The Artist (2011)

OT: The Artist - 100 Minuten - Romantik / Drama
The Artist (2011)
Kinostart: 27.01.2012
DVD-Start: 11.10.2012 - Blu-ray-Start: 11.10.2012
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Filmkritik zu The Artist

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Wir leben in einer Zeit in der das Filmemachen von kolossalen Budgets dominiert wird. Das und der Effektoverkill sind eine länger bekannt Tatsache, doch mit Avatar hat sich James Cameron gleich auf doppelte Weise vorgetastet: Seit dem weltweiten Erfolg suchen die Studios ihr Glück in der 3D-Technik und perfektionieren gar die Verfremdung der Darsteller durch die Performance-Capturing Technik, wie es Avatar vormachte und Tim und Struppi nun weiterführte. Als Gegenentwurf präsentiert der weitgehend unbekannte französische Regisseur Michel Hazanavicius nun sein technisch radikal reduziertes Meisterstück The Artist: Eine kühne filmische Vision, konsequent realisiert als Stummfilm in schwarz-weiß und betörend vor allem durch die imposanten Darsteller und die unglaublich kreative, charmante Inszenierung, die vorführt, dass die Kreativität immer noch das wichtigste Werkzeug eines Filmemachers sein sollte.

George Valentin (Jean Dujardin) ist der größte Stummfilmstar Hollywoods. Im Jahr 1927 feiert sein neuester Film “A Russian Affair” Premiere und natürlich feiert das Publikum den strahlenden Schauspieler mit Begeisterung. Nach der Premiere stolpert er zufällig in die hübsche Peppy Miller (Bérénice Bejo), was zu einem gemeinsamen Foto führt welches schließlich auf dem Variety-Cover landet. Durch diesen kleinen Zufall und die Sympathien von George bekommt Peppy ihren ersten kleinen Filmauftritt für Produzent Zimmer (John Goodman). Sie beginnt eine steile Karriere und die Erfindung des Tonfilms bringt die Industrie gewaltig durcheinander. Während Peppy ihren Aufstieg fortführt gehört George zum alten Eisen und ist am Boden...

Es erfordert nicht einmal fünf Minuten, bis man als Zuseher davon überzeugt ist, dass Michel Hazanavicius’ Entscheidung The Artist als Stummfilm zu drehen goldrichtig war: Der Film beginnt mit der Premiere von Georges neuem Film. Der Film im Film ist genauso stumm und schwarz-weiß wie der Film selbst - es entsteht eine perfekte Symbiose und spätestens wenn die Kamera zunächst ins Publikum und anschließend hinter die Leinwand blickt, trifft The Artist genau ins Herz. Denn dort wartet George schon ungeduldig auf die Reaktion des Publikums - doch während wir natürlich den tosenden Applaus nicht hören können, so können wir ihn doch im strahlenden Gesicht (und im unverschämt charmanten Lächeln von Haupdarsteller Jean Dujardin) ablesen. The Artist präsentiert das perfekte Erzählen durch Bilder - wie es die meisten Filmemacher schon längst verlernt haben.

Angetrieben von einem schwungvollen Soundtrack und der verspielt-kreativen Inszenierung von Michel Hazanavicius lässt der Film das Goldene Zeitalter des alten Studiosystem Hollywoods wieder auferstehen. Der Film an sich ist dabei schon ein Film über das Filmemachen selbst, aber durch die formale Verschmelzung mit der Stummfilmära entstehen eine noch viel engere Verflechtung zwischen dem Film und seinem Inhalt, als man es gewohnt ist. Da es Hazanavicius auch noch auf grandiose Weise versteht mit den Möglichkeiten und Limitierungen des Stummfilms zu spielen und sich herausnimmt immer wieder auf die Filmgeschichte zu verweisen entsteht so eine ganz besondere Huldigung des Kinos an sich und gleichzeitig ein unglaublich charmanter Film, der den Glanz und den Glamour Hollywoods auf eine Weise auf die Leinwand donnert, wie man es lange nicht mehr gesehen hat.

Mitunter einer der Hauptgründe warum dieses Konzept so dermaßen gut aufgeht ist Hauptdarsteller Jean Dujardin, bei dem man alleine schon vom Optischen und vom Charisma her überzeugt ist, dass er einfach ein Star aus einer längst vergangenen Ära sein muss - er strahlt jenes Filmstartum aus, das auch George Clooney ins Gesicht geschrieben ist und dank seiner sympathischen Art (und dem liebevollen Zusammenspiel mit seinem Hundesidekick nicht zu vergessen) erobert er die Herzen des Publikums bereits mit seinem ersten Auftritt im Film. Dujardin meistert die Stummfilm im Stummfilm Szenen genauso bravourös wie die Verkörperung des echten Lebens in Form eines Stummfilms, was zu grandiosen Unterschieden und fein gezeichneten Parallelen führt - überhaupt versteht es Michel Hazanavicius auf den eigenwilligen Charakter des Films zu verweisen und ihn immer wieder auf subtile Weise geschickt auszuspielen.

Ergänzt wird der Cast von einigen illustren Nebendarstellern, die sich allesamt der großen Show von Jean Dujardin unterordnen. Bérénice Bejo verkörpert den aufstrebenden Star auf sympathische Weise und liefert quasi innerhalb der Hauptstory einen Subplot der selbstreferenziell auf zahlreiche Werke der Filmgeschichte hinweist. John Goodman hat als Produzent viele Lacher auf seiner Seite, da er es unglaublich gut versteht mit den stilistischen Mitteln des Stummfilms zu spielen und James Cromwell gibt selbstlos den Fahrer von Dujardin, der einen treuen Gefährten und emotionales Fangnetz darstellt. Nicht vergessen darf man natürlich den heimlichen Star des Films: Den Hund von Jean Dujardin, der hervorragend mit dem menschlichen Hauptdarsteller harmoniert und das Herz zahlreicher FIlmfans im Sturm erobern wird.

Die Story selbst ist dabei recht konventionell und klassisch, was aber durchaus zum Konzept des Films passt. The Artist ist ein Film der Filmgeschichte vorlebt und den Geist der Leidenschaft am Kino atmet. Da der Film auf schauspielerischer Ebene perfekt ist und man sich alleine in der konsequenten und von einer künstlerischen Vision geleiteten Inszenierung verlieren kann, wäre es fast schon kontraproduktiv wenn man sich auf erzählerischer Ebene zu sehr vom klassischen Hollywoodkino längst vergangener Zeiten entfernt hätte. The Artist macht so gut wie alles richtig und kein Filmfan sollte sich diese außergewöhnliche Liebeserklärung an das Medium Film entgehen lassen. Der Film atmet den Geist des puren Kinos und versprüht einen liebevollen Charme, den man nur selten sieht.

Fazit:
The Artist ist ein herausragender Film: Michel Hazanavicius entfesselt eine künstlerische Vision die selten ist und inszeniert eine tiefe Verbeugung vor dem Medium Film und eine liebevolle Wiederbelebung des alten Studiosystem Hollywoods. Gleichzeitig ist der Film die imposante Galavorstellung von Hauptdarsteller Jean Dujardin, der seine Rolle zum Bersten mit Charisma füllt und ihr zahlreiche liebevolle Facetten verpasst. Inszeniert als Stummfilm in schwarz-weiß erzählt The Artist eine klassische Geschichte aus einer längst vergangenen Ära mit einer Konsequenz die selten ist und einer Hingabe zum Medium Film die noch viel rarer gesäht ist. The Artist ist ein Film zum Verlieben und ein charmantes Kinoereignis, das man nicht so schnell vergessen wird.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 46
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