Conan (2011)

OT: Conan the Barbarian - 113 Minuten - Fantasy / Action / Abenteuer
Conan (2011)
Kinostart: 08.09.2011
DVD-Start: 20.01.2012 - Blu-ray-Start: 20.01.2012
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Filmkritik zu Conan

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Was ging doch für ein Raunen durch diverse Webforen, als bekannt wurde, dass ein Remake des Schwarzenegger-Klassikers Conan - Der Barbar gedreht werden soll. Als dann nach ausgiebigem Hin und Her endlich ein Regisseur gefunden wurde und klar wurde, dass dieser Regisseur Marcus Nispel heißen soll, der ja bereits für die Neugestaltungen von Freitag der 13. und Texas Chainsaw Massacre verantwortlich ist, wurde das Raunen lauter. Und als schließlich offiziell wurde, dass gerade der unbekannte Jason Momoa in die Fußstapfen des Vorzeige-Actionstars Arnold Schwarzenegger, der just mit der Conan Rolle seinen Durchbruch feierte, treten soll, ging der Web-Tumult erst richtig los. Sieht man nun den fertigen Film, so scheint die Aufregung doch etwas unangebracht - auch wenn Conan natürlich ein gutes Stück von einem “guten” Film entfernt ist.

Conan (als Kind: Leo Howard, später: Jason Momoa) ist ein Kind des Krieges: Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen, denn seine Mutter hat ihn kurz vor ihrem Tod direkt auf dem Schlachtfeld geboren. Sein Vater Corin (Ron Perlman) erzieht ihn in den folgenden Jahren zum perfekten Krieger, doch das Schicksal mischt sich in Conans Leben ein: Khalar Zym (Stephen Lang) will die Einzelstücke einer mysteriösen alten Maske wieder zusammensetzen um zu unvorstellbarer Macht zu gelangen - das letzte Stück soll sich im Besitz des Stamms von Conan befinden. Und Khalar Zym metzelt das ganze Dorf nieder um es zu finden - nur Conan kann fliehen und sinnt auf Rache...

Der Stoff ist rau, archaisch und auch mit einer gewissen Dosis Trash versehen. Also eigentlich genau so wie ihn John Milius im Jahr 1982 auf die Leinwand gebracht hat. Aber die Zeiten haben sich geändert und mit dieser Form der reinrassigen, dreckigen Unterhaltung scheint man nicht mehr genug Geld verdienen zu können. Da ist es geradezu überraschend, dass Marcus Nispel dennoch die richtigen Zutaten für das Conan Universum verwendet: Es gibt viel Blut, archaische Oneliner, eine klassische Sword & Sorcery Story, testosterongeladene Männer, die sich die Schädel einschlagen in den Hauptrollen und einige leicht bekleidete Frauen in Nebenrollen die für die nötige Kulisse sorgen. Aber leider hat es Nispel nicht wirklich geschafft diese Zutaten zufriedenstellend zu vermischen.

Immer wieder flirtet er mit einer Hochglanzoptik und nimmt augescheinliche Anleihen bei Peter Jacksons Herr der Ringe Trilogie - doch da tritt Nispel leider in ein Fettnäpfchen. Der Prolog wirkt wie ein billiges Rip-Off der meisterhaften Tolkien-Verfilmung und anstatt stimmungsvoller Landschaftspanoramen, die den Weg der Helden illustrieren, beschränkt sich Nispel auf ruppige Schnitte und kurze Texteinblendungen die dem Pulbikum mitteilen wo sich das Abenteuer gerade abspielt. Das wirklich schade daran ist: In den teilweise sehr schönen Establishment Shots erkennt man immer wieder, dass der Film durchaus das Potential hatte eine stimmungsvolle und atmosphärisch gelungene Fantasy-Geschichte zu erzählen, aber Nispel dieses Potential schlicht überhaupt nicht erkannt hat.

So ist Conan an manchen Stellen das filmische Pendant zu den in Computerspielen gerne eingesetzten “Schlauchleveln”, die dem Spieler genau den Weg vorgeben den er zu beschreiten hat. Das Problem dabei: Man erahnt ständig wie schön es wäre wenn man etwas mehr von dieser Welt sehen könnte, aber die engen Grenzen des Films wirken wie eine Zwangsjacke, die sich als richtig ärgerlich erweist. Das ist wirklich schade, denn man hätte durchaus viel aus der Welt Hyboria machen können - Mit viel Gedult lassen sich sogar in dieser Version der Geschichte einige nette Details entdecken, die aber eher wirken, als wären sie unfreiwillig hineingerutscht. Man hätte auch durchaus mehr Zeit verwenden können die Charakter und Schauplätze zu etablieren, dann hätte der Film auch nicht den Nachgeschmack eines Häppchens für Zwischendurch.

Gut, soviel zu den Gründen warum es Marcus Nispel wohl nie gelingen wird einen sehr guten Film abzuliefern (ihm fehlt schlicht das Gespür für den filmischen Raum). Aber Conan hat noch andere Probleme: Denn der Film schafft es auch nicht durchgehend als “Edeltrash” zu überzeugen. Nispel hat viel zu viel Energie darauf verschwendet alles möglichst “dreckig” wirken zu lassen - von den Figuren, über die Schauplätze, bis hin zu der Geschichte. Aber er hat dabei übersehen, dass sich der heruntergekommene Look mit der Hochglanzoptik der Bilder beisst. Auch hat man es mit der Brutalität etwas zu gut gemeint - die zahlreichen, völlig überzogenen Blutfontänen haben so teilweise eher unfreiwillig komischen Charakter als dass sie den Film bereichern würden.

Aber wie steht es nun eigentlich mit dem großen Prügelknaben der Fanboys - Jason Momoa? Achtung, Heiligenbeschmutzug: Er macht seine Sache gar nicht schlecht. Schwarzenegger Fans müssen nicht gleich mit der Faust gegen den Bildschirm donnern, keine Sorge: Er kommt natürlich in keiner Sekunde an den österreichischen Action-Star heran. Aber er spielt einen durchaus solider Conan, der über ein gewisses Charisma verfügt und auf sympathische Weise durch den Film trägt. Von der befürchteten Katastrophe ist seine Performance jedenfalls sehr weit entfernt. Die restlichen Darsteller können aber leider nicht besonders überzeugen: Ron Perlman hat leider nicht allzu viele Szenen und Stephen Lang darf nur wieder einmal den Klischeebösewicht von der Stange spielen.

Überraschenderweise sorgt Conan aber trotz seinen zahlreichen Fehlern für absolut solide Unterhaltung. Gut, es wird sicher viele Leute geben die gar nichts damit anfangen werden - aber wer sich auf einen archaischen, trashigen Sword & Sorcery Film einstellt und die Erinnerungen an das Original etwas aus dem Gedächtnis verdrängt, der bekommt einen durchaus unterhaltsamen Actionfilm für Zwischendurch geboten. Für absolute Conan-Fans wird das wahrscheinlich bei weitem nicht genug sein, aber wer lediglich auf der Suche nach anspruchsloser Zerstreuung ist und dem blutigen Actionkino nicht abgeneigt ist, der kann sich das Conan-Remake durchaus einmal ansehen - denn ein Debakel wie befürchtet ist es nicht unbedingt (aber das hängt natürlich sowohl von der Erwartungshaltung, als auch der Einstellung gegenüber dem Original und der literarischen Vorlage ab).

Fazit:
Zunächst das Positive: Marcus Nispels Conan Remake ist nicht das grandiose Debakel das viele befürchtet haben. Der Film ist kurzweilig, macht in begrenztem Rahmen Spaß und Hauptdarsteller Jason Momoa liefert eine überraschend sympathische Performance ab. Aber nun zum Negativen: Für einen wirklich guten Film ist dies zu wenig. Treue Anhänger des Originals und der Vorlage bekommen genügend Kritikpunkte um den Film in der Luft zu zerreissen, und auch alle anderen werden wohl nicht in Jubelstürme ausbrechen. Dies liegt vor allem am etwas halbgaren Mix zwischen dreckigem Innenleben und einer relativ leblosen Hochglanzoptik und ganz besonders am mangelden Verständnis des filmischen Raums seitens Regisseur Marcus Nispel. Auch die übertriebenen Blutfontänen wirken eher unfreiwillig komisch. Gegner von archaischen Sprüchen und einer testosteronhaltigen Inszenierung werden auch keine Freude mit dem Film haben, aber das sollte von vorne herein bekannt sein. Summa summarum ist Conan ein mittelmäßiger Film, der durchaus kurzweilig ist, aber natürlich ein gutes Stück von einem wirklich befriedigenden Filmerlebnis entfernt ist.

Wertung:
5/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 4.4/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 8
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