Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten (Fluch der Karibik 4) (2011)

OT: Pirates of the Caribbeand - On Strangers Tides - 141 Minuten - Action / Abenteuer / Fantasy
Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten (Fluch der Karibik 4) (2011)
Kinostart: 19.05.2011
DVD-Start: 22.09.2011 - Blu-ray-Start: 22.09.2011
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Filmkritik zu Pirates of the Caribbean - Fremde Gezeiten (Fluch der Karibik 4)

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Mittlerweile gibt es eine Art stillschweigende Übereinkunft zwischen den Machern eines Hollywoodblockbusters und dem Publikum: Spielt der Film genügend Geld ein, gibt es eine Fortsetzung, spielt er ausserordentlich viel Geld ein, dann ist ein Franchise geboren. Dabei nehmen beide Seiten in Kauf, dass die Qualität des ersten Teils in der Regel nicht wieder erreicht wird. Aber diese stillschweigende Übereinkunft besagt auch folgendes: Ist der erste Teil der Reihe gut genug, dann wird eine gewisse Schmerzgrenze nicht unterschritten. Soviel vorweg: An diese Regel hat sich Fluch der Karibik 4 nicht gehalten. Denn dass auf den großartigen ersten Teil ein guter zweiter und schließlich ein mauer dritter Teil folgt kann man akzeptieren. Dass man aber danach einen derart misserablen und indiskutabel schlechten vierten Teil folgen lässt ist schlicht Publikumsverarsche.

Die Jagd nach dem legendären Jungbrunnen ist eröffnet: Nachdem die Spanier eine heiße Spur finden, dauert es auch nicht lange bis die Engländer davon Wind bekommen. Da sich Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) gerade in London befindet und dieser im Besitz der Karte ist, die den Weg zum Jungbrunnen zeigt, versucht man natürlich alles um ihn in die Finger zu bekommen. Dieser verbündet sich aber lieber mit der schönen Angelica (Penelope Cruz), doch ehe er sich versieht landet er auf dem Schiff ihres Vaters, dem gefürchteten Piraten Captain Blackbeard (Ian McShane). Also beginnt bald schon ein Rennen zum Junbrunnen, wobei der Weg einige Gefahren bereit hält. Und natürlich ist da auch noch Captain Barbossa (Geoffrey Rush), der mit Blackbeard noch eine Rechnung offen hat...

Acht Jahre ist es mittlerweile her, dass Disney mit Fluch der Karibik der Überraschungshit der Blockbustersaison 2003 gelungen ist. Basierend auf einer Vergnügungsparkattraktion? Angesiedelt im Piratengenre? Und dann auch noch mit übersinnlichem Touch und einem schrägen Johnny Depp (der damals noch nicht ein solcher Publikumsmagnet war) in der Hauptrolle? Die Vorzeichen waren denkbar schlecht, aber es ist tatsächlich gelungen einen großartigen Unterhaltungsfilm zu erschaffen, der nicht nur Piraten wieder salonfähig machte (auch wenn keine Piratenfilmlawine losgetreten wurde) sondern mit Jack Sparrow auch eine Kultfigur der Popkultur aus dem Hut zauberte.

Die beiden Nachfolger wurden da schon wesentlich kontroverser diskutiert. Finanziell war dies freilich nicht zu spüren, immerhin spielten sie zusammen über 2 Milliarden Dollar ein, aber die Qualität wurde (zu recht) von einigen bemängelt. Auf den zweiten Teil trifft das noch weniger zu: Zwar wurde Jack Sparrow etwas ausgeschlachtet und die Geschichte war etwas überladen, aber das Konzept funktionierte wenigstens noch gut. Teil 3 hingegen war schon weit weniger überzeugend und zeigte auch schon auf, dass man nun entweder neue Ideen braucht, oder die Reihe ruhen lassen sollte (was zugegeben schade wäre, denn mit der richtigen Schwerpunktsetzung steckt immer noch enorm viel Potential im Fluch der Karibik Universum).

Wie gesagt: Summiertes Einspielergebnis von 2 Milliarden Dollar, also kam die zweite Option wohl nie ernsthaft in Frage. Da Regisseur Gore Verbinski allerdings ohnehin nicht mehr mitmachen wollte bot sich die Option eines Neustarts an. Die Geschichte von Will Turner und Elizabeth Swann war abgeschlossen, also konnte man die beiden gleich von vorne herein streichen. Auf zu neuen Ufern! Mit an Board die beiden Publikumslieblinge Jack Sparrow und Captain Barbossa, ausserdem noch Gibbs als Sidekick und ansonsten wird die Darstellerarmada mit vielen frischen Gesichtern aufgefrischt. Ans Steuer darf Rob Marshall, für Chicago immerhin oscarnominiert. Versprochen wurden große, neue Abenteuer. Was kann da noch schief gehen?

Eine Menge. Natürlich sollte man nach dem eher schwachen dritten Teil vorsichtig sein und die Erwartungshaltung nicht allzu hoch schrauben, aber zumindest mit einem kurzweiligen Unterhaltungsfilm hätte man schon rechnen können. Wie gesagt: Das Fluch der Karibik Universum gibt viel her und auf Grund der Tatsache, dass mit dem dritten Teil alle offenen Geschichten abgeschlossen hat (abgesehen von dem obligatorischen Ausblick auf Teil 4 natürlich), hätte man etwas radikal Neues wagen können und wirklich mit viel Kreativität ans Werk gehen können. Doch was sich die Autoren Ted Elliott und Terry Rossio hier geleistet haben spottet jeder Beschreibung und sorgt nur für großes Gähen und Dämlichkeiten am laufenden Band.

Die Fehler sind bereits von Anfang an nicht zu übersehen: Nicht nur, dass es das erste Mal keine durchdachte Eröffnungssequenz gibt (man denke an die ersten Auftritte von Jack Sparrow in den ersten beiden Teilen oder an die erhängten Piraten im dritten Teil), der Film zeigt bereits zu Beginn deutlich, dass hier keiner wirklich viel nachgedacht hat. Stattdessen werden einfach lieblos Actionszenen aneinandergeschustert, ohne dass man je ein wirkliches Gefühl für die Geschichte entwickelt. Das Muster ist immer gleich: Dummes Gelaber, gefolgt von unmotivierter Action. Wenn einen da die Erinnerungen an den ersten Kampf zwischen Jack Sparrow und Will Turner kommen, möchte man am liebsten weinen.

Fluch der Karibik 4 zeigt leider deutlich vor wie man es nicht machen soll: Regisseur Rob Marshall hat überhaupt kein Gespür für die Figuren, die Geschichte oder das Fluch der Karibik Universum im Allgemeinen. Es scheint fast so als hätte er sich schnell den ersten Teil im schnellen Vorlauf angesehen und lieblos versucht das Konzept zu kopieren. So wirkt Fluch der Karibik 4 auch so also hätte man sich die Vorgänger als Schablone genommen und das Muster plump und ohne jedes Gespür übertragen.

Die Tragweite der Geschichte wird nie erläutert. Was die Figuren machen, warum sie es machen und wie das alles im Zusammenhang steht scheint niemanden zu interessieren. Der Film hängt einfach Einzelszene an Einzelszene und interessiert sich gar nicht dafür ein kohärentes Universum zu schildern. Man merkt einfach wie lieblos der Film abgespult wurde, was im krassen Gegensatz zu den bisherigen Teilen steht: Denn selbst in den schlechtesten Momenten des dritte Teils hat man gespürt, dass Gore Verbinski gerne den Film inszerniert und mit viel Liebe zum Detail ans Werk geht. Rob Marshall hingegen macht einfach irgendetwas und spult die Geschichte ohne Herz und ohne Charme ab.

Hier merkt man auch, dass er den Erfolg des ersten Teils nicht verstanden hat: Es ist NICHT Johnny Depp alleine der den Film ausmacht. Es sind NICHT die Effekte die das Zentrum bilden und es ist NICHT das Übersinnliche nach dem sich die Fans sehnen. Stattdessen war es die Kombination aus vier gleichwertigen Figuren (Jack Sparrow, Will Turner, Elizabeth Swann und Captain Barbossa), die sich großartig ergänzt haben (auch wenn Jack Sparrow natürlich die schillerndste von ihnen war), der Schurkencharme und die augenzwinkernde Vermischung mit übersinnlichen Elementen mit Piratenflair, die in Fluch der Karibik einfach perfekt gepasst hat. Alles andere war nur Beiwerk, die diese Kombination an den richtigen Stellen aufgepeppt hat.

Fluch der Karibik 4 hingegen besteht nur mehr aus Beiwerk. Eine ausgewogene Mischung der Figuren ist nicht mehr vorhanden: Orlando Bloom und Keira Knightley, die beide großartig mit Johnny Depp harmonierten, wurde gestrichen und Geoffrey Rush alias Captain Barbossa wird völlig verschenkt. Und spätestens hier hört sich der Spaß auf. Denn wie die Figur des Barbossa im vierten Teil völlig gegen die Wand gefahren wird ist schlicht eine Frechheit. Über weite Strecken spielt Rush einen Statisten der absolut keinen Einfluss auf die Geschichte hat und wenn man doch etwas Fokus auf die Figur legt, dann ist es meistens zum Fremdschämen. Ganz, ganz peinlich.

Stattdessen wird der Fokus einmal mehr ganz auf Jack Sparrow gelegt. Aber das funktioniert einfach nicht. Natürlich ist die Figur toll und natürlich macht es Spaß Johnny Depp in dieser Rolle zu sehen, aber das Konzept funktioniert nur wenn eine Dynamik zwischen den Figuren vorhanden ist. Die Jack Sparrow Show ist einfach nicht lustig wenn es keinen Gegenpart gibt. Völlig verheizt wird schließlich Ian McShane, der als herumzaubernder Blackbeard zwischen schwebenden Seilen, einem rauchenden Bart und einem feuerspeienden Schiff überraschend blass bleibt und auch Penelope Cruz kann kaum Akzente setzen.

Dies bringt Fluch der Karibik 4 in eine missliche Lage: Die alt bekannten Figuren sind entweder weg (Bloom, Knightley) oder werden zu Statisten degradiert (Rush, Kevin McNally alias Gibbs) und die neuen Figuren bleiben durch die Bank blass. Somit bleibt nur mehr ein Overkill an Jack Sparrow, der aber bei weitem nicht ausreicht um den Film zu tragen, vor allem, da den Autoren kaum gelungene Gags eingefallen sind. Alles köchelt gemütlich auf Sparflamme und man hat die ganze Zeit dieses unliebsame Gefühl, dass eigentlich keiner wirklich Lust hatte den Film zu machen. Aber soetwas kommt eben heraus wenn die Reihenfolge nicht lautet: Zuerst eine gute Idee finden, dann Geld zur Produktion suchen, sondern stattdessen das Geld zuerst kommt und die Idee dann erzwungen werden muss.

Herausgekommen ist leider nur ein lebloses Trauerspiel aus der Retorte. Herz, Charme und Kreativität sind nicht vorhanden. Die Story ist beliebig und hangelt sich von Ereignis zu Ereignis ohne wirklich ein Konzept erkennen zu lassen. Alles plätschert schön vor sich hin ohne jemals Spannung aufzubauen. Am besten lässt sich dass an den Actionszenen erkennen: In den ersten beiden Teilen wurde die Action geschickt in die Geschichte integriert und mit viel Liebe zum Detail aufgelockert. In Fluch der Karibik 4 wird die Action nur mehr abgespult. Es scheint als hätten die Autoren die Auflage bekommen, dass sie immer wenn ihnen nichts einfällt einfach eine Kampfszene oder Verfolgungsjagd einbauen sollen.

Aber es fehlt auch an simpler Logik. Es ist jetzt nicht so, dass man in einem Film mit Zombies, Meerjungfrauen und sonstigen übersinnlichen Ereignissen unbedingt nach Realismus suchen muss, aber zumindest innerhalb des Universums sollte das Spektakel schon etwas Sinn machen. Aber leider versagt das Drehbuch hier völlig, sodass man den Eindruck hat als würde die Story nur aus Zufällen bestehen, die völlig willkürlich auftreten und die Geschichte in irgendeine Richtung drehen. In gewissem Rahmen ist das ok, aber wenn die Geschichte zum Großteil aus solchen Beliebigkeiten besteht, dann wird es etwas anstrengend.

Zu den katastrophalen Unzulänglichkeiten der Autoren gesellt sich auch noch das konzeptlose Vorgehen von Rob Marshall. Seine Bilder sind in ausgeblichene Farben getaucht und werden auch noch meistens stark räumlich begrenzt (durch Nebel oder ähnliche Tricks). Wie soll so jemals das Gefühl eines großen Abenteuers entstehen? Der Titel des Films ist immer noch Pirates of the Caribbean, doch die Bilder erinnern eher an britische Totengräber, als an Piraten in der Karibik. Dass Marshall keinerlei Gespür für das Universum hat wurde ja bereits ausgiebig geschildert, aber dass man es selbst geschafft hat das großartige Theme von Hans Zimmer derart zu misshandeln und zur einer lieblosen blechernen Tröte zu degradieren die selbst in den unpassendsten Szenen hervorgeholt wird, kommt doch überraschend.

Da sind kleine Peinlichkeiten nur mehr ein Bonus beim Fall in die Bedeutungslosigkeit: Blackbeard als großer Zaubermeister, der sein Schiff mit seinem Zauberstab, ähm Zaubersäbel dirigiert und es auch zum Feuerspeien bringen kann, ist schon eine starke Nummer, aber die Meerjungfrauen, die eine Mischung aus Arielle, Twilight-Vampirismus und Spider-Man sind, schlagen dem Fass den Boden aus. Naja, vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass die Autoren keine wirklichen Ideen hatten wie man all diese Figuren (sinnvoll) in den Film bringen kann, weswegen man scheinbar einfach irgendwas zusammengestoppelt hat.

Doch Fluch der Karibik 4 muss sich auch noch einen weitaus größeren Kritikpunkt gefallen lassen, der für einen Unterhaltungsfilm ohnehin schon das Todesurteil bedeutet: Der Film ist schlicht langweilig. Und nicht in dem Sinn, dass es stellenweise etwas zäh wird, sondern viel eher, dass der gesamte Film, von vorne bis hinten Mist ist und absolut keinen Spaß macht. Fluch der Karibik 4 richtig schlecht. Man sollte das nicht mit der leichten Enttäuschung der Fortsetzung eines großartigen Films verwechseln. Nein, Fluch der Karibik 4 ist schlicht katastrophal mies. Dass man auch noch spürt, dass hier absolut keine Liebe in den Film gesteckt wurde, sondern alles nur ohne Motivation abgespult wurde (und gerade im Vergleich zu den Vorgängern spürt man dies sehr deutlich), ist da noch das Sahnehäubchen der Unverfrorenheit. Fluch der Karibik 4 ist ein gewaltiger Fehlschlag, ein misserabler, herzloser Koloss und ein solcher Schwachsinn, dass man sich nur mehr schämen kann. Die Reihe hat toll begonnen, aber mittlerweile ist es nur noch ein Trauerspiel.

Fazit:
Epic Fail, Katastrophe, Debakel, ein ungeheuerlicher Fehlschlag. Wie kann soetwas passieren? Gut, schon der dritte Teil der Fluch der Karibik Reihe war nicht besonders gut, aber diese Dimensionen lässt der vierte Teil weit hinter sich. Im Vergleich wirkt der maue dritte Teil fast wie ein Meisterwerk. Fluch der Karibik 4 zeigt nur zwei Dinge: Erstens wie man ein Blockbustersequel unter gar keinen Umständen machen darf und zweitens, dass es bei Disney scheinbar keinerlei Qualitätskontrolle geben dürfte. Die Story ist ein liebloses Flickwerk welches Logik und Kohärenz nicht einmal erahnen lässt und der neue Regisseur Rob Marshall hat schlicht keinerlei Gespür für das Fluch der Karbik Universum. Es werden nur langweilige Actionszenen aneinandergereiht, unterbrochen durch maue Gags, und flankiert von vielen neuen, misslungenen Figuren. Hier passt wirklich gar nichts zusammen. Man spürt in jeder Sekunde, dass die Filmemacher ohne Konzept und ohne Leidenschaft vorgegangen sind. Denn bei aller Kritik an den Vorgängern (speziell Teil 3), die Liebe zum Universum und den Figuren konnte man immer spüren. Fluch der Karibik 4 hingegen ist nur ein emotionslos im Labor gezüchteter Konzernbastard. Man braucht gar nicht lange drumherum reden: Fluch der Karbik 4 ist schlicht ein kolossaler Fehlschlag.

Wertung:
3/10 Punkte

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