![]() ![]() Drive OT: Drive Regie: Nicolas Winding Refn Drehbuch: Hossein Amini Darsteller: Ryan Gosling, Carey Mulligan, Ron Perlman, Bryan Cranston, Albert Brooks, Oscar Isaac, Tina Huang, Joe Pingue, Christina Hendricks Filmstart: 27.01.2012 | Laufzeit: | Action-Drama |
Er (Ryan Gosling) ist ruhig, schüchtern, unscheinbar, doch wenn er in einem Wagen sitzt macht dem "Driver" niemand etwas vor. Unter Tags arbeitet er in einer Werkstatt und als Stuntfahrer für Filme. Doch in der Nacht spielt er den Fluchtfahrer für diverse Gangster. Sein Freund und Förderer Shannon (Bryan Cranston) und der mafiöse Bernie Rose (Albert Brooks) haben große Pläne mit dem talentierten Fahrer: Sie wollen ein Stockcar-Team gründen und gutes Geld verdienen. Doch das Schicksal macht dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung: Um dem Ehemann (Oscar Isaac) seiner Nachbarin (Carey Mulligan) zu helfen beteiligt sich der "Driver" an einem Überfall der sich als Falle herausstellt und ehe er sich versieht befindet er sich im Fadenkreuz von Gangster Nino (Ron Perlman) und seinen Schergen...
Refn schert sich dabei nicht um Genregrenzen oder sonstige Konventionen - stattdessen kreiert er seinen eigenen, ungezähmten Genremix, der in seiner Radikalität zutiefst beeindruckend ist. Die Story des Films erinnert an ein klassisches B-Movie, aber in seiner Inszenierung pendelt der Regiesseur irgendwo zwischen dreckigem Genrekino und einer absoluten künstlerischen Vision. Seine Figuren zeigt er zwar stark ikonisch (alleine im Driver kann man unzählige wortkarge (Anti-)Helden der Kinogeschichte erkennen), aber dennoch stets real und durch das Zelebrieren ihrer Körperlichkeit auch menschlich-verletzlich. Gleichzeitig wagt er sich aber an eine beinahe sakrale Überhöhung und verleiht der gesamten Erzählung eine magische Aura, die sich besonders im eindrucksvollen Tanz der Bilder manifestiert, die in Drive förmlich ein verspieltes Eigenleben entwickeln.
Wie immer eine Bank ist natürlich Ryan Gosling, der ganz genau verstanden hat was Refn mit Drive erreichen wollte. In bester The Wrestler Manier folgen wir Gosling oftmals und er wandert sehr zielsicher durch das durchaus komplexe emotionale Gefüge der Erzählung. Zwischen einer unnahbaren Distanz, maschineller Fehlerlosigkeit beim Fahren, eisiger Kälte bei seinem Rachefeldzug und einer erahnbaren aufkeimenden Liebe zu seiner Nachbarin und ihrem Sohn entwirft Gosling ein faszinierendes Stimmungstableau, das mitunter zu seinen intensivsten Schauspielleistungen zählt. Carey Mulligan (oscarnominiert für An Education, großartig in Alles, was wir geben mussten) wird zwar weniger gefordert, macht ihre Sache aber ebenfalls sehr gut und abgerundet wird der vortreffliche Cast durch starke Nebendarsteller wie Albert Brooks, Bryan Cranston und Ron Perlman.
Fazit:
Drive ist ein bombastisches Aufeinandertreffen: Ruhiges Charakterdrama, rasantes Körperkino, sakrale Huldigung des Medium Films. Hier prallen Welten aufeinander, aber Regisseur Nicolas Winding Refn hält die Zügel fest in der Hand und weist mit unglaublichem Weitblick den Weg. Mit seinen letzten beiden Filmen Bronson und Valhalla Rising deutete er sein Potential bereits eindrucksvoll an, aber mit Drive legt er seinen ersten Geniestreich vor. Ein Filmemacher der das Medium noch als Kunst versteht inszeniert einen radikalen Genrefilm mit der Hand eines wahren Meisters. Drive erzeugt Stimmungen in denen man sich verlieren kann und ist ein Regiefilm wie aus dem Lehrbuch: Aus einer klassischen B-Movie Story entlockt Nicolas Winding Refn genauso ein Kunstwerk wie er es mit dem Gefängnisfilm (Bronson) und dem Wikingerfilm (Valhalla Rising) schaffte - zweifellos hat er das Talent verborgene, zarte Emotionen und radikale Bilder an den unmöglichsten Orten zu finden. Ja, Refn ist ein großes Talent und Drive ist dafür ein eindrucksvoller Beweis: Einer der besten Filme des Jahres.
Wertung:
9/10 Punkte

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