Adams Ende (2011)

OT: Adams Ende - 81 Minuten - Drama
Adams Ende (2011)
Kinostart: 14.10.2011
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Adams Ende

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Das auf der Diagonale 2011 in Graz von Kritikern gepriesene und mit dem Max Ophüls Preis sowie dem New Berlin Film Award ausgezeichnete Drama Adams Ende erzählt von der Geschichte Adams und seiner Freunde, die sich im gesellschaftlichen Leben und den verschiedenen Beziehungen in diesem, zurechtzufinden versuchen. Es werden unterschiedliche Beziehungskonstellationen behandelt, schließlich aber auch die psychischen Auswirkungen dieses sozial herrschenden Drucks seitens der heutigen Gesellschaft aufgezeigt.

Adam (Robert Stadlober), der mit seinem Job als Fotograf und der langjährigen Beziehung zu Freundin Anna (Eva-Maria May) eigentlich gefestigt im Leben zu stehen scheint, träumt dennoch vom unbeschwerten Alltag mit seinem besten Freund Conrad (David Winter), der seine Zeit mit Gelegenheitsjobs und ohne feste Beziehung ungebunden verbringen kann. Als Annas Freundin Carmen (Paula Kalenberg) vermehrt ins Leben des Paares tritt, sieht sich Adam neben der Anziehung zu Conrad der neuen, sexuellen Verlockung noch stärker ausgesetzt und verunsichert. Nachdem Carmen Conrad nach einer kurzen Liaison zurückweist, fällt dieser in ein tiefes, emotionales Loch und als Carmen dann plötzlich verschwunden scheint, versucht sich auch Adam von ihm zu entfernen, sucht zugleich aber immer wieder dessen Nähe. Nach einem heftigen Streit zwischen Adam und Anna scheint das Geschehen zu eskalieren und Adams Psyche nach außen zu dringen…      

Der Österreicher Richard Wilhelmer, der mit seinen jungen Jahren seit 2006 an der Universität der Künste Berlin studiert, zusätzlich Kurse am Londoner Central Saint Martins College absolvierte und außerdem ein Regiestipendium an der CalArts in Los Angeles erhielt, zeigt uns in seinem Filmregiedebüt viel mehr als nur reines Erzählkino. Er stellt vier junge Leute vor, die unterschiedlich mit dem Erwachsenwerden bzw. –sein und den daraus hervorgehenden Konventionen umgehen und entführt gleichzeitig mit expressionistischen Darstellungsweisen in die tiefe Gefühlswelt der Charaktere, besonders der beiden männlichen Hauptfiguren. Adam fühlt sich von einer Beziehungskrise in die nächste gedrängt und sehnt sich nach einem wilden Junggesellenleben mit Conrad, empfindet in dessen Nähe und Anziehung aber im selben Moment eine Bedrohung. Conrad hingegen, an einem Punkt angelangt, an dem nun auch er sich eine feste Beziehung wünscht, leidet nach einem unerwiderten Liebesgeständnis an herzzerreißendem Liebeskummer.

Zu Beginn des Films fühlt sich der Zuseher durch die Kameraführung besonders nahe an den Charakteren, man lässt diesen sozusagen über die Schulter blicken. Dadurch ergibt sich vor allem aber nicht ausschließlich beim Mitte-Zwanzig-Publikum ein großes Identifikationspotential mit den Figuren. Generell spricht die Geschichte rund um Adams Suche nach seinem Glück eine ganze Generation an, nämlich jene, die so viele Möglichkeiten wie noch nie zu haben scheint, persönlich wie beruflich, gerade durch diese Vielzahl aber teilweise überfordert wirkt.

Der Film vermittelt besonders in der ersten halben Stunde einen hohen Grad an Realität, nicht zuletzt durch die authentischen Dialoge zwischen den Figuren. Im letzten Abschnitt des Films werden aber vermehrt teils übertriebene und nicht nachvollziehbare Handlungen und Reaktionen der Protagonisten gezeigt, was einige Szenen schlussendlich auch ein wenig ins Absurde abdriften lässt. Doch genau mit dieser Absurdität will Wilhelmer mit dem zunächst entstandenen Realitätseindruck brechen, um in die Psyche von Adam einzutauchen und bedingt damit spielerisch einen Genrewechsel. Als Beziehungsgeschichte beginnend schlägt der Charakter der Handlung zu dem eines Dramas um, um im letzten Abschnitt schließlich in einem Psychothriller zu enden. Verbunden mit der Mischung verschiedener Genres, findet innerhalb des Films vermehrt ein Wechsel der Erzählperspektive statt.

Als kleiner Wehrmutstropfen dieses eigentlich gelungenen Dramas ist das Ende zu sehen, das aufgrund des plötzlichen Handlungsumschlags leider etwas weit hergeholt und im Gegensatz zur ersten Hälfte des Films weniger realistisch erscheint. Dies wird jedoch durch die erfrischenden Performances der Jungschauspieler wettgemacht. Robert Stadlober, der erst kürzlich in Wie man leben soll (2011) zu sehen war, aber auch David Winter, bekannt aus der Fernsehserie 18 – Allein unter Mädchen, beeindrucken in den emotionalen Aspekten ihrer Rollen.     

Fazit:
Als Genre-Mix von Beziehungsdrama und Psychothriller zeigt Adams Ende unter der Regie von Richard Wilhelmer eindrucksvoll die Suche eines Mitt-Zwanzigers nach seinem Platz innerhalb der Gesellschaft und den damit zusammenhängenden inneren Kampf mit der eigenen, sexuellen Identität. Ein emotional anspruchsvolles Werk, das mit Tiefgang in die Psyche der Charaktere sowie der erfrischenden Darbietung seitens der Schauspielcrew auf sich aufmerksam macht.

Wertung:
8/10 Punkte
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