Howl - Das Geheul (2010)

OT: Howl - 84 Minuten - Drama
Howl - Das Geheul (2010)
Kinostart: 18.03.2011
DVD-Start: 08.07.2011 - Blu-ray-Start: Unbekannt
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Filmkritik zu Howl - Das Geheul

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In den Wehen der Nachkriegszeit entstand in den 50er Jahren in Amerika eine neue literarische Bewegung. Ähnlich wie die Lost Generation um Ernest Hemingway und F. Scott Fitzgerald nach dem ersten Weltkrieg, fühlte sich auch diese Gruppe in ihrer Gesellschaft verloren, missverstanden und unzufrieden. Um gegen diesen Umstand etwas zu unternehmen und ihrer Einsamkeit zumindest kurzfristig zu entkommen, indem sie sich mit Gleichgesinnten umgaben, schufen sie nicht nur einen neuen Lebensstil, sondern auch eine neue Art der Literatur: Die Beat Generation.

 

Allen Ginsberg, der Poet und wohl auch sensibelste Vertreter der Gruppe, bezeichnete die Beat Generation als eine Gruppe von Typen, die nur versucht ihre Werke zu veröffentlichen. Seinen größten literarischen Erfolg feierte er mit dem Gedicht „Howl“, welches nach einer sensationellen Lesung und vor allem einem aufsehenerregenden Gerichtsverfahren zu einem Welterfolg wurde. Die Filmemacher Rob Epstein und Jeffrey Friedman setzen dem Gedicht und Autor nun ein filmisches Denkmal und versuchen drei verschiedene Handlungsebenen zu vereinen. Die Lesung (unter anderem auch indem sie das Gedicht in animierte Bilder verpacken), das Gerichtsverfahren und ein Interview mit Ginsberg.

 

Abgesehen von der Wucht des Gedichtes an sich (welches selbst in der Verfilmung nichts an Gewalt verliert), ist es vor allem die beeindruckende Leistung des Hauptdarstellers James Franco als Allen Ginsberg, die den Film trägt. Nach seiner oscarnominierten Performance in 127 Hours, ist dies nun schon der zweite Film in Folge (zumindest nach Veröffentlichungstermin in Österreich), in dem Franco zeigt, dass er ohne Zweifel zu den interessantesten, aufstrebenden Schauspielern seiner Generation gehört. Mit Fug und Recht kann man bereits jetzt behaupten, dass dieser Mann noch eine große Zukunft vor sich hat, denn an Talent mangelt es ihm keinesfalls.

 

In Howl ist es insbesondere die Lesung des Gedichts, die er bravurös und intensiv darstellt und dadurch zum Mittelpunkt des Geschehens wird. Nachher hat man große Lust das Gedicht selbst  zu lesen. Die Animationen hingegen sind zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig und nicht immer originell. Oftmals ist das Gedicht zu wörtlich visuell interpretiert worden. Aber dafür sind die Bilder stets schön gestaltet, wenngleich die Animation nicht unbedingt auf dem neuesten Stand der Technik ist.

 

Auch die Regie wirkt manchmal verloren in den weiten, wirren Wörtern Allen Ginsbergs. Man bekommt den Eindruck, dass die Regisseure (und Drehbuchautoren) Epstein und Friedman Howl als filmisches Äquivalent des schriftstellerischen Stils der Beat Generation inszenieren wollten. Leider gelingt ihnen dieser Versuch nicht vollends und der Film wirkt manchmal konfus und verwirrend, weil man als Zuschauer mit zahlreichen Reizen bombardiert wird, denen man nur schwer folgen kann. Positiv betrachtet jedoch (und in den besseren Momenten gelingt es auch), ist der Film wie ein Rauscherlebnis.

 

Und dann ist man richtig enttäuscht, wenn es vorbei ist. Denn Howl entwickelt einen ganz eigenen Sog an Spannung. Sich darauf einzulassen ist allerdings nicht immer leicht, da der Film fast zu viel auf einmal versucht. Es steckt so viel drinnen, dass nur ein geringer Anteil wirklich gekonnt ausgespielt und dargestellt werden kann. Aber dafür weiß dieser Anteil mehr als zu überzeugen. Und genau deshalb ist es dann auch so schade, wenn es vorbei ist. Man hätte gern noch mehr gesehen. Insbesondere wenn man sich selbst fürs Schreiben interessiert, stellt es eine anregende Bereicherung dar, über die Schreibmethode und die Auffassung des Schreibens von Allen Ginsberg zu hören.

 

Fazit:
Howl ist vor allem eine One-Man-Show des Hauptdarstellers James Franco, der hier wieder einmal beweist, dass man ihn im Auge behalten sollte, denn es zeichnet sich ein großer Schauspieler ab. Aber auch der Rest der Besetzung weiß zu überzeugen und seine Leistung zu verstärken. Abgesehen davon ist es natürlich die literarische, poetische Wucht des Gedichtes „Howl“ und seines Schöpfers Allen Ginsberg, der einfühlsam porträtiert wird. Schwächen zeichnen sich hauptsächlich im animierten Bereich ab, der oftmals einfallslos und überladen ist. Alles in allem ist Howl ein gelungenes Porträt eines Menschen, Schriftstellers, seines Schaffens und seiner Zeit, das auch trotz einiger Mängel überaus gelungen ist.

Wertung:
8/10 Punkte

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Liste von Hriss Zagoudis
Erstellt: 06.09.2012