Meek's Cutoff (2010)

OT: Meeks Cutoff - 104 Minuten - Western
Meek
Kinostart: 06.01.2012
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
Will ich sehen
Liste
10943
Bewerten:

Filmkritik zu Meek's Cutoff

Von am
Kelly Reichardt’s in Venedig gezeigter “Western” Meek’s Cutoff ist ein ganz eigenartiger Genrevertreter, der schwer im Genre zu verankern ist. Der Film ist weit vom klassischen amerikanischen Western, mit all seinen Mustern entfernt, es handelt sich aber auch nicht um eine Dekonstruktion des Genres. Stattdessen wird der selbstreferenzielle Aspekt des Genres gänzlich fallengelassen - Kelly Reichardt wählt einen völlig anderen Weg und zeigt den Alltag der Siedler so, wie es wohl wirklich geschehen ist. Dies bewirkt auf der einen Seite eine sehr akurate und imponierende Darstellung, ist aber andererseits an manchen Stellen langatmig und durchaus anstrengend.

Eine Gruppe Siedler unter der Führung des erfahrenen Stephen Meek (Bruce Greenwood) reist durch die USA. In der Gewissheit einer Abkürzung zu folgen, verlassen sie den bekannten Weg und verirren sich in der Einöde. Die Panik steigt als Emily (Michelle Williams) einen Indianer sieht, der ihnen scheinbar auf den Fersen ist. Doch es dauert nicht lange, bis es Meek und Emilys Ehemann (Will Patton) gelingt den Indianer gefangen zu nehmen. Sie wollen, dass er ihnen den Weg zeigt, doch unter der Führung des Indianers entstehen neue Bedenken: Was ist, wenn er sie nur in eine Falle lockt?

Man kennt sie ja alle, die zahlreiche Western-Klischees: Imposante Landschaften, am besten dargestellt im Breibildformat, dazu harte Kerle, die nur wenige, knochentrockene Oneliner über die Lippen bekommen, aber dafür mit ihren Taten überzeugen. Frauen dienen nur als Mittel zum Zweck und bekommen kaum eine wirklich wichtige Rolle. In Meek’s Cutoff hingegen ist alles anders: Reichardt drehte ihren Film im 1.33:1 bzw. 4:3 Format, was die Breite des Bildes naturgemäß deutlich reduziert. Gerade im Kontrast zu anderen Filmen des Genres fühlt man sich auf Grund der engen Grenzen des Bildes fast orientierungslos und es wird bereits rein visuell klar gemacht, dass sich hier alles um die Figuren und nichts um Schauwerte dreht.

Auch inhaltlich orientiert man sich nicht wirklich an den großen Namen des Genres. Meek’s Cutoff wird gekennzeichnet von vielen kleinen Alltagsbeobachtungen. Gesprochen wird wenig und auch die männliche Dominanz von anderen Genrevertretern sucht man vergebens. Natürlich wird, um der Epoche zu entsprechen, die Führungsrolle der Grupe an einen Mann vergebeben, aber dabei handelt es sich keinesfalls um die klassische Heldenrolle, wie in den meisten Filmen. Stattdessen besteht die Gruppe aus Frauen und Männern, die nichts heldenhaftes an sich haben, sondern einfach nur ihre Aufgaben innerhalb der kleinen Gemeinschaft erfüllen.

Auch das “große Abenteuer” des Films ist eigentlich kein Abenteuer, sondern nur der Versuch das eigene Leben zu schützen. Die Durchquerung der Wüste hat nichts filmisches an sich, stattdessen ist es die nackte Reduktion auf die Alltäglichkeiten: Harte Arbeit, viel Staub und wenig Überblick. Als der Indianer in der Gruppe auftaucht bringt dies nicht nur die Gruppe durcheinander, sondern auch als Zuseher kann man gespannt sein ob hier verborgene Absichten im Dunkeln lauern. Reichardt schildert dies alles rau und beinhart, sodass man als Zuseher die Härte des Siedlerlebens am eigenen Leibe spürt.

Aber dieser radikale Ansatz führt auch dazu, dass die Alltäglichkeiten und die präzisen Schilderungen auch schon einmal für so manche Redundanzen sorgen und der Film an manchen Stellen etwas langatmig geworden ist und es auch stellenweise etwas anstrengend ist der sehr reduzierten Dramatik des Films zu folgen. Speziell Westernfans könnten große Probleme haben sich auf den völlig eigenwilligen Ansatz von Meek’s Cutoff einzulassen. Wer dies aber schafft wird mit toll agierenden Darstellern und einer ganz besonderen Atmosphäre entlohnt, dank der die enorme Reduktion des Geschehens seine ganz eigene Art von Spannung erzeugt.

Fazit:
Meek’s Cutoff ist ein ganz spezieller Western, der sich völlig von den meisten Genrevertretern unterscheidet. Kelly Reichardt lässt die Filmgeschichte hinter sich und lotet stattdessen die amerikanische Geschichte aus. Ihre realistischer und dramatisch reduzierter Ansatz sorgt für eine ganz eigenwillige Atmosphäre. Auch visuell beschreitet sie neue Wege und presst die weiten Landschaften in äußerst enge Kader, die das Geschehen weg von der Optik und hin zu den Figuren verlagert. Dieser Ansatz sorgt aber auch an manchen Stellen für Redundanzen und in Folge eine gewisse Langatmigkeit. Wer sich aber darauf einlassen kann, wird mit einem durchaus imponierendem Drama belohnt.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7.2/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 5
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
60%
7 /10
20%
6 /10
0%
5 /10
20%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Das finstere Tal (2013)
Zwei glorreiche Halunken (1966)
12 Uhr mittags (High Noon) (1952)
The Homesman (2014)
Der mit dem Wolf tanzt (1990)
The Revenant - Der Rückkehrer (2015)
A Million Ways to Die in the West (2014)
The Hateful 8 (2015)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen