Hobo With a Shotgun (2011)

OT: Hobo With a Shotgun   - 86 Minuten - Action / SciFi / Thriller
Hobo With a Shotgun (2011)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 05.10.2012 - Blu-ray-Start: 05.10.2012
Will ich sehen
Liste
10933
Bewerten:

Filmkritik zu Hobo With a Shotgun

Von am
Mit dem Tarantino/Rodriguez Grindehouse-Doublefeature 2007 erschienen unter anderem fünf  Fake-Trailer von denen es zwei zu einem Film geschafft haben. Während Machete schon im Trailer recht professionell daher kam und mit Danny Trejo und Cheech Marin aufwarten konnte, ist die Bildästhetik des Hobo with a Shotgun Fake Trailers in der blassen Farbe eines Hobbyfilmers gehalten. Es war die Idee dieses Trailers, welcher als Sieger aus einem von Robert Rodriguez ausgeschriebenen Wettbewerb hervorging, die zu  einem Film werden sollte. Ein Glück für die B-Movie Fans.

Der namenlose Protagonist (Rutger Hauer), ein umherziehender Obdachloser (auf Englisch „Hobo“ genannt), wird nach einem ruhig sanftem Intro gleich bei seiner Ankunft in die brutalen Gepflogenheiten Hopetowns eingeweiht. Er wird Zeuge eines Exekutionsrituals bei dem der Obergangster und Herrscher über die Stadt Hopetown, Drake (Brian Downey), seinen Bruder von seinen zwei Söhnen Slick (Gregory Smith) und Ivan (Nick Bateman) barbarisch ermorden lässt. Ein vorzeitiger Höhepunkt in der sich die Gewaltorgie neu kumuliert, lässt einen kurzen Moment Zeit um die Ruchlosigkeit der Stadtbevölkerung zu illustrieren. Die Hoffnung in „Hopetown“ ist nur als Zynismus zu verstehen. Es verwundert sehr, dass es überhaupt noch so etwas wie eine funktionierende Infrastruktur gibt. Hobo with a Shotgun, geht nicht im geringsten darauf ein wie groß das Ausmaß der Gewalt ist, er zeigt nur, dass es keinen Ort gibt an dem Gewalt nicht stattfindet.

Bei seinem ziellosen Streifzug durch die Nacht begegnet der Hobo wieder einmal Drakes Söhnen und schreitet zum ersten mal ein als Slick der Prostituierten Abby (Molly Dunsworth) verdeutlicht, dass sie die Nacht nicht überleben wird. Der Hobo schlägt Slick bewusstlos und bringt ihn zur Polizeistation, wo es nicht lange dauert bis er mit Korruption und Abtrünnigkeit der Exekutive schmerzhaft vertraut gemacht wird. Misshandelt und in den Müllcontainer geworfen, hilft ihm Abby aus der misslichen Lage und lässt ihn bei sich übernachten. Zwischen den zwei gesellschaftlichen Außenseitern entwickelt sich ein Vater-Tochter Verhältnis.

Um seinem Wunschtraum eines eigenen Dienstleistungsgeschäfts etwas näher zu kommen lässt sich der Hobo auf einen letzten Tiefpunkt ein bevor ihm die Sicherungen durchbrennen. Weil Hopetown voll von Obdachlosen ist und die Wahrscheinlichkeit höher ist als Penner umgebracht zu werden als sich etwas Geld zu erbetteln, lässt er sich auf einen Kerl ein der ihm Geld anbietet sich vor laufender Kamera misshandeln zu lassen.

Ein letzter Hoffnungsschimmer ist in seinen Augen zu erkennen bevor drei Räuber den Laden stürmen und den obdachlosen Protagonisten zu einem radikalen Sinneswandel bewegen. Eine Schrotflinte erblickend, um den gleichen Preis erhältlich wie der Rasenmäher den er zu kaufen beabsichtigt, greift er zur Schrotflinte: die Jagd beginnt. Selbstverständlich zahlt er für die Waffe.

Was dann folgt ist ein Zirkus des bestialischen. Ist man für Gewaltdarstellungen der expliziten Art empfindlich wird man bei Hobo with a Shotgun einige Zeit damit verbringen wegzusehen. Von Realitätsbestrebungen kann kaum die Rede sein wenn man sieht wie plastisch der Gewaltakt ausgestellt wird. Köpfe zerplatzen, infantiles Spielen mit Innereien, Hautfetzen die lose rumhängen, Kinder die im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Flammenwerfer gegrillt werden. Letzteres ist auch für Trashproduktionen nicht üblich. Hobo with a Shotgun inszeniert Gewalt nicht kreativ in der Tötungsweise aber es wird auch kein Hehl drum gemacht, dass man aus dem Tötungsakt Kunst machen wolle, was in Kombination mit Technikcolor und Rutger Hauers grandiosem Spiel zu einer unheimlichen Ernsthaftigkeit führt

Interessant ist, dass sich der Obdachlose nicht persönlich gegen Drake richtet ehe dieser Abby entführen lässt. Bis dahin ist es ein auf seine kriminelle Umwelt reagierender Streuner, eine Schrotflinte und der Weg der Gerechtigkeit: ein Amoklauf wie man ihn kaum besser in Szene setzen könnte. Keine Rache-Story.

In Zeiten realistisch inszenierter Superhelden, die so erhaben sind, dass ihnen fast unmöglich der Fehler unterläuft Bösewichte bewusst zu töten, sondern gegebenenfalls aus Notwehr versäumt wird den Gegenspieler der Exekutive zu übergeben, ist die Figur des Hobo ein echter Glücksfall. Nicht nur in seiner eigenen Umgebung wenig willkommen, kann er sich nirgendwo so recht einordnen. Der Hobo mit der Schrotflinte hat keinen Platz in dieser Welt und doch ist seine Heimat überall. Er beschützt die Straßen weil die Straßen seine Heimat sind und nicht etwa ein riesiges Anwesen auf dem Land oder ein gewöhnliches Apartment. Es geht nicht um Entscheidungen, sondern um Reflexe. Hopetown könnte einem Unbesiegbaren wie Superman erst gar nicht zugemutet werden. Genau das macht den Hobo zu einem „besseren“ Helden. Seine Welt ist nicht auf ihn abgestimmt.
 
Ihm ist es nicht erlaubt glanzvoll zu sein, weil er seinen all zu menschlichen und all zu amerikanischen Konservativismus brutal durchsetzt.  Kein Mythos, keine Geheimnisse, nur noch Wahnsinn; entstanden aus dem Willen nach Frieden und Leben.  

Fazit:
Hobos moralische Rede bettet sich perfekt in Überspitzungen und verkommt neben karikaturhaften Bösewichten und einem bedrohlich ernsthaftem Rutger Hauer keineswegs zu einem Witz, wie vielleicht zu vermuten wäre. Sein beeindruckendes Spiel steht dem zirkushaften Gewaltorchester kontrastreich entgegen als die Stimme der Düsterkeit. Anfangs verstört das Paradoxon des bunt-düsteren. Besonders die fehlende Ironie lässt Zweifel am Vorhaben aufkommen; die jedoch sollten spätestens in der Ladenszene aus der Welt geschaffen sein, in der sich der Streuner für eine Schrotflinte anstatt dem Rasenmäher entscheidet. Hobo with a Shotgun ist defintiv eine kleine Erfahrung die man – ob nun B Movie Fan oder nicht - gemacht haben muss.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 1
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
100%
7 /10
0%
6 /10
0%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
Keine Empfehlungen gefunden!
Der Film ist in diesen Listen
Keine Listen gefunden!