Super (2010)

OT: Super   - 96 Minuten - Action / Komödie
Super (2010)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Super

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Einsamkeit stumpft ab, Einsamkeit macht merkwürdig und eines Tages führt sie in den Wahnsinn. Menschen wie Frank D`Arbo (Rainn Wilson) mit klassischen Wertvorstellungen von Frau und Familie sind da besonders anfällig. Als ihn seine Frau und letzte Stabilitätsgarantie im Leben Sarah (Liv Tyler) für den charismatischen Gangsterboss Jacques (Kevin Bacon) verlässt, wird aus einem Mix von religiösem Wahn und Nervenzusammenbruch der Gerechtigkeitsfanatiker The Crimson Bolt geboren. Er entscheidet sich zu handeln, die Kriminalität zu bekämpfen und seine Frau wieder zurück zu gewinnen. Als ob es nicht Problem genug wäre, dass Frank die Einen nicht beschützen kann ohne die Anderen schwer zu verletzen, stellt ihn sein überambitionierter Sidekick Boltie (Ellen Page) vor ganz neue Herausforderungen sozialer Art.

Wer sich schon immer gefragt hat was zwischen den Bildern eines Superhelden-Comics passiert, dem erzählt SUPER - SHUT UP, CRIME! eine mögliche Geschichte, die sich zwischen  den Illustrationen des Phantastischen abspielen könnte. In der Überfülle all dieser moralisch einwandfreien und oberflächlich gezeichneten Figuren war es an der Zeit das Mythos des Superhelden unter dem Aspekt der menschlichen Natur zu beleuchten. Was dabei heraus kam, ist gleichermaßen genial wie auf eine sehr intelligente Art und Weise wahnsinnig unterhaltsam.

Die Independent Produktion sieht auf ganzer Ebene einfach aus. Manche Szenen sind fast schon dokumentarischen Alltagcharakters und darin liegt auch der Trick, der Geschichte eine ungewohnte Authentizität zu verleihen. SUPER vermeidet es den Zuseher an irgendeinen der Darsteller binden zu wollen. Manch einer mag argumentieren, dass der Film hierbei versagt hätte aber wer will ernsthaft behaupten es sei die Verpflichtung eines Filmes, die Verständlichkeit der Handlungen eines Protagonisten müsse auf emotionaler Bindung zwischen Figur und Zuseher basieren? Hier findet sich der narrative Geniestreich von Regie und Drehbuchautor James Gunn. Alles, aber wirklich alles an der Hauptfigur „Frank D`Arbo“ ist so schrecklich un-phantastisch. Franks Motivation ein Superheld zu werden, ist der Verlust seiner Frau an einen Gangsterboss, die Verzweiflung darüber, dass er so viel Liebe zu geben hat aber niemanden in seinem Leben hat, dem er diese geben könne, und zuletzt sein infantil anmutender Gottesfanatismus. Wie kann jemand, der sein Versagertum so offenherzig zelebriert und so schrecklich echt darin aussieht das Publikum für sich gewinnen? Mit Opfern hat man Mitleid aber kein Mitgefühl als ob uns diese Menschen etwas bedeuten würden.

Als Zuseher werden wir auf eine Distanz gebracht, die für manche das wahre Kino bedeutet. Die Komposition von Schauspiel, Kamera, Regie und Erzählweise muss und darf nicht immer kuschelweich sein, sie muss, nein sie soll auch unangenehm werden. Jene Schocks injizieren, die eine glatte Provokation sind – Aufforderung zur Teilnahme. Gunns plötzlich eintretende Genrebrüche und die Art wie er Gewalthandlungen ausstellt werfen Fragen auf, die thematisch mit diesem Film selbstredend in Kontext stehen aber weit darüber hinaus gehen. Je nach Kombination der Sachverhalte entstehen neue Lesarten an denen sich das Publikum totdiskutieren könnte. Ist es eine Parodie über religiösen Fanatismus, ist es ein Sozialdrama über Auswirkungen von Einsamkeit, ist es eine gesellschaftliche Studie, die nach Legitimation von Gewalt forscht?

Und dennoch will SUPER gar nicht angeberisch intelligent sein oder altklug wirken, aber geistreiche Reizimpulse sind überall im Film verstreut. Wer sie entdeckt, wird von der Magie dieses simpel gemachten Werks begeistert sein. Findet sich an einer Stelle eine Ungereimtheit, ergibt sie mit einer anderen Sichtweise durchaus Sinn. Eigentlich fragt sich was man an diesem Film schlecht finden könnte. Dass die Machart nicht jedem gefallen wird ist das Eine aber das Potential und die Ambivalenz in diesem Werk nicht zu erkennen - unvorstellbar.

Fazit:
Dieser Film verdient sich die volle Punktezahl allein deswegen weil er aufzeigt, dass es nicht viel braucht um großartiges Kino zu machen, sondern nur eine Vision und die Fähigkeit diese Umzusetzen. Aufgrund des eingeschränkt geführten Marketings, des kleinen Budgets und seiner überwältigender Originalität gehört SUPER zu den meist unterschätzten Filmen der letzten 20 Jahre. Trotzdem stellt sich die Frage: Hätte SUPER immer noch so eine sympathisch makabre und herzergreifende Art wenn Libby/Boltie von einer anderen Dame als Ellen Page gespielt worden wäre? Mitnichten! Sie ist die heimliche Hauptdarstellerin und alles was richtig gemacht wurde, bekam durch ihre quirlige und allem voran authentische Präsenz einen um so lebhafteren Anstrich. Man kann nicht anders als sich in sie zu verlieben. Aber genau diese individuelle Dominanz bedeutet für einen Film zugleich seine Abhängigkeit und Schwäche. Deswegen – unter Anführungszeichen – nur 9 von 10. Doch was spielt das schon für eine Rolle?

Wertung:
9/10 Punkte

Basagic Igor
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.4/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 7
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