Henry & Julie - Der Gangster und die Diva (2010)

OT: Henry's Crime - 108 Minuten - Komödie
Henry & Julie - Der Gangster und die Diva (2010)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 03.11.2011 - Blu-ray-Start: 03.11.2011
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Filmkritik zu Henry & Julie - Der Gangster und die Diva

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Filme rund um Banküberfälle und clevere Einbruchszenarien gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Ocean’s Eleven bewies sogar, dass Diebesgeschichten mehrere Fortsetzungen wert sind, im Grunde genommen bleibt der Handlungsverlauf jedoch derselbe: Personen, meistens gruppiert, beschließen aus mehr oder weniger nachvollziehbaren Gründen, jemanden oder etwas zu überfallen und lassen sich hierfür einen gefinkelten Plan einfallen, der in den meisten Fällen auch aufgeht. Die Diebesgruppe hat meistens einen charistmatischen Anführer, mindestens einen Tollpatsch und mindestens 3 Momente, in denen alles zu scheitern scheint.

Henry’s Crime beginnt da etwas anders. Henry (Keanu Reeves) ist ein langweiliger, motivationsloser, unauffälliger Durchschnittstyp, den weder der Job in dem Fahrkartenhäuschen auf dem Highway, noch die ziemlich öde Beziehung mit seiner unbedingt schwanger werden wollenden Freundin ausfüllt. Er ist der, den man fragt, wenn man niemand anderen hat, der die Drecksarbeit erledigen will, er ist der, der immer irgendwo unauffällig im Hintergrund steht, er ist einfach Henry. Als es eines Tages an der Tür klopft, willigt er ein, zwei Freunde bei einem Baseballspiel zu unterstützen. Unverständlicherweise soll Henry jedoch nicht vor dem Spielfeld parken, sondern vor einer Bank und die zwei Kumpels steigen nicht kurz aus um Geld abzuheben, sondern um gleich die ganze Bank zu überfallen. Der Einzige, der erwischt wird, ist Henry und er bleibt auch der Einzige, der dafür ins Gefängnis muss.

Als er seine Strafe abgesessen hat, seine Freundin mittlerweile mit einem der Bankräuber ein Kind erwartet und in seinem ehemaligen Haus wohnt, sieht Henry sich gezwungen endlich aus seinem Leben ohne Ambitionen zu entfliehen und beschließt kurzerhand die Bank, die er nie überfallen hat, nun wirklich zu überfallen – die Strafe dafür hat er ja immerhin schon abgesessen. Zellenkollege und Langzeitgefängnisinsasse Max (James Caan) muss erst mit etwas Geschick überredet werden, aber dann finden sich beide plötzlich in dem  Zimmer direkt neben dem Tresorraum der Bank wieder und hecken folgenden Plan  aus: Da das Zimmer der Proberraum eines Theaters ist, soll Henry kurzerhand die männliche Hauptrolle des Stücks übernehmen und während den Proben, bohrt Max sich langsam Richtung Bank. Glücklicherweise beweist Henry Talent und probt bald tatsächlich mit seiner Schauspielkollegin Julie (Vera Farmiga) "The Cherry Orchard" von Chekhov. Es dauert nicht lange und aus den Beiden wird ein Liebespaar, Julie wird in den Plan eingeweiht und weitere Komplizen tauchen auf – der Tresorraum ist nun unmittelbarer in ihrer Nähe, genauso die Premiere des Stücks - doch Henry muss sich entscheiden: Geld oder Liebe.
 
Grundsätzlich ist die Idee des 0815- Typ, der zu unrecht eingesperrt wird und sein Leben umkrempeln möchte ja nicht schlecht. Leider entwickelt Regisseur Malcolm Venville in den ersten 30 Minuten des Films einen Charakter, der dermaßen langweilig und tölpelhaft durchs Leben geht, dass sämtliche Umorientierungen danach furchtbar unnachvollziehbar und fast schon fremdartig wirken. Der Loser und beispiellose Phlegmat, der bei dem Anblick seiner schwangeren Exfreundin nicht einmal mit den Schultern zuckt, sondern dem neuen Paar alles Gute wünscht, soll plötzlich aus heiterem Himmel beschließen eine Bank auszurauben? Schwer vorstellbar!

Neben dem unglaubwürdigen Hauptcharakter, tummeln sich noch dazu von Minute zu Minute eigenartige, an den Haaren herbeigezogene Zufälle. Nachdem Henry von Julie mit dem Auto fast angefahren wird, findet er sie in dem Theater probend wieder, in dem zufällig auch das Zimmer neben dem Banktresorraum angebracht ist. Zufällig (wenn auch mit Hilfe von Max) hat der Hauptdarsteller des Stücks mitten in den Proben ein Angebot einer anderen Aufführung und verlässt von einen Tag auf den anderen das Team von „The Cherry Orchard“. Zufällig gibt es auch keine Zweitbesetzungen, sondern Henry darf zufällig vorsprechen und zufällig hat dieser auch Talent... Die unrealistische Darstellung des Verbrecherneulings Henry und die auffällige Anzahl an auffällig eigenartigen Zufällen, machen aus der Diebesgeschichte eine ziemlich langweilige und unglaubwürdige Angelegenheit, die auch nicht durch Farmigas ausgezeichneter Darstellung einer neurotischen, hysterischen, zwiegespaltenen Schauspielpersönlichkeit gerettet werden kann. Caan, der eigentlich immer für solide Rollen bekannt ist, geht durch seine etwas dürftig angesetzten Versuche lustiger Dialoge in dem ganzen Film noch dazu etwas unter, was gerade angesichts Caan’s großartigem Talent äußerst schmerzhaft ist. Fast so schmerzhaft, wie die Tatsache, dass Reeves, der eigentlich von Anfang seiner Karriere an immer ein gutes Händchen für gute Stoffe hatte, nun anscheinend sein drittes Auge für Rollenauswahlen nach dem Desaster von The Day the Earth stood still verloren hat.

Zu guter Letzt verfehlt Henry’s Crime auch noch das Genre, das es sich laut Imdb.com gegeben hat: Statt eine Romantic- Comedy zu sein, ist es nichts Anderes als ein langweiliger Film über einen langweiligen Typen, der Wochen in einen Bankraub investiert, um sich dann in Sekunden für die Liebe zu entscheiden. Ähnlich übrigens die Regierarbeit: Zuerst wird fast 2h lang versucht aus einem langweiligen Goodguy einen risikoliebenden Dieb zu machen, nur um in den letzten 5min wieder den Loser rauszuholen, so oder so sinnlos!

Fazit:
Henry’s Crime hätte möglicherweise ein recht passabler Einbruchsfilm werden können, wenn die Geschichte rund um den Tunnelbau nicht dermaßen haarsträubend unreal aufgezogen gewesen wäre. Und Henry’s Crime hätte möglicherweise eine recht passable Romantic Comedy werden können, wenn irgendwelche lustigen, romantischen Szenen darin vorgekommen wären. In der Form, in der man Henry’s Crime jedoch abgedreht hat, bekommt der Zuschauer weder einen interessanten Film über einen ausgeklügelten Bankraub, noch einen herzerwärmenden Film über zwei, die sich finden. Nicht Fisch und nicht Fleisch und vor allem kein guter Film.

Wertung:
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