Melancholia (2011)

OT: Melancholia - 130 Minuten - Drama / SciFi / Thriller
Melancholia (2011)
Kinostart: 27.10.2011
DVD-Start: 03.05.2012 - Blu-ray-Start: 03.05.2012
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Filmkritik zu Melancholia

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Nach der Premiere von Melancholia in Cannes diesen Jahres war es nicht unbedingt der Film über den man überall gesprochen hat, sondern vor allem die verbalen Ausbrüche die sich Lars von Trier bei der anschließenden Pressekonferenz geleistet hat. Doch das wurde bereits zur genüge breitgetreten und aufgebauscht, deshalb sollte man sich lieber die viel wichtigere Frage stellen: Wie ist der Film eigentlich? Die Meinungen aus Cannes gingen in Abetracht der Nebensächlichkeiten ja fast unter, aber nicht wenige hielten Melancholia für einen der großen Favoriten auf die Goldene Palme - hätte sich Lars von Trier eben nicht die heiß diskutierte Pressekonferenz geleistet. Und tatsächlich erweisen sich diese Lorbeeren als berechtigt: Melancholia ist großes Kino - eine leise Ballade einer untergehenden Welt die sich tief in die Erinnerung einbrennt.

Es sollte eigentlich der glücklichste Tag im Leben von Justine (Kirsten Dunst) sein: Der Tag ihrer Hochzeit, die auf einem wunderschönen Anwesen stattfindet und vom reichen John (Kiefer Sutherland), dem Mann ihrer Schwester Claire (Charlotte Gainsbourg), finanziert wird. Doch obwohl Justine immer schon leicht depressiv war, ist ihr Zustand nun bedeutlich schlimmer geworden. Doch die Ursache dafür scheint nicht in Menschenhand zu liegen, sondern am beeindruckenden kosmischen Ballet, das sich anbahnt: Der Planet Melancholia soll in äußerst engem Abstand an der Erde vorbeiziehen. Doch während die Wissenschaftler von ihren Berechnungen überzeugt sind, befürchtet Claire, dass der Planet die Erde treffen könnte und Justine scheint vom herannahenden Planeten in ein emotionales Loch gezogen werden...

Endgülitg, epochal, niederschmetternd - Melancholia ist der ultimative Weltuntergangsfilm, der alle anderen Filme dieser Art wie oberflächliches Schmierentheater wirken lässt. Für alle, die nicht so mit dem Oeuvre von Triers vertraut sind (alle anderen dürften ohnehin kaum an einer düsteren Auflösung zweifeln), stellt dieser im Prolog des Films gleich klar wie die Geschichte enden wird. Damit wäre der augenscheinlichste Spannungsmoment der Geschichte (trifft der Planet nun die Erde oder nicht?) schon einmal eliminiert und der Film kann sich ganz auf das Ausloten von Gefühlen, Stimmungen und der Profilierung der Charaktere konzentrieren.

Die Prinzipien seiner Dogma95 Bewegung hat von Trier spätestens mit Antichrist über Bord geworfen und auch Melancholia bleibt dem hochstilisierten Touch seines letzten Films treu. Doch speziell in der ersten Hälfte erlaubt er sich dennoch eine nette Hommage an frühere Zeiten, mit einer detailreichen, lebendigen und vor allem konfliktreichen Hochzeit, die wohl nicht zufällig an Thomas Vinterbergs Klassiker Das Fest erinnert. Melancholia durchziehen dabei große Gegensätze: Es ist ein Weltuntergangsfilm, der äußerst leise erzählt wird - durchzogen von optisch überstilisierten Bildern, die aber vor allem versuchen das düstere Innenleben der Figuren zu visualisieren - er erzählt vom wohl aufregendsten Ereignis das man sich vor stellen kann, aber ganz unaufgeregt - und behandelt ein globales Drama, aber auf engem Raum mit ganz wenigen Figuren.

Dabei nimmt sich Lars von Trier sehr viel Zeit. Er lässt nicht zu, dass das ruhige, fragile Gefüge seiner Geschichte gestört wird. Es gibt kein Herumgeschreie, keine Auotverfolgungsjagden, keine Massenpanik - Melancholia ist ein äußerst in sich gekehrter, besonnener und psycholigsch orientierter Film. Bei den meisten anderen Filmen dieser Art wird der Schwerpunkt klar auf die große Zerstörungsorgie gelegt - man könnte meinen die Filmemacher behandeln den Weltuntergang vor allem auf materialistischer Ebene - während Lars von Trier den Fokus klar auf den Menschen legt. Ja, es stimmt schon was so mach einer sagt: Lars von Trier mag die Menschen nicht so gerne und das merkt man seinem Film auch an, aber das ändert nichts daran, dass er das emotionale Scheitern der gesamten Menschheit so wunderschön wie kaum ein anderer portraitieren kann.

Vielen wird Melancholia vielleicht schon zu ruhig und unaufgeregt sein (ganz besonders wenn man sich das Thema des Films vor Augen führt). Und es stimmt auch, dass der Film an manchen Stellen etwas langatmig geworden ist, aber in seiner Gesamtheit betrachtet ist Melancholia ein Film bei dem sich alle Teile wunderbar zusammenfügen und der am Ende einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt, der viele noch länger begleiten wird. Man hat fast den Eindurck, als wäre der Film die visualisierte Ruhe vor dem Sturm - was auch dazu führt, dass das Ende wie ein Orkan über das Pulbikum hinwegfegt. Melancholia ist ein beeindruckender Film - Lars von Trier bezirzt uns mit seiner leisen Ballade über eine untergehende Welt und ein gewisser Roland Emmerich muss sich jetzt wie ein kleiner Schuljunge fühlen, der nach unzähligen Fehlversuchen endlich gezeigt bekommt wie man es richtig macht.

Fazit:
Melancholia ist gewaltig, epochal und endgültig. Ab jetzt dürfte es eigentlich keine Weltuntergangsfilme mehr geben. Lars von Trier zeigt uns einen Film der großen Gegensätze - alleine die Prämisse einen ruhigen und zurückhaltenden Weltuntergangsfilm zu drehen ist schon eine Nummer für sich und mit welcher künstlerischen Integrität von Trier sein Konzept durchzieht ist schlicht beeindruckend. Übliche Klischees werden tunlichst vermieden, stattdessen ist Melancholia eine leise, in sich gekehrte Ballade über eine untergehende Welt - durchzogen von trauriger Schönheit und einer einprägsamen Endgültigkeit die auch dank des kolossalen Abschluss vielen lange in Erinnerung bleiben wird. Muss man gesehen haben.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 59
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