![]() ![]() Le Havre OT: Le Havre Regie: Aki Kaurismäki Drehbuch: Aki Kaurismäki Darsteller: Jean-Pierre Léaud, Kati Outinen, Jean-Pierre Darroussin, André Wilms, Evelyne Didi, Elina Salo, Blondin Miguel Filmstart: 03.11.2011 | Laufzeit: | Komödie-Drama |
Marcel Marx (André Wilms), früher Autor und wohlbekannter Bohemian, hat sich vor längerer Zeit in sein frei gewähltes Exil, die Hafenstadt Le Havre, zurückgezogen. Hier geht er inzwischen der ehrenwerten, aber nicht sonderlich einträglichen Tätigkeit eines Schuhputzers nach. Der Traum vom literarischen Durchbruch ist längst begraben und trotzdem führt er ein zufriedenes Leben mit seiner Frau Arletty (Kati Outinen). Doch plötzlich erkrankt Arletty schwer, gleichzeitig kreuzt das Schicksal seinen Weg in Gestalt des minderjährigen Flüchtlings Idrissa (Blondin Miguel) aus Afrika. Und so ist Marcel gezwungen sich erneut gegen die menschliche Gleichgültigkeit zu erheben. Seine einzigen Waffen sind sein unerschütterlicher Optimismus und die ungebrochene Solidarität der Mitbewohner seines Quartiers. Mit ihrer Hilfe tritt er gegen den blindwütigen Machtapparat des Staates an, der die Schlinge um den Flüchtlingsjungen immer enger zieht. Es wird Zeit für Marcel, seine Schuhe zu polieren und die Zähne zu zeigen...
In Angesicht der Herzlosigkeit keimt in den Bewohnern des Viertels grenzenlose Solidarität. Der kleine Idrissa weckt in den eigentümlichen Charakteren den Beschützerinstinkt. Nicht nur der sonst etwas unbeholfene Marcel, dargestellt vom charismatischen André Wilms, nimmt sich seiner an. Nach dem französischen Leitspruch Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sind alle Bewohner mit an Bord, dem afrikanischen Flüchtlingskind bei Flucht nach London zu seiner Mutter zu helfen. Ob der Hauptkommissar mit seinem ikonisch schwarzen Trenchcoat, Hut und Schnauzer oder der an Bilbo Beutlin erinnernde Rockmusiker Little Bob (den es übrigens wirklich gibt. Er sieht nur so aus als würde er aus Kaurismäkis Feder stammen!). Alle sind Teil dieser wundersamen Welt.
Fazit:
Le Havre ist eine märchenhafte Sozialdramakomödie, die vor allem durch den Charme der Ausstattung und seinen liebenswürdigen Charakteren punkten kann. Die karge, minimalistische Bildsprache in dem romantisch heruntergekommenen Setting einer Hafenstadt zaubert eine außerordentlich dichte Atmosphäre in den Kinosaal und, wenn man sich darauf einlässt, ein permanentes Schmunzeln ins Gesicht des Publikums. Die atmosphärische Außenseitergeschichte fängt allerdings immer dann zu bröckeln an wenn sie versucht, etwa durch reale Fernsehausschnitte von den Aufständen der französischen Migranten, zu kontextualisieren. Das geht insofern nach hinten los, dass die wundersame Märchenwelt einer Zäsur ausgesetzt ist, die der Zuseher mit dem Kinobesuch unter Umständen vermeiden will. Denn Wunder passieren, nur, selten in der Realität.
Wertung:
8/10 Punkte

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