Lang lebe Ned Devine (1998)

OT: Waking Ned - 91 Minuten - Komödie
Lang lebe Ned Devine (1998)
Kinostart: Unbekannt
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Lang lebe Ned Devine

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Was unternehmen 52 Einwohner eines Dorfs, wenn der 53. gerade verstorben ist – und zwar nicht einfach an Altersschwäche, sondern an der entsetzlichen Freude über einen Lottogewinn? Blöde Frage. Schon gar, wenn dieses Dorf ein irisches ist und Tullymore heißt. Sie überlegen intensiv, wie verhindert werden kann, dass das Geld an die Lottogesellschaft zurückfließt. Immerhin geht es um 6,8 Mio. irische Pfund, die der alte Ned Devine auf seine ebenso alten Tage kassiert hätte, wenn, ja wenn er den Paukenschlag verkraftet hätte.

Tullymore ist ein Kaff, aber ein hübsches, ein geradezu schönes Kaff irgendwo an der irischen Küste, bevölkert vor allem von älteren Herrschaften, skurrilen oft dazu, wie etwa der schrulligen und missmutigen Lizzy Quinn (Eileen Dromey), die mit ihrem batteriebetriebenen Rollstuhl durch den Ort fährt und als Außenseiterin gilt. Aber der Ort hat auch seine Intelligenzbestien. Dazu gehört vor allem Jackie O’Shea (Ian Bannen). Der setzt alles daran herauszufinden, wer in Tullymore gewonnen hat. Denn zunächst ist das nicht bekannt, nur ein Gerücht. So lädt er sämtliche Einwohner zu einem Mahl ein. Hühnchen und Alkohol sollen die Zungen lösen. Und Jackie und sein alter Freund Michael O’Sullivan (David Kelly) horchen einen Nachbarn nach dem anderen aus. Auch der Schweinehirt Pig Finn (James Nesbitt) gerät in „Verdacht“. Der hat aber alles andere als im Lotto gewonnen, und vor allem ganz andere Probleme. Er liebt nämlich die schöne Maggie (Susan Lynch), die ihn auch liebt, sich allerdings weigert, Finn zu heiraten, weil sie den Schweinegeruch an ihm nicht mag: „Die Schweine oder ich, entscheide Dich.“

Jackie und Michael haben keinen Erfolg. Niemand auf der Party scheint den Geldsegen abbekommen zu haben – bis sie merken, dass einer nicht gekommen ist: Ned Devine. Sie finden ihn in seiner Hütte, tot, mit aufgerissenen Augen, den Lottoschein in der Hand haltend.

Was tun, sprach Zeus? Für Jackie keine Frage. Man muss Ned am Leben halten. Und es ist Eile geboten. Nachdem Jackie – unter den besorgten und manchmal erzürnten Blicken seiner Frau Annie (Fionnula Flanagan), die befürchtet, alle kämen ins Gefängnis, wenn man die Lottogesellschaft hintergeht – von einer Telefonzelle „seinen“ Gewinn als Ned angemeldet hat, ist auch schon der Vertreter der Gesellschaft (Adrian Robinson) unterwegs nach Tullymore. Beim Nacktbaden überrascht der smarte Kerl Jackie und Michael, der sich hinter einem Felsvorsprung versteckt. Und während Jackie den Mann über etliche Umwege, um Zeit zu schinden, zu Neds Haus führt, beeilt sich Michael – im Zustand, wie ihn der Herr schuf –, die Hütte vorher zu erreichen, um als Ned Devine die frohe Botschaft entgegenzunehmen.

Ein freundliches Gespräch, ein smartes Lächeln, und zum Glück hatte der Verstorbene den Lottoschein schon unterschrieben. Ein anderes Problem tut sich statt dessen auf: Der Herr von der Lottogesellschaft will sich bei den Einwohnern zur Sicherheit erkundigen, ob Ned, also Michael, auch Ned ist.

Was tun? 6,8 Millionen sind kein Pappenstiel. Warum sie also nicht teilen? Durch 52. Das ergibt pro irischer Nase immerhin noch gute 130.000 Pfund. Allerdings hat die verschworene Lottogemeinschaft nicht mit dem Liebesleben des verstorbenen Ned gerechnet. Und auch nicht mit Lizzy, die sich ausrechnet: Wenn sie die dörfliche Bande verpetzt, erhält sie 10% vom Gewinn. Das ändert zum Schluss einiges ...

Kirk Jones Komödie wirkt nie übertrieben oder albern. Er hält seine skurrilen Figuren in den Grenzen des Realistischen. Besonders David Kelly, der u.a. als O’Reilly in John Cleese’s „Fawlty Towers“ unvergesslich bleibt, ist zum Umwerfen komisch. Wenn er als Michael nackt auf dem Motorrad zu Ned Devines Haus fährt, hager wie er ist, oder gegenüber dem Vertreter der Lottogesellschaft das erste Mal in seinem langen Leben lügt, dafür aber umso gründlicher, und wenn in seinen Augen – für uns als Zuschauer sichtbar, für den Lotto-Mann aber nicht – jene Mischung aus Lüge und gespielter Wahrheit glänzt, den Gewinn vor Augen, die Angst vor dem Auffliegen dahinter, ist das einfach nur köstlich. In einer anderen Szene sitzt die versammelte Dorfgemeinschaft in der Kirche, um den alten Ned zu betrauern und zu beerdigen. In diesem Moment erscheint der Vertreter der Lottogesellschaft. Der Pfarrer (Dermot Kerrigan) ist mit seiner Predigt gerade fertig, und Jackie will gerade mit seinem Nachruf auf Ned beginnen, als es an der Tür niest. Der nette Mann von der Lottogesellschaft hat – zum Glück aller – eine Allergie und wird sofort bemerkt. Jackie schaltet um, und aus dem toten Ned wird ein toter Michael, der beglückt, aber ruhig zuhört, wie sein bester Freund eine Eloge auf ihn hält.

Das Entzückende an „Waking Ned“ ist aber auch die Mischung aus dörflichem Zusammenhalt und Konkurrenz, aus egoistischen und altruistischen Motiven, aus Betrug und Wahrheit, die sich in den Figuren jederzeit offenbart und zur Komik des Films beiträgt. Die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen, die ebenso einfühlsame irische Musik und nicht zuletzt ein makabrer Showdown, in dem eine Telefonzelle eine nicht unerhebliche Rolle spielt, runden das Bild ab, dass „Waking Ned“ uns präsentiert.

 

Wertung:

7/10 Punkte

 

Quelle: Follow-me-now.de / Ulrich Behrens

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