Wer ist Hanna? (2011)

OT: Hanna - 111 Minuten - Abenteuer / Thriller
Wer ist Hanna? (2011)
Kinostart: 27.05.2011
DVD-Start: 19.12.2011 - Blu-ray-Start: 19.12.2011
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Filmkritik zu Wer ist Hanna?

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Wie lange wird die Menschheit noch existieren? Gibt es intelligentes Leben auf anderen Planeten? Was ist der Sinn des Lebens? Gibt es Gott? Und: was haben die Illuminati damit zu tun? Fragen, die sich irgendwann jeder einmal stellt. Wir beschäftigen uns diesmal jedoch mit einer ganz anderen. Wir fragen uns heute nämlich: Wer zum Teufel ist Hanna?

Wer den Trailer gesehen hat, weiß schon mal so viel: Hanna (Saorise Ronan) ist ein hübsches, unscheinbares Mädchen, das von ihrem Vater (Eric Bana) in einer kleinen finnischen Waldhütte ohne Elektrizität oder fließendem Wasser aufgezogen wird. Ach, ja: und nebenbei wird sie von ihm in diversen Kampftechniken, dem Umgang mit allen möglichen Waffen und der Anwendung mehrerer Sprachen ausgebildet. Eine ganz normale Erziehung eben. Auf ihrem Weg zu ihrer ersten Mission nach Deutschland, wird sie nicht nur von der CIA, sondern auch von brutalen Söldnern und deren Auftraggeberin Marissa Wiegler (Cate Blanchett) gejagt und darf somit ihr ganzes Repertoire an Kampfkünsten anwenden und sich nebenbei noch auf die Suche nach ihrer Herkunft und somit ihrer wahren Identität machen. Ein ganz normales Teenagerleben eben.

Zugegebenermaßen ist weder diese kurze Plotzusammenfassung, noch der Trailer sonderlich aufregend. Ein Kind, das zum Profikiller ausgebildet wird, haut uns genauso wenig aus den Socken, wie eine vom Hass zerfressene, skrupellose CIA- Agentin mit deutschen Wurzeln, die ohne mit der Wimper zu zucken alles tut und jeden beseitigt, nur um an eben dieses Kind zu kommen. Umso überraschender und unerwartet, ist der Film jedoch von der ersten Sekunde an spannend, intelligent, authentisch und vor allem mit hervorragenden Schauspielern besetzt. Allen voran natürlich Saorise Ronan als Hanna. Die irische Schauspielerin  hat ja schon im zarten Alter von 13 bewiesen, dass sie ein Ausnahmetalent ist – da heimste sie nämlich zum ersten Mal eine Oscarnominierung (für Abbitte) ein. Cate Blanchett kann sowieso alles und jeden hervorragend spielen und auch Eric Bana überzeugt als Ex- CIA Agent.

Obwohl der Film Wer ist Hanna? heißt, steht diese Frage glücklicherweise nicht immer im Vordergrund. Das Spannungslevel des gesamten Handlungsverlaufs ist konstant derart hoch, dass man sich immer wieder daran erinnern muss, dass man ja wirklich nicht weiß, wer dieses hübsche, äußerlich zerbrechliche Mädchen eigentlich ist. Regisseur Joe Wright ist hier ein ganz besonderes Werk gelungen! Neben den Schauspielern hat vor allem auch der Location- Scout grandiose Arbeit geleistet. Die Drehorte sind nicht nur clever, sondern vor allem ungewohnt künstlerisch gewählt – egal ob man sich im eiskalten finnischen Wald oder in einem Märchenhaus, oder gar im Rachen eines Wolfes befindet (wortwörtlich!)  – Kamera und Schnitt sind stellenweise so beeindruckend, dass man eher an einen Experimentalfilm, als an einen typischen Hollywood- Actionthriller denkt. Auch die zahlreichen Kampfszenen und Verfolgungsjagden sind erfrischend anders, hier lautet das Motto: Realismus statt Übertreibung. Hier geht es nicht um Slow-Motion- Bullet-Time- Superkräfte inklusive halsbrecherischen Stuntmen- Sprüngen über entgleiste Zugwaggons, sondern um glaubhafte, clevere Faustkämpfe, in denen Wright beweist, dass Action nicht immer mit viel Bumm- Bumm- Explosionen daherkommen muss, sondern gezielt gesetzt, viel stimmiger und vor allem authentischer wirkt. Sahnehäubchen des ganzen Spektakels sind diverse Metaphern im Setdesign und ein toller  Chemical Brothers- Soundtrack. Der Film ist alles andere als ein typisches, kurzweiliges Actionvergnügen- vielmehr wagt er sich trotz nicht allzu innovativem Plot in viele Ebenen, die wir oftmals in (Hollywood) Blockbustern vermissen: Kameratiefe, Perspektivenspiel, Spannung durch Schnitt und Action durch Musik. Wer ist Hanna? erzählt Thrill und Abenteuer in einer tiefergehenden Weise, als wir es (in diesem Kinojahr) gewohnt sind.

Bleibt zum Abschluss noch eine letzte Frage: Wenn der Film doch so toll ist, warum dann nicht 10 Punkte? Nun, um in den Olymp der filmischen Perfektion aufzusteigen, muss man auf ganzer Linie überzeugen. Bei all der Liebe zum Detail, experimenteller Kamera und hervorragender Schauspielleistung, wird der Zuschauer leider nicht vollständig aufgeklärt: weder die Motive der Charaktere, noch die wirklichen Umstände um das Mysterium ‚Hanna‘ werden entschlüsselt, was in Anbetracht des Titels ja fast eine Themenverfehlung bedeutet. Negativ fällt hier auch die Darstellung der (deutschen) Bösewichte auf: nur weil als Drehort Berlin gewählt wurde, muss doch bitte nicht gleich eine Gruppe halbstarker  Nazi- Skins und ihr Chef, ein Jogginganzug- tragender Quotenossi auftauchen, oder? Absolut unnötig!

Nichts desto trotz ein ernst gemeinter  Filmtipp! Wenn schon nicht im Kinosessel, dann zumindest zuhause auf der Couch mit einem Kübel selbstgemachtem Mikrowellenpopcorn! Sofern ihr die Erscheinung der DVD abwarten könnt…


Wertung:

7/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.7/10 | Kritiken: 3 | Wertungen: 38
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