Drive (2011)

OT: Drive - 95 Minuten - Action / Drama
Drive (2011)
Kinostart: 27.01.2012
DVD-Start: 29.06.2012 - Blu-ray-Start: 29.06.2012
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Filmkritik zu Drive

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Nicolas Winding Refn hat mit seinen letzten beiden Filmen bereits eindrucksvoll angedeutet dass man in Zukunft noch einiges von ihm erwarten kann: Mit Bronson holte er nicht nur den unglaublich talentierten Tom Hardy ins Rampenlicht, sondern inszenierte auch eine tiefe Verbeugung vor Stanley Kubricks Uhrwerk Orange. Mit Valhalla Rising wanderte er auf den Spuren von Werner Herzogs Aguirre. Mit Drive erfüllt er nun die hohen Erwartungen die man auf Grund seiner letzten Filme in ihn stecken konnte: Refn entfesselt eine beeindruckende inszenatorische Kreativität und toppt seine Filmographie mit einem energiegeladenen Geniestreich, der ihm völlig zu Recht den Regiepreis in Cannes einbrachte.

Er (Ryan Gosling) ist ruhig, schüchtern, unscheinbar, doch wenn er in einem Wagen sitzt macht dem "Driver" niemand etwas vor. Unter Tags arbeitet er in einer Werkstatt und als Stuntfahrer für Filme. Doch in der Nacht spielt er den Fluchtfahrer für diverse Gangster. Sein Freund und Förderer Shannon (Bryan Cranston) und der mafiöse Bernie Rose (Albert Brooks) haben große Pläne mit dem talentierten Fahrer: Sie wollen ein Stockcar-Team gründen und gutes Geld verdienen. Doch das Schicksal macht dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung: Um dem Ehemann (Oscar Isaac) seiner Nachbarin (Carey Mulligan) zu helfen beteiligt sich der "Driver" an einem Überfall der sich als Falle herausstellt und ehe er sich versieht befindet er sich im Fadenkreuz von Gangster Nino (Ron Perlman) und seinen Schergen...

Was für ein Film! Dass Nicolas Winding Refn einen Faible für extravagante Filme hat sollte Kenner seiner letzten Filme kaum mehr überraschen - dass es ihm aber gelingt seinen Stil in dermaßer Perfektion auf die Spitze zu treiben kommt doch etwas unerwartet. Drive ist dabei ganz und gar sein Film - ein Regiefilm wie er im Lehrbuch steht. Hier ist es nicht die Story die den Film auszeichnet, sondern alleine die eindrucksvolle filmische Umsetzung die dafür sorgt, dass aus einer B-Movie Geschichte ein eindrucksvolles filmisches Kunstwerk wird. Alle Einzelteile greifen ineinander und verschmelzen zu einem treibenden Ganzen, das den Zuseher mitreißt und in kinematographische Extase versetzt.

Refn schert sich dabei nicht um Genregrenzen oder sonstige Konventionen - stattdessen kreiert er seinen eigenen, ungezähmten Genremix, der in seiner Radikalität zutiefst beeindruckend ist. Die Story des Films erinnert an ein klassisches B-Movie, aber in seiner Inszenierung pendelt der Regiesseur irgendwo zwischen dreckigem Genrekino und einer absoluten künstlerischen Vision. Seine Figuren zeigt er zwar stark ikonisch (alleine im Driver kann man unzählige wortkarge (Anti-)Helden der Kinogeschichte erkennen), aber dennoch stets real und durch das Zelebrieren ihrer Körperlichkeit auch menschlich-verletzlich. Gleichzeitig wagt er sich aber an eine beinahe sakrale Überhöhung und verleiht der gesamten Erzählung eine magische Aura, die sich besonders im eindrucksvollen Tanz der Bilder manifestiert, die in Drive förmlich ein verspieltes Eigenleben entwickeln.

Drive ist dabei eine reine Kinoerfahrung. Der audio-visuelle Fluss des Films erzeugt eine Stimmungstapete von der man nicht genug bekommen kann. Getrieben von einem, teilweise an die 80er Jahre erinnernden Soundtrack und ausgestattet mit visuellen Finessen in Hülle und Fülle ist Drive ein absoluter Pflichttermin. Wie bereits erwähnt ist die Geschichte selbst nicht das Hauptmotiv den Film anzusehen: Aber die filmische Transformation derer sie Refn unterzieht ist eine Wucht. Drive besticht vor allem durch Refns unglaubliches Talent Stimmungen zu erzeugen. Von der ersten Sekunde an (mit der großartigen Eröffnungsszene stellt Drive bereits früh die Weichen in Richtung Meisterwerk) ist klar, dass man sich in den Händen eines großen Regisseurs und Künstlers befindet und den restlichen Film über kann man sich genüsslich in den Stimmungen und Atmosphären verlieren die Nicolas Winding Refn hier mit viel Feingefühl erzeugt.

Wie immer eine Bank ist natürlich Ryan Gosling, der ganz genau verstanden hat was Refn mit Drive erreichen wollte. In bester The Wrestler Manier folgen wir Gosling oftmals und er wandert sehr zielsicher durch das durchaus komplexe emotionale Gefüge der Erzählung. Zwischen einer unnahbaren Distanz, maschineller Fehlerlosigkeit beim Fahren, eisiger Kälte bei seinem Rachefeldzug und einer erahnbaren aufkeimenden Liebe zu seiner Nachbarin und ihrem Sohn entwirft Gosling ein faszinierendes Stimmungstableau, das mitunter zu seinen intensivsten Schauspielleistungen zählt. Carey Mulligan (oscarnominiert für An Education, großartig in Alles, was wir geben mussten) wird zwar weniger gefordert, macht ihre Sache aber ebenfalls sehr gut und abgerundet wird der vortreffliche Cast durch starke Nebendarsteller wie Albert Brooks, Bryan Cranston und Ron Perlman.

Das Besondere an Drive ist aber, dass die Zutaten hier noch wirklich gar nichts über den Film aussagen: Sieht man sich Cast, Story, etc. an, denkt man vorerst einmal an einen routinierten Actionfilm im B-Movie Stil mit guter Besetzung - aber Nicolas Winding Refn macht soviel mehr daraus. Mit einem gesegneten Blick für das Medium Film und einer seltenen Inszenierungsgabe verwebt er zahllose Einzelelemente zu einem unheimlich dichten Stimmungsteppich, der zahlreichen Cineasten den Kopf verdrehen wird: Lichtspiele, Inszenierungskniffe, Körperkino und eine fast schon sakrale Huldigung des Medium Films gehen Hand in Hand und machen aus Drive ein bombastisches Stück Autorenkino, das man unter keinen Umständen verpassen darf.

Fazit:
Drive ist ein bombastisches Aufeinandertreffen: Ruhiges Charakterdrama, rasantes Körperkino, sakrale Huldigung des Medium Films. Hier prallen Welten aufeinander, aber Regisseur Nicolas Winding Refn hält die Zügel fest in der Hand und weist mit unglaublichem Weitblick den Weg. Mit seinen letzten beiden Filmen Bronson und Valhalla Rising deutete er sein Potential bereits eindrucksvoll an, aber mit Drive legt er seinen ersten Geniestreich vor. Ein Filmemacher der das Medium noch als Kunst versteht inszeniert einen radikalen Genrefilm mit der Hand eines wahren Meisters. Drive erzeugt Stimmungen in denen man sich verlieren kann und ist ein Regiefilm wie aus dem Lehrbuch: Aus einer klassischen B-Movie Story entlockt Nicolas Winding Refn genauso ein Kunstwerk wie er es mit dem Gefängnisfilm (Bronson) und dem Wikingerfilm (Valhalla Rising) schaffte - zweifellos hat er das Talent verborgene, zarte Emotionen und radikale Bilder an den unmöglichsten Orten zu finden. Ja, Refn ist ein großes Talent und Drive ist dafür ein eindrucksvoller Beweis: Einer der besten Filme des Jahres.

Wertung:
9/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 8 | Wertungen: 121
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