Der Biber (2011)

OT: The Beaver - 91 Minuten - Drama / Komödie
Der Biber (2011)
Kinostart: 01.07.2011
DVD-Start: 06.10.2011 - Blu-ray-Start: 06.10.2011
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Filmkritik zu Der Biber

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Nach Philip Seymour Hoffman (Jack in Love) und Tom Hanks (Larry Crowne) kommt nun ein dritter Film, bei welchem ein Hollywood-Star Regie führt, den wir in erster Linie vor der Kamera kennen. Jodie Foster inszeniert eine Tragik- (Komödie?) rund um Geschäftsmann Walter Black, der mit der recht unkoventionellen Hilfe einer Handpuppe wieder zurück ins Leben findet. Mit Das Wunderkind Tate hat Foster ja schon bewiesen, dass sie eigentlich recht passabel Regie führen kann. Allerdings nur eigentlich...

Walter Black (Mel Gibson) ist schwer depressiv. Von Selbstmitleid geplagt, vernachlässigt er seine Frau und vor allem seine Kinder (Anton Yelchin und Riley Thomas Stewart). Seine Tage bestehen aus: Schlafen, saufen, noch mehr schlafen und noch mehr saufen. Gefangen in seinem psychischen Unglück und rausgeworfen aus dem eigenen Haus, beschließt er diesem Elend ein Ende zu setzen und sich umzubringen. Zum Glück versucht er dies mitten im Alkohol-Delirium, weswegen Mission ‚Selbstmord‘ scheitert, er am nächsten Morgen stark verkatert aufwacht und die Hand- Biberpuppe, die er sich übergezogen hat, beginnt mit ihm zu sprechen. Genauer: Die Depression lähmte zwar Walter, durch die Puppe kann er jedoch wieder sprechen – nur eben als Biber! Und das rettet sein Familienleben, sein Geschäft und auch im Bett klappts erfreulicherweise wieder (allerding nur mit übergezogener Biberpuppe!) Nach dem kurzen aber intensiven Hoch folgt jedoch – wie immer – der Absturz und Walter begreift, dass er sich dem Puppenfreund entledigen muss, um wirklich gesund zu werden...

Grundsätzlich handelt Der Biber von einem äußerst aktuellen und relevanten Problem der heutigen Gesellschaft: Depression und der eigene, scheinbar aussichtslose Kampf dagegen. Studien aus dem Jahr 2011 schätzen, dass unter allen Österreichern mindestens 5% unter Psychosen und schweren Trauer-und Erschöpfungszuständen leiden, was nicht nur sie selbst, sondern vor allem ihr Umfeld und ihre Familien in den Wahnsinn treiben kann. Ehen gehen deswegen kaputt, Kinder werden deswegen vernachlässigt und die Pharmaindustrie produziert mehr Psychopharmaka als je zuvor. Zusätzlich handelt Der Biber von jüngeren Problemen: Liebeskummer, verdrängte Traumata, der Kampf mit dem eigenen Ich während des Erwachsenwerdens und die Entfremdung zu den eigenen Eltern.

Grundsätzlich handelt Der Biber also von wichtigen, aktuellen, starken Themen. ‚Grundsätzlich‘ reicht uns hier aber nicht. Jodie Foster, die selbst die Rolle von Black’s Frau übernimmt, kann sich nicht wirklich entscheiden, ob dessen Geschichte mehr Drama oder doch mehr Komödie sein soll. Wenn ein Mann Ende 50 permanent mit einer Handpuppe durch die Gegend läuft und mit dieser bzw. durch diese spricht, kann das möglicherweise lächerlich wirken und das tut es leider auch. Schnell ist man verwirrt: Soll man nun schmunzeln, oder eher Mitgefühl zeigen? Kann man darüber lachen, oder weckt es in einem selbst gewisse Ängste?

Die fehlende Entscheidungsfreudigkeit der Regie wirkt sich dementsprechend  auch auf die doch recht solide Besetzung aus: Mel Gibson ist weder klar der arme Patient, der sich selbst auf eigenartige Weise hilft, noch klar der Verrückte, der sich unentwegt lächerlich macht. Auch die Sidestory der Kinder, allen voran des Sohnes Porter (Anton Yelchin ) und seinem Schwarm Norah (Jennifer Lawrence) kann nicht wirklich fesseln und lenkt einen fast schon irritierend von Mel Gibsons Performance ab. Wo kommt der Hass auf den eigenen Vater her? Was macht beide Teenager auf unterschiedliche Art so verzweifelt? Was genau verbindet die Beiden, dass sie sich derart zueinander hingezogen fühlen? Foster beantwortet keine dieser Fragen wirklich, möglicherweise weil der Fokus immer noch auf Mel Gibson bleiben soll, der sich krampfhaft bemüht seinen kaputten Hollywood- Ruf und das total versaute Image aufzubessern.

 

Leider schafft es weder die Geschichte, noch deren Umsetzung den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen und  ihm die Möglichkeit zu geben, wirklich mitzufühlen, was speziell in Anbetracht der guten Ausgangsposition doch recht enttäuschend ist.

Fazit:
Der Biber kann weder die ganze Tragik einer depressiven Persönlichkeit überzeugend auf den Zuschauer übertragen, noch die skurrilen komischen Momente nachvollziehbar miteinfließen lassen. Weder die humorvollen, noch die tief traurigen Momente ermöglichen einem  emotional anzudocken und man sitzt am Ende verwirrt und leicht überfordert im Kinosessel. Sollte Jodie Foster wirklich nicht gewusst haben, was sie uns mit dem Film sagen wollte und wo sie damit hin wollte – nach Sichtung von Der Biber können wir ihr das leider auch nicht erklären. Chancen waren genug da, genutzt wurden diese zu 50% nicht. Deswegen auch leider nur 50% an Punkten von uns!

Wertung:
5/10 Punkte

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Ø Wertung: 5.6/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 7
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