Hereafter - Das Leben danach (2010)

OT: Hereafter - 129 Minuten - Fantasy / Drama
Hereafter - Das Leben danach (2010)
Kinostart: 28.01.2011
DVD-Start: 03.06.2011 - Blu-ray-Start: 03.06.2011
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Filmkritik zu Hereafter - Das Leben danach

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Wenn ein neuer Clint Eastwood Film in den Lichtspielhäusern auftaucht, dann gilt dies als Pflichttermin für alle Cineasten. Und da der umtriebige, mittlerweile 81-jährige Regisseur mindestens einen Film pro Jahr raus haut, gibt’s zumindest einmal im Jahr einen wirklich guten Film zu sehen. Ob sich das mit „Hereafter“ ändert?

Drei Geschichten – verstreut auf der ganzen Welt – vereint das Script des Wahlwieners Peter Morgan zu einer großen Fabel über das Leben nach dem Tod. Dass es dies gibt, stellt der Film zu keiner Zeit in Frage – die Nahtod-Erfahrungen der Protagonisten zeigen Schatten und finstere Umrisse vor gleißendem Licht. Spirituell ist der Film geworden, aber nicht religiös – er wirft viele Fragen auf, gibt aber kaum Antworten.

Marie LeLay (Cécile De France) ist mit ihrem Lebensgefährten im Karibikparadies auf Urlaub und gerade am Markt damit beschäftigt, Präsente für die daheim gebliebenen Kinder zu kaufen, als die Katastrophe in Form einer Tsunamiwelle losbricht, die das Touristenidyll in ein Inferno verwandelt. Schon allein in dieser Anfangsszene gibt es jede Menge typischer Eastwood-Eleganza zu sehen: Der aufgeregte Kampf um Leben und Tod steht einer völlig unaufgeregten, zurückhaltenden Inszenierung gegenüber. Klassisches Hollywoodkino erster Güte eben. Gerade noch einmal mit dem Leben davon gekommen ist Marie um eine Erfahrung reicher: In den Fluten, so glaubt sie, habe sie Kontakt mit dem Jenseits gehabt – was zu einer radikalen Sinneswandlung der erfolgreichen Fernsehmoderatorin führt.

In San Francisco indessen hat George Lonegan (Matt Damon) ganz andere Sorgen: Seit seiner Kindheit plagen ihn Visionen, die er immer dann bekommt, wenn er Menschen berührt und in Kontakt mit der Welt der Toten tritt. Als Medium wurde George bekannt, doch psychisch ist er gebrochen. Sein Bruder insistiert, dass er aus seiner Gabe Kapital schlägt, obwohl George ihm immer wieder einredet, dass die Gabe eigentlich ein Fluch ist. Ein Fluch, von dem er nicht loskommen kann und der ihm jede normale Form von Beziehung zu anderen verwehrt.

Im dritten Erzählstrang in London verliert der 10-jährige Marcus seinen Zwillingsbruder Jason bei einem Unfall, seine Mutter kann sich aufgrund ihrer Drogenabhängigkeit nicht um ihn kümmern. Marcus begibt sich auf die Suche nach Antworten und gerät dabei zunächst an zahlreiche Scharlatane. Bei einem Terroranschlag auf die Londoner U-Bahn rettet ihn womöglich der Geist seines verstorbenen Bruders. Marcus ist nun umso entschlossener, noch einmal mit Jason in Kontakt zu treten.

Alle drei Geschichten finden auf der Londoner Buchmesse (of all places!) zusammen. Absolutes Gift für jeden anständigen Film, denn das weist umso deutlicher auf die Konstruiertheit eines Drehbuchs hin. Peter Morgans („Die Queen“) Script war angeblich lediglich ein erster Entwurf, der dann nie überarbeitet und 1:1 von Eastwood verfilmt wurde. Möglicherweise hätten Änderungen die Ecken und Kanten die das Buch definitiv bietet, abgeglättet – auf der anderen Seite: Wann kriegen wir denn heute schon noch Filme zu sehen, die ihre kleinen Schwächen offen zur Schau stellen und kein Problem damit haben?

Damit sind wir wieder beim Eastwood-Faktor. „Hereafter“ ist zu keiner Zeit ein marktschreierischer Film, nicht mal unbedingt einer, der besonderen Wert darauf legt, glaubhaft und schlüssig zu sein. Wie das Thema, um das der Film kreist, lässt er jede Leseart zu – und wenn man sich erinnert, wie Eastwood früher mit dem Tod umgegangen ist, sag’ ich nur „make my day!“ Dass der Film handwerklich absolute Spitzenklasse ist, versteht sich bei Eastwood ohnehin von selbst. Und auch wenn man nach knapp 130 langen Filmminuten etwas konsterniert und enttäuscht aus dem Film kommt, weil er – wie in vielen anderen Kritiken steht – „nichts“ zu erzählen hat (was im Umkehrschluss ja nicht bedeutet, dass man nicht trotzdem Augen, Ohren und Herz weit öffnen kann um zuzuhören), so braucht „Hereafter“ möglicherweise nur ein bisschen mehr Zeit, um sich in den Köpfen zu entfalten. Eine Kinoerfahrung, die sich definitiv zwei Mal lohnt!

Wertung:
8/10 Punkte

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Ø Wertung: 6.6/10 | Kritiken: 1 | Wertungen: 19
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Liste von Richard014
Erstellt: 15.05.2014