Betty Anne Waters (2010)

OT: Conviction - 107 Minuten - Drama
Betty Anne Waters (2010)
Kinostart: 18.03.2011
DVD-Start: 18.08.2011 - Blu-ray-Start: 18.08.2011
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Filmkritik zu Betty Anne Waters

Von am
Filme über zu Unrecht verurteilte Menschen kennt man mittlerweile schon zu genüge. Selten kommt dabei etwas Neues und unvorhergesehenes heraus, denn sie laufen immer nach dem gleichen Schema ab. Warum sollte man sich also Betty Anne Waters ansehen, wenn es auch auf diesen Film zutrifft? Zweifellos, der Fall ihres Bruders Kenny Waters (Sam Rockwell), der unschuldig 18 Jahre lang im Gefängnis saß, ist ein Justizskandal. Und auch Bettys (Hilary Swank) unbeirrbares Durchhaltevermögen ihn heraus zu holen ist bemerkenswert. Aber kann der Film an sich auch überzeugen?

 

Um es gleich vorweg zu nehmen, Überraschungen gibt es wenige im Kampf um die Freilassung der verzweifelten und über die Unzulänglichkeiten der Justiz zu Recht erzürnten Waters Geschwister. Die Handlung entwickelt sich ohne nennenswerte oder gar neuartige Wendungen im abgetretenen Justizdrama. Alles was man schon in anderen Filmen dieses Genres gesehen hat, wird man auch hier sehen. Von daher bedarf die eigentliche Geschichte keiner großen Aufmerksamkeit, kann man ihr doch schon fast mit geschlossenen Augen folgen.

 

Was jedoch zu überzeugen vermag und Betty Anne Waters daher zu einem sehenswerten und sogar unterhaltsamen Film macht, sind zum einen die wirklich gut aufgelegten Schauspieler und zum anderen die vornehmend zurückhaltende Regie. Aber kommen wir zuerst zu den Leistungen der Darsteller. Neben der gewohnt guten Hilary Swank, die zwar keine oscarreife Performance abliefert und daher nicht in Vergleich zu setzen ist mit solchen Leistungen wie in Boys Don’t Cry oder Million Dollar Baby, sind es vor allem die Nebendarsteller, die diesen Film tragen.

 

Allen voran empfiehlt sich Sam Rockwell einmal mehr als ein herausragender, vielseitiger Schauspieler, der hier erneut seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt. Es sind zwar nur wenige Szenen, die er hat, aber dafür reißt er sie stets an sich und hebt damit die Bedeutung von Nebendarstellern für das Gelingen eines Films hervor. Aber auch die anderen Darsteller, angefangen von Melissa Leo, Juliette Lewis bis hin zu Clea DuVall, zeigen durch die Bank weg ihr können. Einzig Minnie Driver muss sich mit der undankbaren Aufgabe abfinden, die etwas zu stereotyp geratene beste Freundin von Betty Anne zu spielen.

 

Der andere überzeugende Grund, nämlich die Regie, weiß deshalb zu gefallen, weil es Tony Goldwyn großteils gelingt auf Klischee und Kitsch zu verzichten. Dennoch schafft er es nicht auf das ein oder andere tränende Auge oder zu dick aufgetragene Szene zu verzichten, auch die Figuren sind in manchen Momenten zu eindimensional eingefangen. Daher ist es ihm nicht auf voller Linie gelungen auf Schablonen des Genres zu verzichten, weshalb der Film im Endeffekt nicht derart kompromisslos ist, wie er hätte sein müssen, um die Gattung des Justizdramas neu zu beleben.

 

Besonders schade ist es daher, dass gerade die Ironie des gesamten Falles am Ende keinerlei Erwähnung findet. Nämlich das endgültige Schicksal Kenny Waters wird ausgespart, während der weitere Weg von allen anderen wichtigen Figuren am Schluss Einzug in den Film erhält. Dabei hätte gerade diese Ironie Betty Anne Waters zusätzliche Würze und nicht zuletzt eine standhafte Endnote verliehen.

 

Fazit:
Betty Anne Waters bietet eigentlich nichts Neues und stellt daher nur ein weiteres Justizdrama in einer langen Reihe von Filmen dieses Genres dar. Aber gerade weil der Film auf einer wahren Geschichte beruht, kann man zumindest über die Vorhersehbarkeit der Handlung hinweg sehen. Nicht hinweg sehen kann man jedoch über manche klischeehaften Momente, auch wenn sie sich dank Tony Goldwyns Regie in Grenzen halten, so sind sie doch vorhanden und trüben den Gesamteindruck. Gerade am Schluss drückt der Film sehr stark auf die Tränendrüse, was er eigentlich nicht notwendig hätte. Im Endeffekt sind es aber vor allem die Schauspieler von Betty Anne Waters, die dafür sorgen, dass der Film zumindest unterhaltsam bleibt und die gekonnt die Schwächen kaschieren.

 

Wertung:
6/10 Punkte

Filmering.at
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Ø Wertung: 6.9/10 | Kritiken: 2 | Wertungen: 14
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