Gegen jede Regel (2000)

OT: Remember the Titans - 113 Minuten - Drama
Gegen jede Regel (2000)
Kinostart: 29.03.2001
DVD-Start: Unbekannt - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Gegen jede Regel

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Egal, was Blockbuster-Produzent Jerry Bruckheimer auch für frisches Blut auf den Regiestuhl setzte, hinterher hat der Mann einen Namen und einen erfolgreichen Film, der in 90 % aller Fälle auch die 100 Millionen Dollar – Einspielgrenze knackt. Das war mit Simon West („Con Air“), Dominic Sena („Gone in Sixty Seconds”), David McNally („Coyote Ugly”) und auch Boaz Yakin so. Selbstverständlich darf man bei „Remember the Titans“, soviel sei vorweggenommen, nicht von einer kritischen Auseinandersetzung mit der seinerzeit problematischen Rassenintegration ausgehen, sondern von eben dem, wofür der Name Bruckheimer und der sich dahinter ebenfalls verbergende Disney-Konzern stehen: möglich intelligenzfreies, leicht konsumierbares Popcornkino.

Wir schreiben das Jahr 1971. Die Regierung ist im Zuge etlicher Unruhen und Proteste darum bemüht per Gesetz die Integration der schwarzen Bevölkerung zu erzwingen und schreckt dabei auch nicht davor zurück, bis in die heiligsten Refugien der Weißen vorzudringen, dem Football. Oder besser gesagt, der Oberliga des Footballs, wo die Schwarzen, so die einhellige Meinung, gar nichts verloren haben. Als das Kultusministerium an der T.C. Williams High School (Virginia), als eine Art Pilotprojekt, dem erfolgreichen, beliebten und geachteten Couch Bill Yoast (Bruckheimer-Dauergast Will Patton, „Armageddon“, „Gone in Sixty Seconds“) den schwarzen Trainer Herman Boone (Denzel Washington, „Training Day“, „Man on Fire“) vor die Nase setzt, ist es mit dem Frieden in der Stadt erwartungsgemäß schnell vorbei. Schwarze nicht nur in der Schule, sondern auch im Football-Team? Ungeheuerlich! Heimlich beginnt die Schulverwaltung bereits an dessen Stuhl zu sägen...

Die Weiterentwicklung der Situation fällt erwartungsgemäß der Schwarz-Weiß-Malerei zum Opfer und zwar in beiderlei Sinn. Während die schwarzen Jungs sich alsbald wie die Sieger fühlen, boykottiert der weiße Nachwuchs das Team, weswegen der verbitterte Yoast, der mit ansehen muss, wie seine Spieler ihre Zukunft wegwerfen, dem ihm von Boone angebotenen Job des Defense-Trainers annimmt und ins Team zurückkehrt. Ihr Problem ist nun aus den beiden Parteien innerhalb der begrenzten Vorbereitungszeit ein miteinander harmonierendes Team zu schaffen. Die Lösung soll ein Trainingslager darstellen...

Denzel Washington, und das ist auch der Hauptgrund sich den Film anzusehen, überragt hier mit seiner Präsenz jeden. Sein schier völlig von negativen Seiten befreiter Charakter, der zwischen Schwarz und Weiß keinen Unterschied macht und grundsätzlich Autorität und bedingungslosen Siegeswillen personifiziert, zerbricht die beiden Lager in seinem mehrwöchigen Boot-Camp und zwingt sie zum Zusammenhalt. Gemeinsame Qual und gemeinsamer Schmerz schweißen zusammen. So nimmt das Schicksal seinen Lauf. Im übrigen ist diese Methode auch heutzutage beim Militär immer noch sehr beliebt und überaus erfolgreich. Wer Rekrut war, weiß wovon ich rede.

Der durchgängige Erfolg, der, abseits von den alibihaften Querdenkern, dann freilich garantiert wird, weil die Zimmer jeweils Halbe/Halbe belegt werden, im Bus Schwarz neben Weiß sitzen muss und man sich schließlich auch, wie von Zauberhand, versteht, muss so akzeptiert werden. Jahrelange, verbohrte Ansichten so einfach aufzubrechen und wegzuspülen, dürfte, auch wenn das hier auf wahren Tatsachen beruht, nicht ganz so einfach funktionieren. Dem glattgebügelten Drehbuch sei Dank, dass es hier so einfach vonstatten geht. Immerhin profiliert sich „Remember the Titans“ dank der über den gesamten Film präsenten, zeitgemäßen Evergreens und den einsatzfreudigen Jungdarstellern (u.a. Ryan Hurst, Donald Faison, Ethan Suplee (Der Dicke aus „Donnie Darko“ und „American History X“) und „Driven“ –Pilot Kip Pardue) als mitreißendes, wenn auch oberflächliches Sportlerdrama.

Seine stärksten Momente hat der Film bis dahin dann aber schon hinter sich, reagieren im weiteren Verlauf doch am liebsten Pathos, Klischees und jene ungeliebte Moralkeule, die uns die leicht verständliche Nachricht ins Gehirn prügeln muss. Denn das nun neu formatierte Team, das so ganz nebenher von Sieg zu Sieg eilt, trifft in ihrer Stadt immer noch auf die manifestierten Vorurteile, während es untereinander schon wieder auseinander zubrechen droht. Gemeinsame abendliche Touren werden abgebrochen, weil Schwarze und Hippies in den Kneipen nicht erwünscht sind, man kann den schwarzen Freund nicht mit zum Essen nach Haus bringen, weil die Mutter bis oben hin verbrämt ist. Die jungen Töchter der Trainer haben auch so ihren Zwist auszufighten und schließlich freunden sich auch die beiden so unterschiedlichen Trainer nach einigen Auseinandersetzungen an. Der gar nicht mit den harten Trainingsmethoden einverstandene Yoast entdeckt sein Gewissen und Boone versteht im Gegenzug seinen Stolz und seine anmaßende Haltung, sich nichts sagen zu lassen, zu bändigen. Hier wendet sich trotz eines, dann wieder furchtbar pathetisch inszenierten tragischen Unfalls (bei dem sich Komponist Trevor Rabin übrigens ausführlich bei seinem eigenen Eingangsthema aus „Armageddon“ bedient) wirklich alles zum Guten, so dass final auch die ganze Stadt, abseits von einigen, weißen Berufsrassisten hinter ihrem Team steht.

Umbiegen müssen es angesichts dieser penetranten Klischeeanhäufung immer wieder die Footballszenen, wo sich jeder für den anderen den Arsch aufreißt und bis zum Umfallen kämpft. Die Intensität von Genreprimus „Any Given Sunday“ erreicht Boaz Yakin selbstverständlich nie, aber hier ist das Ziel auch ein anderes. Nicht der Sport steht im Fokus, sondern die Hautfarben und wie sie auf dem Platz für die gleiche Sache fighten. Offensichtliche Außenseiter wie der latente Homoerotische (?) oder übergewichtige Neuling werden großzügig gleich nebenbei mit abgehandelt. Man will universell sein.

Seinen Unterhaltungswert kann man „Remember the Titans“ über seine komplette Distanz trotz seiner offensichtlichen Oberflächlichkeit in Verbund mit seinen äußerst plakativ dargestellten Rassenschicksalen, wie bei Bruckheimer nahezu üblich, nicht absprechen. Visuell und akustisch hat Yakin den Film voll im Griff, weswegen auch keine sonderlichen Längen auftreten können. Überdies sind der harte Knochen Denzel Washington und der zutiefst sympathische Will Patton (Warum bekommt der Mann eigentlich so selten größere Rollen?) auch hier wieder eine Bank und gliedern sich zwanglos in den Film ein. Insbesondere Patton, dessen Charakter hier eine Gradwanderung zwischen Moral und dem Status seiner eigenen Persönlichkeit beschreitet und sich für eins entscheiden muss, spielt kritikfrei.

Fazit:
Wo Bruckheimer drauf steht, ist auch Bruckheimer drin. Dieser Satz bewahrheitet sich einmal mehr. „Remember the Titans“ ist ein fix von der Hand gehendes, soweit flott inszeniertes Footballdrama, das sich seinem eigentlichem Thema, der Rassenproblematik, nur äußerst oberflächlich widmet und oftmals nur Klischee an Klischee abseilt, dafür aber so attraktiv inszeniert worden ist, dass Darsteller und Musik viel davon, auf den ersten Blick, vergessen machen. Eine ernsthafte Auseinandersetzung hat hier sowieso nie jemand geglaubt und gewollt, deswegen belassen wir es bei der Unterhaltung. Nur so funktioniert der Film nämlich.

Wertung:
6/10 Punkte


Filmering.at
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Ø Wertung: 7.3/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 6
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