Warrior (2011)

OT: Warrior - 140 Minuten - Action / Drama
Warrior (2011)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: 24.02.2012 - Blu-ray-Start: 24.02.2012
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Filmkritik zu Warrior

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Egal ob Rocky, The Wrestler, The Fighter, Million Dollar Baby – Filme die innerhalb des Sport Genres im Ring anzutreffen sind, haben nicht zuletzt bewiesen dass Ringkämpfe mehr als ein sinnloses oder gar hohles aufeinander eindreschen sind. Der scheinbar brutale Sport wird, im Blick über den Tellerrand für die (Wieder)erlangung des Selbstrespekts oder der sozialen Situation instrumentalisiert. Oft wird dabei auf das weniger aufregende Zero-to-Hero Schema zurückgegriffen, wo der Ausgang bereits von Anfang an klar ist. Nicht so bei Warrior. Hier kämpft sich zwar auch ein Ex-Mixed-Martial-Arts Kämpfer zurück, sein Aufstieg steht jedoch nicht im (alleinigen) Vordergrund: Sein Bruder hat nämlich genau dasselbe vor und schon bald stellt sich heraus, dass ihr Wettkampf über einen Aufstieg zu Ruhm und Glanz hinausgeht. Der Regisseur Gavin O’Connor schafft es, mit seinen zwei Protagonisten aus dem eindimensionalen dramaturgischen Strudel auszubrechen. Er legt es, wie die besseren Genrevertreter, weniger darauf an, wer gewinnt oder verliert sondern wer am Ende des Kampfes aufrecht steht und das unabhängig von Sieg oder Niederlage.

Der Ex-Marine Tom Conlon (Tom Hardy), ein ruhiger und hadernder Deserteur, kehrt nach 14 Jahren in seine Heimatstadt Pittsburgh zurück. Seine Mutter starb, als er in der Armee war, deshalb macht er seinen Vater Paddy (Nick Nolte) für ihren Tod verantwortlich. Denn dieser war starker Alkoholiker und hatte mit seiner Sucht auch seine Söhne aus dem Haus getrieben. Trotz der schrecklichen familiären Vergangenheit hat Tom bloß einen Wunsch: Er will, dass sein Vater ihm hilft Mixed Martial Arts zu trainieren um sich für ein Turnier vorzubereiten. Mit dem Preisgeld will er die Familie seines Gefallenen Kameraden unterstützen. Vor seiner Trunksucht hatte Paddy sich als Ausbilder für diesen Kampf-Zweig verdient und sowohl Tom als auch seinen älteren Bruder Brendan kurzzeitig trainiert. In der Hoffnung auf Vergebung stimmt sein Vater zu ihn zu trainieren. Brendan Conlon (Joel Edgerton) hat sich in der Zwischenzeit schon lange von seinem Vater und seinem Bruder abgewandt und seine Jugendliebe Tess (Jennifer Morrison) geheiratet. Er lebt mit ihr und seinen zwei Töchtern in Philadelphia, wo er als Physiklehrer arbeitet. Doch die junge Familie hat ihre Geldsorgen und deshalb fängt Brendan wieder mit dem MMA-Kampftraining an, um sich in kleinen Kämpfen dadurch etwas mehr Geld zu verdienen. Im Rahmen eines 5 Millionen Dollar Turniers kommt es schließlich zum allesentscheidenden finalen Kampf zwischen den beiden. Für beide Brüder würde ein Sieg das Ende ihrer Sorgen bedeuten. Im Ring stellen sie sich schließlich ihrer Vergangenheit...

Warrior ist durch und durch ein amerikanischer Film. Die Zeichnung der amerikanischen Gesellschaft, ihrer Befindlichkeit, ihrer ausgeprägten familiären Werte, des Krieges & des Showbusiness werden von Gavin O’Connor stolz, ganz ohne Selbstbeweihräucherung inszeniert. Eingebettet im einem Mixed Martial Arts (MMA) Setting wird die Familiengeschichte der Conlons erzählt. Ähnlich wie bei dem oscarprämierten  The Fighter stehen bei Warrior die familiären Verhältnisse außerhalb des Rings im Vordergrund. Dass bei Filmen dieses Genres nichts Neues an den Tag gelegt wird, dürfte den Erwartungen gerecht werden. Die Geschichte von Boxern, die sich bis nach ganz oben kämpfen wurde schon oft erzählt. Wenn der Protagonist in den Ring steigt scheint die Dramaturgie ihr Handtuch zu werfen und Überraschungen bleiben am Boden liegen. So auch bei Warrior, der in seinem Sport-Genre relativ vorhersehbar ist. Gelungene Boxfilme zeichnen sich also vor allem dadurch aus, wie die Kämpfe innerhalb und außerhalb des Ringes ineinandergreifen und ein kohärentes Ganzes ergeben.

Die darstellerische Leistung ist durch die Bank ausgezeichnet. Joel Edgerton portraitiert den sympathischen Familienvater in einem geregelten Leben. Trotz seiner Bemühungen kommt er nicht über die Runden und hat keine andere Wahl in den Ring zu steigen, sonst würde er alles verlieren. Ganz im Kontrast zu seinem Bruder, der als Deserteur nichts mehr zu verlieren hat. Dennoch bringt ihn dasselbe Motiv, die Familie (eines gefallenen Kameraden) zu ernähren, in den Ring. Warrior scheint auch eine demonstrative Zurschaustellung von Tom Hardys Physis zu sein. Der talentierte Brite weiß aber nicht nur mit seinem Körper, sondern auch mit seinem Spiel zu überzeugen. Von Schuldgefühlen in den Ring getrieben, balanciert er stets zwischen einer kindlich sturen Ignoranz und durch die zerrütteten familiären Verhältnisse, empathischen Unfähigkeit. Beide Brüder sind ungleiche Sympathieträger, zumal der Mangel an Selbstkontrolle von Hardys Charakter Tom das Ergebnis der Trinkerei seines Vaters ist. Der mittlerweile in die Jahre gekommene Nick Nolte kommt mit seinem markanten, verlebten Gesicht in der Rolle des, mit der Vergangenheit ringenden, Vaters leider viel zu kurz. Besonders der Konflikt mit seinem jüngeren Sohn Tom, würde reichlich Stoff für eine Aufarbeitung bieten.

Neben den Sympathien, wird das Erzähltempo in Warrior zweigeteilt. Zu Beginn erzählt der Regisseur sehr gemächlich, um den Charakteren ihre nötige Tiefe zu geben. Das die erste Hälfte des Films nicht langwierig erscheint liegt daran, dass er den Zuschauer selbst verdichten lässt und ihm nicht alles vor die Augen wirft. Gerade der anfängliche Vater-Sohn Konflikt lebt durch die unausgesprochenen und entfernten Vermutungen. In der zweiten Hälfte findet das Turnier mit dem unvermeidlich voraussehbaren Showdown statt. Eingeläutet werden die Kämpfe von einem leicht befremdlich fragmentierten Split Screen, der beide Brüder beim Training für den Wettkampf zeigt. Die Kämpfe laufen schnell ab, man merkt, dass sie lediglich die Handlung vorantreiben sollen. Anders wie bei The Fighter sind die Kämpfe durchgehend packend und treffend inszeniert. Auf schnelle Schnitte wird weitestgehend verzichtet, dadurch sieht man die Schläge auch landen. Die Kamera ist oft so nah am Geschehen, dass sich die eigenen Muskeln anspannen um die harten Schläge abzufangen. Nach den Kämpfen macht sich Erleichterung breit, endlich durchatmen zu können. Hier beweist der Regisseur mit seinem Kameramann Feingefühl für die Brutalität des MMA. Ein weiterer Faktor, der die Schläge echt wirken lässt, sind sicherlich die Kämpfer. Denn die meisten kommen tatsächlich aus dem MMA Milieu und dürften die Schläge der Schauspieler leichter abfangen, als gewöhnliche Stuntmen. Dass sich die Kämpfe trotz ihrer Allgegenwart hinter der Familiengeschichte einzureihen haben, zeigt schließlich das brüderlich sentimentale Ende.

Fazit:
Warrior ist die Geschichte von zwei ungleichen Brüdern, deren Vergangenheit und gegenwärtige finanzielle Notlage sie zwingt, gegeneinander in den Ring zu steigen. Dabei bleibt der familiäre Konflikt permanent präsent und selbst die packend in Szene gesetzten Ringkämpfe täuschen nicht über den wahren Kernkonflikt des Films hinweg. Gavin O’Connor weißt ein gutes Gespür für die bodenständige Inszenierung auf, trotz der geballten Masse an Testosteron vor der Kamera wirkt Warrior zu keinem Zeitpunkt prätentiös. Mit seinem körnigen Bildmaterial und einer nicht zu aufdringlich verwackelten Kamera wird der atmosphärische und authentische Anspruch gewährleistet. Die dem Genre anhaftenden Klischees werden größtenteils erfüllt, doch die Stärken der Inszenierung, die schauspielerischen Leistungen und die abschließende Katharsis lassen ihnen kaum Raum sich über die Geschichte zu legen und ermöglichen eine emotional und physisch intensive Filmerfahrung.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 8.1/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 31
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