The Fighter (2010)

OT: The Fighter - 115 Minuten - Drama
The Fighter (2010)
Kinostart: 08.04.2011
DVD-Start: 14.10.2011 - Blu-ray-Start: 14.10.2011
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Filmkritik zu The Fighter

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Boxfilme sind zwar im Augenblick nicht gerade in en vogue, aber dennoch bilden sie eine feste Größe in der Filmgeschichte. Das hat auch seinen Grund: Denn nicht wenige Boxer haben eine bewegende Lebensgeschichte hinter sich, die sie dazu bewegte einen solch physisch fordernden Beruf zu ergreifen. Die Palette reicht dabei von sympathischen Heldenfilmen alá Rocky bis zu radikalen Antiheldenstudien wie Wie ein wilder Stier. The Fighter findet irgendwo einen Mittelweg und punktet mit faszinierenden Charakteren und grandiosen Darstellern.

Dicky Eklund (Christian Bale) ist ein ehemaliger Profiboxer, der noch immer von seiner kurzzeitigen Berühmtheit zehrt, als er damals Weltmeister Sugar Ray Leonard auf die Bretter schickte. Mittlerweile ist der Glanz aber passé: Dicky ist cracksüchtig, eigentlich ein Wrack, glaubt aber immer noch an sein Comeback. Ausserdem trainiert er seinen Halbbruder Micky Ward (Mark Wahlberg), der ebenfalls ein talentierter Boxer ist. Doch die Vorzeichen für Micky sind nicht gerade rosig: Abgesehen davon, dass er sich nicht auf Dicky als Trainer verlassen kann, ist auch noch seine fordernde Mutter Alice (Melissa Leo) seine Managerin. Und die Familienprobleme belasten seine Karriere...

Basierend auf der wahren Lebensgeschichte von Micky Ward erzählt The Fighter vor allem von dessen sozialem Umfeld. Überraschenderweise wird das Boxen lediglich als Antrieb verwendet um die Charaktere zu etablieren. Zwar häufen sich in der zweiten Hälfte des Films die Boxszenen, aber der Fokus bleibt stets auf den Menschen. Gesegnet mit einem unglaublichen Schauspielerensemble inszeniert Regisseur David O. Russell einen starken Film, der es schafft über die volle Laufzeit zu unterhalten und zu berühren.

The Fighter ist dabei ein in höchstem Maße anachronistischer Film. Prinzipiell erinnert der Film stark an eine längst vergangene Dekade, genauer gesagt die 70er-80er Jahre, aber gleichzeitig schafft es der Film ausgezeichnet moderne Musik unterzubringen und so auch wunderbar die Gegenwart ins Spiel zu bringen. Dieser Kontrast zwischen einer klassischen und einer modernen Inszenierung ist es auch was den Film so auszeichnet. David O. Russell hat hier einen wirklich tollen Weg gefunden die Geschichte von Micky Ward zu erzählen, dessen aktive Karriere ja noch nicht allzu lange zurück liegt.

Besonders gut gelungen ist dabei das Schildern des Millieus in dem Micky Ward lebt. Man kann hier förmlich spüren wie sich das Leben in dieser Gegend anfühlt. Von seinem problematischen Bruder über die herrschsüchtige Mutter fügt sich alles zu einem stimmigen Bild zusammen. Etwas schade ist jedoch, dass der Boxsport dabei fast etwas zu kurz kommt. Die Vorbereitung auf die Kämpfe werden lediglich angedeutet und die Kämpfe selbst wirken auch etwas austauschbar und teilweise wenig fesselnd. Zwar sind sie handwerklich solide gefilmt, aber es mangelt hier oftmals an Emotionen und Spannung.

Diese Schwäche wird aber durch die großartigen Darsteller mehr als kompensiert. Mark Wahlberg ist der sympathische Ruhepol des Films, quasi das Zentrum für den Zuseher. Doch um ihn herum gibt es ein wahres Feuerwerk an tollen Darbietungen. Die beiden eindrucksvollsten liefern Christian Bale und Melissa Leo (die auch beide einen Nebendarsteller Oscar für ihre Rollen bekommen haben). Rund um das ruhige Zentrum geht es also mehr als turbulent zu, da sich Bale und Leo einen wahren Showdown liefern und sämtliche Szenen an sich reissen.

Besonders grandios ist dabei ein Christian Bale, der sich so gut wie schon lange nicht mehr zeigt. Einmal ganz davon abgesehen, dass sich der Extremdarsteller einmal wieder abgehungert und auch ansonsten optisch völlig der Rolle untergeordnet hat, liefert er eine eindringliche Performance die weit über das bloße Nachahmen von Dicky Eklund hinausgeht. Melissa Leo hingegen ist ein reiner Orkan, der in bester White Trash Manier über alles und jeden hinwegfegt. Die beiden sind es schlussendlich auch, die dem Film viel Leben einhauchen und die Schwächen fast vergessen lassen.

Fazit:
The Fighter ist ein sehr gelungener Film, der äußerst spannend zwischen einer klassischen und modernern Herangehensweise oszilliert. Der treffende Musikeinsatz und die lockere Inszenierung von David O. Russell sorgen für einen temporeichen Filmfluss. Besonders aber sind es die Darsteller die The Fighter auszeichnen. Mark Wahlberg ist der Sympathieträger und rund um ihn zünden Christian Bale und Melissa Leo ein Feuerwerk der Schauspielkunst. Zwar ist es etwas schade, dass die Boxszenen sehr in den Hintergrund rücken und wenig spannend sind, aber als unterhaltsame Charakterstudie funktioniert The Fighter dennoch sehr gut.

Wertung:
8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 43
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Erstellt: 20.10.2013
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