Winter's Bone (2010)

OT: Winters Bone - 100 Minuten - Drama / Thriller
Winter
Kinostart: 01.04.2011
DVD-Start: 11.10.2011 - Blu-ray-Start: 11.10.2011
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Filmkritik zu Winter's Bone

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Beim amerikanischen Kino hat man oft den Eindruck, dass es zwei Möglichkeit gibt mit sozialen Schichten umzugehen: Entweder man interessiert sich gar nicht dafür, oder man meint es zu gut und tritt schon einmal gerne in die Klischeefalle. Der für vier Oscars nominierte Independentfilm Winter’s Bone hingegen schafft es vortrefflich die goldene Mitte zu treffen. Das soziale Millieu wird genauso treffend geschildert, wie das amerikanische Hinterland und vor der unbarmerzigen Kulisse wird auch noch eine spannende Geschichte erzählt. Winter’s Bone ist ein atmosphärisch umwerfender Film, der vor allem mit großartigen Darstellern überzeugt.

Ree Dolly (Jennifer Lawrence) ist erst siebzehn Jahre alt, hat aber keine Zeit ihre Jugend zu genießen. Stattdessen muss sie sich um Bruder Sonny (Isaiah Stone) und Schwester Ashlee (Ashlee Thompson) kümmern. Die Mutter ist keine Hilfe und der drogendealende Vater ist nicht aufzuspüren. Als er auch zu einer angesetzten Gerichtsverhandlung nicht erscheint, wird es ernst: Das Haus der Familie soll enteignet werden und Ree Dolly muss alles versuchen um ihren Vater irgendwie zu finden. Doch das wird ein schwieriges Unterfangen...

Winter’s Bone ist der zweite Spielfilm von Debra Granik und es ist nicht zu übersehen, dass sie ein unglaubliches Gespür für Orte, Figuren und Atmosphären hat. Sie schildert die Lebensumstände der Figuren präzise, ungeschönt, aber auch ohne Übertreibungen. Es wirkt wie ein ehrlicher Blick auf die Unterschicht im Hinterland der USA und der dabei entworfene Mikrokosmos strotzt vor allem nur so vor Skepsis und tendiert zu eigenen Regeln: Das Recht des Stärkeren wird hier noch gelebt und die Polizei ist es sicher nicht, die hier für Recht und Ordnung sorgt.

Eingetaucht in blassen Farben und untersetzt von einer klirrenden Kälte, entwirft Winter’s Bone die bittere Skizze eines Ortes, der so ziemlich das Gegenteil von dem ist, was man als “einladend” bezeichnen könnte. Die Häuser sind verfallen, die Menschen rau im Umgang und wer ein Problem hat, der muss sehen wie er zurecht kommt. Auch die Wäler sind ein wesentliches Element dieser Ortschaft, die einen fast schon anachronistischen Charakter hat, der einen starken Kontrast zum “modernen” Zusammenleben bietet. Ja, in Winter’s Bone spielen Landschaft und Lebensumstände eine zentrale Rolle und liefern einen wichtigen Zugangspunkt zu den Figuren.

Stilistisch gibt sich der Film passend zurückhalten und minimalistisch, eben genau wie es auch das Setting erfordert. Mitten in diesem verzweifelten Strudel bricht Ree Dolly auf um ihren Vater zu suchen, eine Expediton auf die wir sie in Folge begleiten und während der wir natürlich auch mit ihr mitleiden. Es ist ein pessimistischer Blick, gleichermaßen Sozialstudie, wie Thriller, mit starken ikonischen Anspielungen auf das Backwood-Horrorkino, und einer Auflösung, die es wahrlich in sich hat.

Getragen wird diese Reise von der unglaublich intensiven Darbietung von Jennifer Lawrence, der man förmlich ansieht, dass sie die Sorge um das Überleben einer ganzen Familie auf den Schultern trägt. Besonders im Zusammenspiel mit dem undurchsichtigen John Hawkes ergeben sich einige vortreffliche Szenen, aber diese beiden sind nur die auffälligsten der großen Leistungen des Films: Das gesamte Ensemble liefert eine glaubwürdige und intensive Leistung, die bemerkenswert ist. Insgesamt betrachtet ist Winter’s Bone ein ganz großer, kleiner Film, der es sich verdient von vielen Leuten gesehen zu werden.

Fazit:
Winter’s Bone ist intensive Sozialstudie und spannender Thriller in einem und überzeugt mit einer fabelhaften Atmosphäre, großartigen Schauspielern und einer stimmigen Herangehensweise: Das soziale Millieu wird ungeschönt geschildert, ohne dass übertrieben wird und die Ortschaften entwickeln beinahe ein Eigenleben, das für den Film als Ganzes ein unglaublicher Gewinn ist. Winter’s Bone ist ein sehr gelungener Independentfilm der, abgesehen von kleinen Durchhängern, durchgehend überzeugt.

Wertung:
8/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 7.9/10 | Kritiken: 0 | Wertungen: 31
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