Jane Eyre (2011)

OT: Jane Eyre - 115 Minuten - Romantik / Drama
Jane Eyre (2011)
Kinostart: 02.12.2011
DVD-Start: 31.07.2012 - Blu-ray-Start: 31.07.2012
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Filmkritik zu Jane Eyre

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Der us-amerikanische Regisseur Cary Fukunaga machte das erste Mal im Jahr 2009 auf sich aufmerksam, als er das durchaus interessante südamerikanische Gang-Drama Sin Nombre inszenierte. Leider krankte der Film teilweise an einer zu starken Amerikanisierung, sodass man stellenweise das Gefühl hatte, dass die großen gesellschaftlichen Probleme der Region etwas zu sehr glattgebügelt wurden um dem Unterhaltungscharakter einer amerikanischen Produktion zu entsprechen. Deshalb ist es auch durchaus überraschend, dass er sich für seinen Nachfolgefilm gerade den großen europäischen Literaturklassiker Jane Eyre ausgesucht hat - ein viel beachtetes Werk, das bereits unzählige Male für Theater und die große Leinwand adaptiert wurde. Aber trotz dieser Vorgeschichte gelingt es Cary Fukunage den Stoff ausgezeichent umzusetzen, ohne erneut die Fehler seines letzten Films zu wiederholen.

Nach dem Tod von Jane Eyres (Mia Wasikowska) Eltern lebt sie unter der Obhut ihrer reichen Verwandten. Doch dort lässt man Jane deutlich spüren, dass sie eigentlich nicht dazu gehört. Schlussendlich wird sie in ein Internat gebracht, wo sie einer strengen Erziehung unterworfen wird. Später findet sie eine Anstellung im Anwesen Thornfield Hall, wo sie für die freundliche Mrs. Fairfax (Judi Dench) arbeitet - doch der eigentliche Besitzer des Anwesens ist jemand anderes: Der mysteriöse Edward Rochester (Michael Fassbender), der immer wieder unangemeldet vorbei kommt und dann wieder lange abwesend ist. Und zwischen ihm und Jane entsteht bald schon eine ganz besondere Verbindung...

Einen solchen geschichtsträchtigen Stoff zu verfilmen ist immer wieder eine ganz besondere Herausforderung. Der Grat zwischen einer völligen Themenverfehlung, die dem Filmemacher den Zorn der Literaturanhänger entgegen bringt und einem staubtrockenen, langweiligen Schinken ist sehr schmal und besonders wenn der Stoff schon unzählige Male verfilmt wurde, wird es natürlich noch schwieriger eine weitere Adpation zu rechtfertigen. Aber Cary Fukunaga entzieht sich diesen Kritikpunkten mit Bravour, indem er es schafft seinem Film eine grandiose Atmosphäre zu verpassen und die Themen der literarischen Vorlage mit viel Feingefühl auf den Punkt zu bringen. Hinzu kommt eine brillante Schauspielerriege, die sich von ihrer besten Seite zeigt.

Die denkwürdigste Leistung liefert (wieder einmal) Michael Fassbender, der sich in den letzten Jahren zu einem schauspielerischen Schwergewicht entwickelt hat und jeden Film durch seine bloße Präsenz aufwertet. Fassbender schafft es seinen Charakter mit wenigen Worten, kleinen Gesten und einer unheimlichen emotionalen Wucht zu definieren und so auf faszinierende Weise seine Figur zu portraitieren. Besonders gut gelingt es ihm Rochester sowohl schroff und höchst mysteriös zu zeigen, aber gleichzeitig die tiefe Sehnsucht nach Jane glaubwürdig darzustellen. In den einfachen Gesten und der immer prägnanten Mimik Fassbenders erkennt man sowohl die Skepsis gegenüber der gesamten Welt und die Traurigkeit eines umherdriftenden Suchenden, als auch die Hoffnung auf ein normales Leben und die Sehnsucht nach dem utopischen Glück.

Doch in Anbetracht der überragenden Leistung Fassbenders sollte man auch nicht auf die ebenfalls sehr guten weiteren Darsteller vergessen. Allen voran natürlich die eigentliche Hauptdarstellerin Mia Wasikowska, die ihr Talent bereits in Alice im Wunderland und The Kids Are All Right aufblitzen ließ und in Jane Eyre ein neues Level erreicht. Sie schafft es durchaus dem grandiosen Fassbender Paroli zu bieten und portraitiert die tragische Lebensgeschichte von Jane Eyre sowohl mit zahlreichen emotionalen Tiefen, als auch mit romantischen Hochphasen und dank der erdgebundenen Darstellung hat man nie das Gefühl eine überhöhte Romanze zu sehen, sondern fühlt sich den Figuren stets sehr Nahe. Ebenfalls sehr überzeugend sind Jamie Bell, Judi Dench und Sally Hawkins, die aber vor allem den beiden Haupdarstellern zuarbeiten.

Abgesehen von den grandiosen Darstellern ist es besonders die ganz besondere Atmosphäre, die Jane Eyre auszeichnet. Der Film ist durchzogen von einer klirrenden Kälte und eingekesselt von einem mysteriösen Nebel der dunklen Vorahnungen. Obwohl man es nur schwer definieren kann woher die Zweifel kommen, so meint man in den Gängen von Thornfield Hall doch ständig verborgene Geheimnisse aus der Verganheit lauern zu sehen, die nur darauf warten auf die Gegenwart herzufallen. Jane Eyre gelingt es dabei immer wieder eine Atmosphäre der Ungewisseheit aufzubauen - weiters sei erwähnt, dass es dem Film gelingt romantisch zu sein ohne auf allzu blumige Stilmittel zu setzen und ohne den Intellekt zu vergessen.

Denn Cary Fukunaga inszeniert seine Geschichte von Selbstbestimmung und dem Überwinden von gesellschaftlichen Schranken jeglicher Art höchst raffiniert. Immer wieder flechtet er die Vergangenheit ein - lässt manche Kapiteln auch weitestgehend im Dunkeln, sodass man ihre Schatten nur erahnen kann und erzeugt mit seiner elliptischen Erzählweise einen nebulösen Charakter bei dem man das Gefühl hat, dass alle Figuren nur orientierungslose Wanderer sind, die wir ein Stück auf ihrem unklaren Lebensweg begleiten dürfen. Der Film ist zwar durchaus kalt und an manchen Stellen spröde - aber diese Stilistik passt nun einmal perfekt zum Stoff und alles in allem gibt es an dieser ausgzeichneten Verfilmung nur wenig auszusetzen.

Fazit:
Jane Eyre ist eine ausgezeichnete Adaption des berühmte Literaturklassikers von Charlotte Brontë. Regisseur Cary Fukunaga gelingt es die Geschichte rund um die Selbstbestimmung des Individuums und des Überwindens von gesellschaftlichen Schranken mit ausgzeichneter Atmosphäre auf die Leinwand zu transferieren. Unterstützt wird er dabei von seinen grandiosen Darstellern, denen es gelingt Romantik und Tragik mit großer Wucht und feinfühliger Balance in ihren Rollen zu vereinen. Der schroffe, kalte und nebulöse Charakter der Erzählung lässt uns dabei zu orientierungslosen Wanderern im Meer des Lebens werden und gemeinsam mit den Hauptfiguren versuchen wir nur die nächste Insel zu erreichen. Jane Eyre ist eine wirklich sehr gute Verfilmung des Ausgangsmaterial und Fans von Literaturverfilmungen sollte sich dieses imposante Drama nicht entgehen lassen.

Wertung:
8/10 Punkte
Filmering.at
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Ø Wertung: 7.8/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 16
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Liste von Hriss Zagoudis
Erstellt: 06.09.2012
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