Die drei Musketiere (2011)

OT: The Three Musketeers - xx Minuten - Action / Abenteuer / Romantik
Die drei Musketiere (2011)
Kinostart: 01.09.2011
DVD-Start: 17.11.2011 - Blu-ray-Start: 17.11.2011
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Filmkritik zu Die drei Musketiere

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Regisseur Paul W.S. Anderson hat einen Stil, der sich sehr am modernen Zeitgeist orientiert und mit seinen schnellen Schnitten und seiner zelebrierten Action einen sehr dynamischen Charakter hat. Auf den ersten Blick erscheint es so auch etwas ungewöhnlich, dass sich gerade Anderson angenommen hat um eine weitere Verfilmung von Die drei Musketiere zu inszenieren. Doch es dauert nicht allzu lange, bis klar wird, dass er gar nicht versucht einen klassischen historischen Mantel und Degen Film zu drehen - stattdessen nimmt er einfach seinen vorhandenen Stil und stülpt lediglich eine etwas historische Hülle über. Das ergibt aber eine an manchen Stellen doch gewöhnungsbedürftige Mischung.

Frankreich, 17. Jahrhundert: Der junge, unerfahrene und schwache König Louis XIII (Freddie Fox) hat nicht die Kompetenz um das Land standesgemäß zu regieren. Kardinals Richelieu (Christoph Waltz) erkennt die Schwächen des Regenten und nutzt dessen Naivität skrupellos aus um seine eigene Position zu stärken. Die ehemalige Leibgarde des Königs, die Musketiere, haben ausgedient und die einst tapferen Soldaten Athos (Matthew MacFadyen), Aramis (Luke Evans) und Porthos (Ray Stevenson) haben keine wirkliche Aufgabe mehr. Doch als der junge und motivierte D'Artagnan (Logan Lerman) aus der französischen Provinz in Richtung Paris zieht, wirbelt er die Hauptstadt und die drei Musketiere gewaltig durcheinander...

Der Stoff ist bekannt, wie man ihn filmisch umsetzen kann wissen wir, was hat also Actionspezialist Paul W.S. Anderson so besonderes zu bieten, weswegen wir uns seine Version der drei Musketiere ansehen sollen? Für Fans des Mantel und Degen Subgenres lässt sich überraschend wenig finden um ihnen den Film schmackhaft zu machen - auch die treuen Anhänger der Vorlage müssen nicht unbedingt gleich in die Kinos stürmen. Wirklich sehenswert bleibt Die drei Musketiere wohl hauptsächlich für ein jüngeres Publikum, ganz besonders wenn es der Stilistik des Regisseurs nicht gerade abgeneigt ist.

Denn Paul W.S. Anderson macht im Wesentlichen genau da weiter wo er mit seinen Resident Evil Filmen aufgehört hat - es gibt kleine technische Spielereien, schnelle Schnitte, ausgiebigen Zeitlupeneinsatz und eine Milla Jovovich, die sich halb lasziv, halb mordend, durch die Szenen winden darf. Wer das alles schon in Resident Evil großartig fand, der wird wohl auch mit Die drei Musketiere nicht allzu viel falsch machen können. Aber abgesehen von der klar erkennbaren Handschrift seines Regisseurs findet man nicht wirklich viele Besonderheiten im Film - und dank der unverkennbar modernen Inszenierung kauft man dem Film sein eigenes Genre stellenweise nicht wirklich ab.

Was wohl ursprünglich als eine Verjüngungskur im Sinne der Fluch der Karibik Filme gedacht war, ist zu einer sehr eigenwilligen Verbeugung vor der jungen Generation geworden. Anderson zelebriert gewohnt das Visuelle, vergisst dabei aber sowohl auf seine Charaktere, als auch auf die kleinen Feinheiten, die den Mantel und Degen Film auszeichnen. Während es Fluch der Karibik also vortrefflich gelungen ist das gesamte Universum mit einem sympathischen Schurkencharme zu durchziehen, fehlt eben jenes kecke Spiel mit den Autoritäten in Die drei Musketiere quasi völlig - gut, es ist durchaus im Ansatz vorhanden, aber Anderson behandelt den zarten Charme, den man benötigen würde, mit der groben Hand eines Bergwerkarbeiters.

Hinzu kommt, dass es quasi allen Figuren an der nötigen Ausstrahlung mangelt um den Film zu tragen. Ganz tragisch ist das natürlich wenn selbst die titelgebenden drei Musketiere und ihr “Lehrling” D'Artagnan recht blass bleiben und sich kaum ins Rampenlicht spielen. Orlando Bloom hat als schmieriger Buckingham zwar seine Momente, balanciert aber haarscharf an der Grenze zur Lächerlichkeit - seine völlig over-the-top angelegte Performance sorgt aber wenigstens für ein bisschen frischen Wind. Ebenfalls gelungen ist die herrlich böse angelegte Performance von Mads Mikkelsen, der schon einmal die Pistole zückt, wenn er zum Schwertkampf aufgefordert wird. Alle anderen Darsteller können nicht wirklich etwas von ihrem Talent zeigen: Jovovich spielt routiniert ihre Alice Rolle aus Resident Evil vor anderer Kulisse und Christoph Waltz schüttelt seinen (überraschend langweilig skizzierten) Richelieu quasi aus dem Handgelenk.

Auch gewöhnungsbedürftig sind die gesammelten technischen Spielereien des Films, die für eine ständige Spannung zwischen der Epoche und dem modernen Filmemachen sorgen. Leider zeigt der enorme Fokus auf die Actionszenen (die großteils reichlich ideenlos abgespult werden) aber auch, dass die Filmemacher das Genre nicht wirklich verstanden haben: Es geht um gewitzte Einfälle, charmante Momente und Figuren mit denen man auch gerne mitfiebert. All das bietet Die drei Muskeitere nicht. Was aber geboten wird ist eine moderne, actionlastige Inszenierung, die unverkennbar den Stil des Regisseurs trägt und eine recht kurzweilige Unterhaltungsshow. Wer damit leben kann, der kann ins Kino gehen - alle anderen finden sicher eine bessere Alternative.

Fazit:
Die drei Musketiere trägt unverkennbar die Handschrift von Regisseur Paul W.S. Anderson. Wo man hinsieht, gibt es nur Action, Zeitlupe und moderne Spielereien. Leider hat man es aber versäumt die Figuren interessant genug zu gestalten, sodass man sich für sie interessieren würde. Auch fehlt es dem Film an Charme, Finesse und jener spitzbübischen Attitüde, die einen Mantel und Degen Film erst richtig sehenswert macht. Da es Paul W.S. Anderson aber zumindest versteht simple und kurzweilige Unterhaltung zu bieten, können Fans des Regisseurs durchaus einen Blick riskieren.

Wertung:
5/10 Punkte
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Ø Wertung: 5.3/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 23
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