![]() ![]() Alles, was wir geben mussten OT: Never Let Me Go Regie: Mark Romanek Drehbuch: Alex Garland Darsteller: Carey Mulligan, Andrew Garfield, Keira Knightley, Charlie Rowe, Ella Purnell, Sally Hawkins Filmstart: 13.05.2011 | Laufzeit: | Romantik-Drama |
Das Internat Hailsham in den 1970er Jahren: Hier wachsen Kathy (Izzy Meikle-Small, später: Carey Mulligan), Ruth (Ella Purnell, später: Keira Knightley) und Tommy (Charlie Rowe, später: Andrew Garfield) gemeinsam auf. Es ist ein normales Leben: Die Kinder spielen, lernen, werden erwachsen. Kathy ist in Tommy verliebt, doch Ruth funkt dazwischen und kommt schließlich mit ihm zusammen. Ganz normal eben. Doch in Hailsham ist nichts normal. Die Kinder werden angehalten besonders auf ihre Gesundheit zu achten. Und das hat auch einen Grund: Denn sie sind nur die Klone von anderen Menschen und wenn sie erwachsen sind dienen sie als lebendes Ersatzteillager...
Denn in Never Let Me Go wird kaum etwas direkt ausgesprochen. Wir sehen keine Gefängnismauern, keine Proteste, keine Verfolgung und keine Konzentrationslager, die dem Grauen ein Gesicht geben. Wir sehen auch keine gefährliche Diktatoren, die das Volk in eine Richtung leiten. Es gibt keine Verführung, keine Irrleitung, keine sichtbaren Gräuel, keinen Massenmord, alles ist einfach normal. Selbst die große Erklärung, dass die Kinder, die wir hier vor uns sehen nie ein normales Leben führen, sondern als lebendes Organlager enden werden, wird nicht an die große Glocke gehängt. Es gibt keine große Aufklärung und schon gar keinen Held der hier etwas verhindern könnte. Es ist einfach so.
Denn wie soll man etwas bekämpfen, das man nicht sieht? Wo sind die Machthaber, die all dies zu verantworten haben? Sie sitzen direkt im Volk, sind völlig normale Menschen und es ist ihnen auch völlig egal was geschieht - eine schreckliche Erkenntnis. Wie sollen die Menschen auch betroffen sein? Die Klone werden auf unaufdringliche Weise abgeschottet und wenn man sie dennoch auf der Straße sieht kennt man keinen Unterschied. Es ist der perfekte faschistische Apparat - völlig unsichtbar, die Gefängnismauern sind nur Grenzen in den Köpfen der Klone, die ihnen von klein auf eingedrillt werden. Es sind weder Wächter noch Waffen notwendig um diesen Faschismus durchzupeitschen und das ist ebenfalls grausam mitanzusehen. Der Zuseher weiß, dass hier etwas gewaltig schief läuft, aber im Film selbst scheint dies absolut niemand zu sehen. Nicht einmal die Klone selbst.
Auch die Tatsache, dass Never Let Me Go nicht, wie die meisten SciFi Filme, in eine nahe oder ferne Zukunft verlagert wird, sondern quasi ein alternatives Schicksal für unsere Erde zeigt und deshalb in der Vergangenheit eines Paralleluniversums spielt, wirkt sich doch stark auf die emotionale Ebene des Films aus. Man kann hier nicht von irgendwann in einer fernen Zeit sprechen oder von sterilen, fremden Zivilisationen. Stattdessen rückt das Grauen noch ein Stück näher an uns heran. Es fällt schwer zu beschreiben warum genau das so ist, aber diese Tatsache bringt uns noch näher zu den Figuren und verstärkt die Tragik des Films noch zusätzlich.
Fazit:
Never Let Me Go ist ein Meisterwerk. Vom feinfühligen Drehbuch über die grandiosen Darsteller bis zur dezenten Inszenierung von Mark Romanek greift hier alles ineinander. Never Let Me Go schildert eine Gesellschaft in der alles normal scheint, hinter der aber ein gewaltiger Abgrund lauert. Dabei spricht der Film nur weniges aus, das meiste wird angedeutet und einfach als ganz normal gezeigt - und genau diese Unterwanderung des Normalen ist es was den Film so berührend und schockierend macht. Never Let Me Go ist schwere Kost die wütend macht und zu Tränen rührt. Ein ganz großer Film.
Wertung:
9/10 Punkte

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