

Wertung:
6/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 6.7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 23
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