Captain America: The First Avenger (2011)

OT: Captain America: The First Avenger - xx Minuten - Action / Abenteuer / SciFi
Captain America: The First Avenger (2011)
Kinostart: 19.08.2011
DVD-Start: 24.10.2013 - Blu-ray-Start: 24.10.2013
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Filmkritik zu Captain America: The First Avenger

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Comics, Comics, Comics - an allen Ecken und Enden kommen sie uns entgegen. Man darf mit Fug und Recht behaupte, dass Hollywood scheinbar einen Narren an den bunten Heftchen gefressen hat, die oftmals mehr Tiefgang enthalten als man ihnen zutrauen würde. Der us-amerikanische Comicgigant Marvel hat mittlerweile versucht die Mittelmänner zu eliminieren und seinen eigenen Filmzweig gegründet - immerhin schaffen es heutzutage nicht nur Genregrößen wie Spider-Man zu glorreichen Höhen, sondern auch vermeintliche Außenseiter wie Iron Man spielen Unsummen ein. Doch Marvel hat bereits das nächste Ziel vor Augen: Das gigantische Superhelden-All-Star-Team The Avengers muss in Stellung gebracht werden und nachdem Thor bereits etabliert wurde ist nun Captain America an der Reihe - eines sei schon verraten: Qualitativ zieht er deutlich den Kürzeren.

Die Welt während des zweiten Weltkriegs: Die Alliierten brauchen jeden Mann um sich gegen Adolf Hitler und seine Nazi-Schergen durchzusetzen. Für den schmächtigen Steve Rogers (Chris Evans) hat man aber keine wirkliche Verwendung. Lediglich Wissenschaftler Abraham Erskine (Stanley Tucci) sieht in ihm einen möglichen Kandidaten für sein streng geheimes Experiment. Gemeinsam mit Hilfe des reichen Technologieexperten Howard Stark (Dominic Cooper) will man Rogers in einen überlegenen Supersoldaten verwandeln, der nicht nur große Muskeln, sondern auch einen reinen Charakter aufweist. Das Experiment gelingt, doch anstatt “Captain America” im Kampf einzusetzen wird er lediglich in die Propagandamaschinerie der Armee eingespannt. Doch das reicht ihm natürlich nicht: Er will nach Europa um den durchgeknallten Nazi Johann Schmidt (Hugo Weaving) in seine Schranken zu weisen, der drauf und dran ist die Welt im Chaos versinken zu lassen...

Es ist schon irgendwie ein starkes Stück, das Marvel hier durchzieht: In Zeiten der immer größer werdenden Skepsis gegen die USA, mit immer mehr, immer schwerer zu rechtfertigenden Kriegen, kramt die Comic- und Filmschmiede nun ihren wohl ambivalentesten Helden aus der Trickkiste. Ganz recht, mit Captain America erreicht der Hurra-Patriotsmus ein neues Niveau und wer schon bei effektvoll wehenden Fahnen in den diversen Michael Bay Filmen Wutanfälle bekommt, der möge sich doch selbst einen Gefallen tun und den großen “Mr. Home of the Brave” gleich von der Liste der Überlegungen bezüglich des nächsten Filmabends streichen.

Marvel macht es sich auch vergleichsweise einfach mit ihrem strahlenden Helden. Captain America darf brav zu Zeiten des zweiten Weltkrieges operieren, wo man die Kriegshandlungen wohl noch am ehesten als ehrenhaft und rechtens verkaufen kann, und dort seine wunderbare Propagandashow abziehen. Leider gibt es aber auch noch das Problem, dass man den Superhelden irgendwie auch noch in die Gegenwart bringen muss - denn wie der Originaltitel verrät ist Captain America schließlich “The First Avenger”. Und ja: Marvel hat sich eine Möglichkeit überlegt dieses Problem zu lösen - ein Ansatz der einen Augenblick lang durchaus überraschend ist, aber leider letzten Endes genauso billig und müde ist wie der restliche Film.

Leider fehlt es Captain America an allem was einen guten Film ausmacht: Wo sind die großen Emotionen? Zwar wird uns eine halbgare Love-Story vorgesetzt, aber diese ist leider nicht nur uninteressant, sondern auch platt und austauschbar. Dann versucht man durch das Einführen eines Teams für Captain America eine gewisse Gruppendynamik zu erzeugen: Man soll etwas menschliche Nähe spüren und ein bisschen Buddy-Flair erahnen können - doch Fehlanzeige. Die Charaktere werde kaum richtig etabliert und bleiben im Prinzip nur etwas bessere Statisten, die im Schatten des großen US-Idols ein bisschen herumturnen dürfen. Selbst der Oberbösewicht des Films gibt nicht allzu viel her - Hugo Weaving versucht zwar durchaus etwas aus der Rolle zu machen, scheitert aber an dessen platten und schlicht langweiligen Charakterzeichnung.

Das größte Problem ist aber die Hauptfigur selbst: Chris Evans ist zwar durchaus charismatisch, aber das wars dann auch schon. Gut, es ist nun nicht gerade so, dass diese Figur einen sonderlich talentierten Schauspieler verlangen würde, aber wenn das Skript schon eher mau ist, dann würde man sich doch zumindest wünschen, dass es die Hauptfigur schafft das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Doch dazu ist Captain America schlicht zu glatt und wirkt zu aufgesetzt. Er wirkt stets wie die perfekte, leicht zu kontrollierende (und instrumentalisiernede) “Superwaffe” als die er auch gedacht war - den Menschen darunter und seine Sorgen und Sehnsüchte erahnen wir nur in einigen platten Sequenzen, die es auch nicht wirklich schaffen auch nur einen Funken Gefühl in den höchst oberflächlichen Blockbuster zu zaubern.

Und leider findet sich zwischen den Schichten aus “Stars and Stripes Forever” und etwas simpler Unterhaltung auf oberflächlichstem Niveau nichts, weswegen man den Film wirklich empfehlen könnte. Gut, Joe Johnston ist nicht unbedingt ein begnadeter Regisseur, aber es hätte diesem Film durchaus gut getan, wenn man ihn etwas ironisch gebrochen hätte (wie es Kenneth Branagh ganz richtig mit Thor gemacht hat). Zwar scheinen immer wieder einige wenige Szenen durch, in denen man das Marvel-typische Augenzwinkern erkennt, mit dem sie erkennen lassen, dass sie sich des komödiantischen Potentials des Films durchaus bewusst sind - aber im Gegensatz zu den anderen Marvel-Verfilmungen kommen eben jene ironischen Seitenhiebe leider etwas zu kurz - und das gerade bei jener Comic-Figur die man eigentlich überhaupt nur als wandelnden ironischen Seitenhieb interpretieren kann.

Fazit:
Captain America ist eine maue Comic-Verfilmung, die auch Fans des Genres gerne auslassen können. Zwar wird routinierte, kurzweilige Unterhaltung geboten, aber alles leider nur auf Sparflamme. Marvel bringt ihren “First Avenger” für den kommenden Comic-All-Star-Clash The Avengers nur mit nötigstem Einsatz in Stellung. Es fehlt an einer guten Geschichte, an Emotionen, an packenden Szenen und einfach an allem was einen besonderen Film ausmacht. Am schlimmsten ist jedoch: Obwohl Marvel eigentlich dafür bekannt ist ihre Heldengeschichten ironisch zu brechen und auch den Humorfaktor nicht zu kurz kommen zu lassen, hält man sich gerade bei der menschlichen US-Flagge Captain America etwas zurück. Dies mag daran liegen, dass es Regisseur Joe Johnston an Talent fehlt, aber wie auch immer: Wer sich nicht gerade täglich in das “Star-Spangled Banner” einwickelt, kann sich die wandelnde US-Propganda Captain America gerne sparen.

Wertung:
4/10 Punkte
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Ø Wertung: 5.8/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 45
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Liste von Missdavies
Erstellt: 18.10.2015