Die Lincoln-Verschwörung (2010)

OT: The Conspirator - 123 Minuten - Drama
Die Lincoln-Verschwörung (2010)
Kinostart: 30.09.2011
DVD-Start: 01.03.2012 - Blu-ray-Start: 01.03.2012
Will ich sehen
Liste
10885
Bewerten:

Filmkritik zu Die Lincoln-Verschwörung

Von am
“Eine einzelne Kugel tötete den Präsidenten, aber nicht ein einzelner Mann.” steht groß auf den Plakaten von Die Lincoln-Verschwörung geschrieben. Eine Werbebotschaft, die gemeinsam mit dem deutschen Titel des Films vor allem die Geschichte einer Verschwörung suggeriert. In Wahrheit geht Regisseur Robert Redford aber andere Wege und konzentriert sich vorwiegend auf die Gerichtsverhandlung um das damalige Justizsystem an den Pranger zu stellen und gleichzeitig die Wichtigkeit eines zuverlässigen und fairen Prozesses in der heutigen Zeit zu huldigen. Präsident Lincoln und die Verschwörung die zu dessen Tod führte sind dabei nur Mittel zum Zweck.

Washington 1865: Der Bürgerkrieg in den USA ist zu Ende, aber das Land ist immer noch von inneren Spannungen durchzogen. Dies führt schließlich soweit, dass der US-Präsident Abraham Lincoln (Gerald Bestrom) bei einem Theaterbesuch erschossen wird. Die US-Regierung startet daraufhin eine Hetzjagd auf die Attentäter. Zwar wird der Schütze John Wilkes Booth (Toby Kebbell) erschossen, aber seine Mitverschwörer werden vor Gericht gestellt. Darunter befindet sich auch Mary Surratt (Robin Wright), die Mutter eines immer noch flüchtigen Verschwörers, die angeklagt ist, da sie den Attentätern in ihrer Pension Unterschlupf gewährt hat. Ihre Verteidigung soll ausgerechnet der junge Anwalt Frederick Aiken (James McAvoy) übernehmen, ein Kriegsheld der Nordstaaten, der nichts als Verachtung für die Mörder übrig hat...

Robert Redford ist ein idealistischer Filmemacher, der auch nicht davor zurückschreckt politische Themen aufzugreifen. Im Fall von Die Lincoln-Verschwörung greift er dabei augescheinlich auf einen historischen Kontext zurück, versteht es aber geschickt die Themen des Films mit der Gegenwart zu verknüpfen. Gerade die Ereignisse nach dem 11. September 2001, genauer gesagt wie diese Ereignisse den Umgang der USA mit Verdächtigen verändert haben, weisen erstaunliche Parallelen zur Geschichte der Verhandlung von Lincolns Attentätern auf. Ein faires Verfahren ist nicht von Interesse, stattdessen soll möglichst schnell ein möglichst hartes Urteil gefällt werden um das Volk zu beruhigen und potentielle Verbrecher für die Zukunft abzuschrecken.

Man merkt dem Film auch deutlich an, dass es Robert Redford vor allem um den Inhalt gegangen ist. Gerade wenn man den Kontext betrachtet hätte es sich förmlich angeboten den Figuren einen epischen Hintergrund zu spendieren, inklusive optisch beeindruckenden Bürgerkriegsszenen - das alles macht der Film aber nicht. Die Vergangenheit von Hauptfigur Frederick Aiken wird lediglich angerissen, über den ermordeten US-Präsident Lincoln erfährt man so gut wie gar nichts und auch ansonsten sucht man optisch opulente Szenen und visuellen Prunk vergebens.

Es ist sogar eher das Gegenteil der Fall. Die Lincoln-Verschwörung gibt sich visuell sehr zurückhaltend und setzt kaum Akzente. Auch die Inszenierung von Redford ist sehr auf den Inhalt der Geschichte fokusiert und erlaubt sich keinerlei kreative Geistesblitze. Man kann auch sagen, dass Die Lincoln-Verschwörung von Regisseur Robert Redford lediglich solide und routiniert heruntergefilmt wurde. Im Gegensatz dazu können die Darsteller aber durchaus überzeugen und besonders James McAvoy gelingt es sehr gut für den Zuseher eine sympathische Identifikationsfigur zu bilden und gleichzeitig kraftvoll und glaubwürdig innerhalb der Geschichte zu agieren.

Und die wahren Stärken des Films finden sich ohnehin auf inhalticher Ebene. Die Gerichtsverhandlungen sind spannend inszeniert und besonders der gesellschaftliche Kontext, der dahinter steht verdient durchaus Aufmerksamkeit. Der Film plädiert lautstark für die Grundrechte der Bürger und ein Einhalten der Verfassung auch in Zeiten großer Konflikte. Wie diverse Ereignisse der jüngeren Geschichte gezeigt haben ist dies immer noch ein wichtiges und aktuelles Thema. Und da es Robert Redford gelingt eben jene Thematik auf spannende und unterhaltsame Weise zu skizzieren ist Die Lincoln-Verschwörung ein durchaus sehenswerter Film. Auch wenn Lincoln und die Verschwörung nur ein Mittel zum Zweck sind.

Fazit:
Die Lincoln-Verschwörung ist ein spannender und unterhaltsamer Film, der vor tragischer historischer Kulisse ein auch heute noch wichtiges Thema verarbeitet. Der Film tritt dafür ein die Grundrechte des Einzelnen auch in Zeiten großer Spannungen zu wahren und entwickelt sich dank der idealistischen Inszenierung von Robert Reford zum flammenden Plädoyer für eine faire und gerechte Justiz. Visuell gibt sich der Film allerdings sehr zurückhaltend und der Fokus liegt eindeutig auf der inhaltlichen Botschaft des Films. Dank den guten Darstellern, der spannenden Umsetzung und der immer noch aktuellen Botschaft reicht dies aber für einen gelungenen Kinoabend.

Wertung:
7/10 Punkte
Filmering.at
Community
Ø Wertung: 7/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 4
10 /10
0%
9 /10
0%
8 /10
25%
7 /10
50%
6 /10
25%
5 /10
0%
4 /10
0%
3 /10
0%
2 /10
0%
1 /10
0%
Vielleicht interessiert dich auch
The Wrestler (2008)
The Ides of March - Tage des Verrats (2011)
There Will Be Blood (2007)
Die Jagd (2012)
21 Gramm (2003)
American Beauty (1999)
Match Point
Take Shelter (2011)
Alle Empfehlungen anzeigen
Der Film ist in diesen Listen