Habemus Papam (2011)

OT: Habemus Papam - 102 Minuten - Drama
Habemus Papam (2011)
Kinostart: 08.12.2011
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
11168
Bewerten:

Filmkritik zu Habemus Papam

Von am
Die katholische Kirche ist von Krisen geschüttelt. Unzählige Skandale und eine Welt in der der Glauben einen immer geringeren Stellenwert genießt, haben stark an der Institution Kirche gerüttelt. Da kann man schon gespannt sein wenn der italienische Regisseur Nanni Moretti (der zuletzt die Berlusconi Satire Der Italiener drehte) einen Film über die Papstwahl und im weitesten Sinne natürlich den Glaube an sich dreht. Doch überraschenderweise ist Habemus Papam keine bitterböse Abrechnung mit der Institution Kirche, sondern eine vergleichsweise harmlose, leichte und charmante Komödie, die der Kirche viel Wohlwollen entgegen bringt.

Ausnahmezustand im Vatikan: Nach dem Ableben des Papstes müssen die Kardinäle zum Konklave zusammenkehren. Sie werden so lange in der sixtinischen Kapelle bleiben bis ein neuer Papst gefunden wurde. Doch dieses Amt scheint gar nicht so begehrt zu sein: In sich gekehrt hoffen alle Kardinäle, dass sie nicht gewählt werden. Favorit für das Amt is der hoch angesehene Kardinal Gregori (Renato Scarpa) doch schlussendlich fällt die Wahl völlig überraschend auf Kardinal Melville (Michel Piccoli). Das Problem ist nur: Dieser hat überhaupt keine Lust auf das Amt und als er sich schließlich weigert den Balkon zu betreten um sich der Welt zu zeigen herrscht Ratlosigkeit wie es weitergehen soll. Kurzerhand wird ein Psychiater (Nanni Moretti) in den Vatikan gebracht, der den Heiligen Vater therapieren soll...

Wie gesagt werden all jene, die sich von Nanni Moretti eine bissige Satire erwartet haben schon relativ früh feststellen, dass sie im falsche Film sitzen. Denn Habemus Papem ist eine leichte, lockere Komödie, die zunächst damit beginnt detailiert die Wahlprozeduren des Konklave zu schildern. Es ist überhaupt schön mit welcher Detailarbeit Moretti versucht das Leben der Kardinäle zu schildern und dabei auch auf die rein menschliche Seite ihres Alltags nicht vergisst: So hat es schon etwas amüsantes einen Kardinal am Hometrainer beobachten zu können.

Auch die eigentliche Haupthandlung rund um den Papst, der sich schließlich aus dem Vatikan davonstiehlt und etwas über seine kommenden Aufgaben nachdenkt ist amüsant und großteils auch recht charmant ausgefallen. Dies liegt aber auch vor allem an der wunderbaren Schauspielleistung von Michel Piccoli, der seinen Papst zwischen Altersweisheit, Sympathie, Würde und Angst auspendelt und dabei stehts eine sehr gute Figur macht. Seine Streifzüge durch Rom sind sehr gelungen - aber man kann auch nicht abstreiten, dass diese Strutkur auch die Möglichkeiten der Handlung etwas beschränkt.

Dies ändert aber nichts daran, dass besonders die Szenen die sich im Vatikan abspielen, während der Papst ausgeflogen ist, sehr hohen Unterhaltungswert haben. Auf der einen Seite wird versucht die Abwesenheit des Papstes zu verheimlichen - also muss ein ausgewählter Vertreter der Schweizer Garde in den Kämmern des Papstes bleiben und dort regelmäßig am Fenster vorbeigehen. Gleichzeitig versuchen sich die Kardinäle die Zeit zu vertreiben und halten letzten Endes ein Beachvolleyballturnier ab um dem neuen Papst eine kleine Freude zu machen. Nanni Moretti sorgt dabei in einer Nebenrolle als exzentrischer Psychiater für sehr hohen Unterhaltungswert.

Aber trotz diesen Stärken ist Habemus Papam nicht bedingungslos zu empfehlen. Dazu ist der Film schlicht zu brav. Regisseur Nanni Moretti selbst gibt an, dass er zwar katholisch erzogen wurde, selbst aber nicht gläubig ist. Aber dennoch hat man das Gefühl, dass er niemanden zu nahe treten wollte. Er hält sich vornehm zurück, will niemanden auf den Schlips treten und beschränkt sich somit auch darauf eine zwar herzige, aber letztendlich auch handzahme Geschichte zu erzählen. Hinzu kommt, dass ihm am Ende etwas die Ideen ausgehen und die finale Auflösung des Ganzen nicht nur sehr gewöhnungsbedürftig inszeniert ist, sondern den Film auch nicht besonders gut abschließt.

Fazit:
Habemus Papam ist eine sympathische, charmante und recht lockere Komödie. Die Schauspieler sind durch die Bank sehr gut, die detailierte Erzählung ist schön und die Handlung an sich gefällt ebenso. Allerdings geht dem Film im letzten Drittel deutlich die Luft aus und auch die Auflösung der Geschichte überzeugt nicht wirklich. Hinzu kommt, dass sich der Film viel zu handzahm gibt und sich nie traut über die Institution Kirche herzuziehen. Man hat versucht niemanden auf den Schlips zu treten, was aber schlussendlich auch dazu führt, dass es Habemus Papam etwas an Biss fehlt. Auf Grund des recht heiteren Charakters des Films steht einem netten Kinoabend aber dennoch nichts im Weg.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 5.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 4
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
0%
7 /10
25%
6 /10
25%
5 /10
0%
4 /10
50%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
The Wrestler (2008)
There Will Be Blood (2007)
Die Jagd (2012)
Holy Motors (2012)
Moonrise Kingdom (2012)
Boyhood (2014)
Revanche
Hunger (2008)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen
schon gesehen
Liste von mausmaus
Erstellt: 11.11.2013